Searching (2018/III)

Searching (2018/III)

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  3. 102 Minuten

Filmkritik: Who Am I - Kein System ist sicher!

Crazy and not so rich Asian?
Crazy and not so rich Asian?

"Nicht schon wieder", denkt sich der alleinerziehende Vater David Kim (John Cho). Seine 16-jährige Tochter Margot (Michelle La) hat schon wieder vergessen, den Müll rauszubringen. Genervt schreibt er ihr ein paar Nachrichten auf ihr Smartphone, die jedoch auch Stunden später nicht vom Empfänger gelesen wurden. Oder ignoriert Margot etwa ihren Dad? Nachdem weitere Stunden ohne eine Reaktion verstreichen, beginnt sich David langsam Sorgen zu machen.

Unfriended
Unfriended

Über Freunde von Margot versucht er seine Tochter zu erreichen, doch keiner von ihnen scheint zu wissen, wo sie ist. David kontaktiert schliesslich die Polizei und beginnt auch selbst über die sozialen Netzwerke Nachforschungen anzustellen. Dabei findet er unter anderem heraus, dass seine Tochter schon seit längerem keine Klavierstunden mehr besucht hat, obwohl er ihr dafür jeweils Geld gegeben hat. Was hat Margot mit dem Geld gemacht? Je mehr er über seine Tochter ans Tageslicht bringt, umso mehr merkt er, dass sie nicht so perfekt war, wie er geglaubt hatte.

Der fast komplett auf Bildschirmen (Laptops, Smartphones, TVs) erzählte Thriller Searching packt mit einem Vermisstenplot sowie einem kritischen Blick auf die Nachteile, welche das World Wide Web und andere technische Wunder gebracht haben. Einen Warnfinger gibt es jedoch nicht. Für das fokussiert sich der Film zu sehr auf seine clever aufgebaute, spannende Geschichte.

Gleich mal zu den wichtigsten zwei Fragen. Jawohl, fast die ganze Handlung von Searching spielt sich auf Bildschirmen wie Laptops und Smartphones ab. Und ja, dieser Film ist viiiiel besser als der unsägliche Horror-Müll Unfriended.

Gleich zu Beginn hängt der Film von Aneesh Chaganty ähnliche Werke ab. In einer deutlich von Up inspirierten Collage aus Bildern, Videos und Kalendereinträgen sehen wir Margots bisheriges Leben - oder halt einfach die Sachen, die Eltern festhalten. Dabei spielt auch der Tod eine wichtige und tragische Rolle, sodass uns John Chos Vater da schon recht als Herz wächst. Wir schauen hier äusserst intimen Momenten zu. Es sind eben nicht nur Bilder, die man gerne auf Facebook und Co. teilt.

Von den Bildern und Sachen, die auf den sozialen Medien landen und wie diese einen täuschen können, handelt der Film dann nach diesem emotionalen ersten Teil. Wie gut kennen wir unsere Freunde/Verwandte wirklich, die wir fast nur noch im Newsfeed des Online-Profils antreffen? Der Film deckt jedoch nicht nur dieses Thema ab, sondern auch was passiert, wenn etwas viral geht. Die Suche nach dem Teenager erweckt ein dermasses hohes mediales Interesse, dass dann Verschwörungstheoretiker sowie Tastatur-Halbstarke aus ihren Löchern geschlüpft kommen, wodurch ein paar der beklemmendsten Szenen entstehen. Einen Warnfinger sucht man dabei jedoch vergebens.

Natürlich muss Searching auch etwas tricksen. Die Handlung muss vom Zuschauer verfolgt werden können, und so sind immer eine "gäbige" Anzahl an Aufnahmegeräten (Webcam, News-Helikopter) um Protagonist David herum. Etwas unglaubwürdig, aber immerhin finden Chaganty und sein Team auch immer wieder kreative Lösungen für dieses Problem. Was genau mit Margot passiert ist, bleibt schwer vorhersehbar, und so schaut man dieser Suche gespannt zu. Die Auflösung des Ganzes ist dann zwar etwas gar konstruiert und beinhaltet etwas, bei dem erfahrene "Web-Surfer" sich an den Kopf fassen werden, doch schmälert dies den Gesamteindruck nur gering. Ein spannendes kleines Filmchen.

/ crs

Kommentare Total: 3

muri

Die ungewöhnliche Machart des Films braucht ein Weilchen, auch wenn der Einstieg sehr ans Herz geht. Danach folgt IMO eine solide, aber keinesfalls über den Klee zu lobende Story, deren Auflösung nicht nur erwartet, sondern auch hektisch umgesetzt wurde.

Trotzdem, ein Experiment, das man in dieser Form als gelungen anschauen kann.

yan

Das Konzept passt, die Geschichte ist packend erzählt und John Cho spielt überzeugend. Ein guter Thriller, der sich vor allem optisch von anderen Genrevertretern absetzen kann. Leider kann Searching das Niveau nicht bis zum Schluss halten. Die letzte halbe Stunde wirkt überhastet und das Ende ist zu konstruiert. Hier verschenkt der Film wertvolle Punkte.

crs

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