Ruben Brandt, Collector (2018)

Ruben Brandt, Collector (2018)

  1. 96 Minuten

Filmkritik: Museum meets Freud

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
"I've been expecting you, Mr. Brandt."
"I've been expecting you, Mr. Brandt."

Ruben Brandt ist ein Psychoanalytiker, der voll auf die Kraft der Kunst setzt. So lässt er seine Patienten zur seelischen Heilung ganz in die Kunst eintauchen. Kunst liegt seinen Patienten indes auch nicht fern, im Gegenteil, hat er sich doch gerade bei Kunstdieben einen Namen gemacht: Bye-Bye Joe schleicht sich zum Beispiel gerne als Statue verkleidet in Museen ein, um sie des Nachts genüsslich auszurauben, Membrano Bruno ist zweidimensional und kommt so unter jedem Türspalt durch, und die kleptomanische Ex-Stuntfrau Mimi liebt den Nervenkitzel beim Kunstraub.

Von wegen brotlose Kunst!
Von wegen brotlose Kunst!

Nur hat Ruben Brandt ein Problem: Er wird von heftigen Albträumen geplagt, in denen er von den grössten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte angegriffen wird. Obwohl er ja ein Fachmann auf diesem Gebiet ist, kommt er nicht hinter den Grund seines Traumas. Zum Glück weiss Mimi Rat: Nur wenn man seine Probleme besitzt, kann man sie überwinden. Also beginnen sie und ihre Kumpanen, die Albtraum auslösenden Kunstwerke für Ruben zu stehlen. Mit der Kunstraubserie beginnt aber auch ein surreales Katz-und-Maus-Spiel, denn bald wird der Ermittler Kowalski auf den Plan gerufen, der das Gaunerteam schnappen soll.

In seinem ersten Langfilm bannt Regisseur und Künstler Milorad Krstić eine irrwitzige Fahrt durch die Kunst- und Filmgeschichte auf die Leinwand. Mit seinen surrealen Bildern, welche bereits in den Gesichtszügen der Figuren die perspektivischen Spielereien der weltberühmten Kunstwerke aufnehmen, ist Ruben Brandt, Collector ein zumindest visuell beeindruckendes Heist-Movie in nahezu Hitchcock'scher Manier. Leider findet die innovative Darstellungsform keine Entsprechung in der überraschungsarmen Story, welche zudem mit flachen Figuren sowie monotoner Voice-Arbeit enttäuscht.

Ganze sechs Jahre dauerte es, bis Ruben Brandt, Collector fertiggestellt werden konnte. Hat man erst einmal den aufwändigen Mix aus Computeranimationen und Trickfilmsequenzen, die zwischen farbenprächtigen Sequenzen und düsteren Grautönen changieren, gesehen, erstaunt die lange Produktionszeit freilich nicht. Für Freunde grosser Kunst dürfte der Film deshalb ein kleiner Geheimtipp sein, denn der ungarische Animationsfilm bietet nicht weniger als einen surrealen Trip durch die Kunstgeschichte der vergangenen Jahrhunderte.

Dabei wird Kunst gleich in mehrfacher Weise aufgenommen und zitiert: Erzählerisch suchen die 13 grossen Kunstschätze (u. a. von Botticelli, Manet, Warhol oder Hopper) die Albträume des titelgebenden Protagonisten heim, aber auch die Darstellungsweise des Filmes zitiert querbeet aus den Werken der grossen Meister, wobei den Figuren mit ihren teils mehrfachen Gesichtern, fünf Augen und drei Nasen vor allem Picasso als visueller Referenzwert Pate gestanden haben dürfte. Zudem greift Krstić wiederholt in die Filmzitatenkiste. So erinnern etwa die aufwändig animierten Verfolgungsszenen wiederholt an die Thrillerklassiker der Filmgeschichte, allen voran natürlich jene von Regielegende Alfred Hitchcock. Hitch selbst hat übrigens einen wiederkehrenden Gastauftritt in Eiswürfelform.

Mit der abgefahrenen Idee von Bildern, die gleichermassen zu Albtraumszenarien als auch zum Objekt einer frech angelegten Raubserie werden, bietet Ruben Brandt, Collector eine originelle Ausgangslage, die zwar visuell berauschende Bilder heraufbeschwört, inhaltlich aber leider deutlich abfällt. Schwach sind insbesondere die Figuren - Achtung, Wortspiel! - gezeichnet. Zwar wurden gerade die Verbrecher mit durchaus witzigen Eigenschaften versehen - dabei schiesst natürlich der zweidimensionale Räuber ohne Frage den Vogel ab. Aufgrund mangelhafter Charakterzeichnung und vor allem ziemlich laschem Voice-Casting bietet der Film aber abseits des immer wieder hervorragenden optischen Eindrucks nur wenige Highlights. Vielleicht hätte das Filmprojekt besser als Kurzfilm funktioniert, als Langfilm dürfte das Ganze aber in erster Linie jene Zuschauer ansprechen, die ohnehin kunstbegeistert sind.

/ pps