A Simple Favor (2018)

A Simple Favor (2018)

Nur ein kleiner Gefallen
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  3. 117 Minuten

Filmkritik: "Are you trying to 'Diabolique' me?"

Party hard!
Party hard!

Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sich Stephanie Smothers (Anna Kendrick) alleine um den gemeinsamen Sohn Miles (Joshua Satine) und scheint diese Doppelbelastung locker zu meistern. Die lebensfrohe Mutter findet sogar noch Zeit, einen Vlog zu unterhalten, in dem sie ihren Abonnenten allerlei Mami-Tipps präsentiert. Als Stephanie eines Tages Miles vom Kindergarten abholt, bittet dieser darum, noch etwas Zeit mit dem Spielkameraden Nicky (Ian Ho) verbringen zu dürfen.

Ging es vielleicht für Emily vom Regen in die Traufe?
Ging es vielleicht für Emily vom Regen in die Traufe?

Nicky ist der Sohn der glamourösen PR-Frau Emily (Blake Lively), die in ihrem Job knallhart vorgeht und fast das komplette Gegenteil von Stephanie zu sein scheint. Trotzdem freunden sich die Mütter an. Schnell muss sich Stephanie des Öfteren um Nicky kümmern, da es bei Emily im Büro immer wieder mal etwas länger wird. Doch eines Tages scheint Emily gar nicht mehr aufzutauchen. Die Polizei wird alarmiert und Emilys Ehemann Sean (Henry Golding) befragt. Ist Emily etwas Furchtbares zugestossen?

Der Vorstadt-Thriller A Simple Favor ist ein diabolisches Vergnügen, bei dem nicht viel ist, wie es scheint. Regisseur Paul Feig nimmt den Stoff nicht zu ernst und zieht dieses Pulp-Programm auch mit Hilfe von Humor genüsslich durch. Das hat auch aufgrund der perfekt gewählten Darstellerinnen (Anna Kendrick, Blake Lively) und viel französischer Musik ein Grinsen beim Zuschauer zur Folge, welches noch eine Weile anhalten wird.

A Simple Favor ist eigentlich ein Film, der nicht funktionieren sollte: Hier wird ein Thriller-Plot à la Gone Girl in die Vorstadt-Welt von Desperate Housewives gepackt, wobei das Ganze dann noch einen Tupfer Wild Things und L'amant double erhält. Doch Paul Feig hat aus diesen Zutaten einen genüsslichen Thriller gemacht, bei dem zwar nicht gerade die Fingernägel leiden, sondern eher die Mundwinkel einen Krampf bekommen könnten: Zu grossen Spass macht dieser trashige Krimi, der selbst ganz genau weiss, was er ist - und das zu seinem Vorteil ummünzt.

Nach einem gloriosen Vorspann mit genialer französischer Musikuntermalung (im weiteren Verlaufe des Filmes werden weitere frankophone Hits unter anderem von Brigitte Bardot, Françoise Hardy und Serge Gainsbourg durch die Boxen geblasen) beginnt die Erzählung mit Anna Kendrick, wie sie in ihrem Vlog ihre Abonnenten begrüsst. Nicht gerade der Standard-Beginn und genau deshalb so erfrischend. Apropos Frankreich: Einmal darf Anna Kendrick den hoffentlich bald legendären Satz "Are you trying to 'Diabolique' me?" zum Besten geben, der Film-Fans viel Freude bereiten wird.

Auch wenn man hier definitiv seinen Spass haben kann, verkommt A Simple Favor nicht zur totalen Lachnummer, bei der man die Hände verwerfen muss. Für das ist das Mysterium über die verschwundene Emily zu interessant zu verfolgen, sodass man dranbleibt. Es wird dabei schnell klar, dass hier keine Standard-Auflösung folgen und nicht jeder Twist gerade superglaubwürdig ausfallen wird. Doch während andere Thriller das Spiel dann grimmig bis zum Abspann weiterziehen, dreht Feig auch mit Nebenfiguren die Geschehnisse immer mal wieder ins Diabolisch-Lächerliche. Eine Kombination, die furchtbar schief gehen kann, hier jedoch vorzüglich aufgeht und alles dabei in einem herrlichen Finale endet.

Grosses Lob geht dabei auch an das Casting: Anna Kendrick und Blake Lively sind perfekt in ihrer jeweiligen Rollen. Während Kendrick als fröhliche, hilfsbereite Mustermami fast schon eine Parodie ihrer anderen Rollen zum Besten gibt, holt Lively als verführerischen Emily das Maximum heraus. Mehr über ihren Part zu schreiben, wäre jedoch aus Spoilergründen nicht fair. Als Emily-Ehemann Sean ist weiter Crazy Rich Asians-Star Henry Golding zu sehen, der ebenfalls überzeugt.

Wir sind fast dazu verleitet, A Simple Favor einen schlechten Thriller zu nennen. Doch weil er wie Emily so selbstbewusst durch die 114 Minuten schreitet und der Film sein Pulp-Programm genüsslich durchzieht, hat das einfach einen zu hohen Unterhaltungswert. Am besten mit einem Glas Martini geniessen. Das Rezept zum perfekten Martini gibt es übrigens im Film. "Tchin-tchin !"

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Paul Feigs Gone Girl-Version A Simple Favor ist bis auf die übertriebene und auch nicht ganz befriedigende Auflösung ein toller und vor allem unterhaltsamer Mystery-Thriller mit coolem Humor. Die Frauenrollen überzeugen, wie in praktisch jedem Feig-Movie.

crs

Filmkritik: "Are you trying to 'Diabolique' me?"

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