Robin Hood (2018)

Robin Hood (2018)

  1. ,
  2. 116 Minuten

Filmkritik: R for Remix

Robin Hood: Irak Edition
Robin Hood: Irak Edition

Der junge Gutsherr Robin of Loxley (Taron Egerton) hat mit der schönen Marian (Eve Heweson) die grosse Liebe gefunden. Doch das Glück wird jäh zerstört, als er in den Kreuzzügen gegen die Araber kämpfen muss. Nach Jahren blutiger Schlachten kann er jedoch nicht mehr länger zusehen, als selbst unbewaffnete Gegner gnadenlos hingerichtet werden. Beim Versuch, einen jungen Gefangenen vor der Exekution zu retten, wird Robin verwundet und nach England zurückgeschickt. Ihm folgt unbemerkt der Vater jenes jungen Gefangenen, für den er sich erfolglos eingesetzt hat. Dieser nennt sich kurz John (Jamie Foxx) und sieht in Robin den Helden, der alle Kriege beenden könnte.

Ja, du hast die Haare schön.
Ja, du hast die Haare schön.

Zurück in England findet Robin sein einst perfektes Leben in Trümmern vor: Seine Besitztümer wurden vom Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) zur Kriegsfinanzierung beschlagnahmt, und Marian hat mit dem Lokalpolitiker Will (Jamie Dornan) inzwischen einen neuen Mann an ihrer Seite. Weil er alles verloren hat, lässt er sich auf die Revolutionspläne von John ein. Robin wird zum Dieb mit Bogen und Kapuze, der die Reichen bestiehlt und die Beute den Armen gibt. So gewinnt er als maskierter Dieb die Herzen des Volkes, während er sich als Adliger das Vertrauen des korrupten Sheriffs erschleicht.

Der gefühlt tausendste Film-Robin-Hood versucht sich erst gar nicht an historischer Korrektheit, sondern bietet eine überraschend zeitlose Umsetzung der Thematik "Arm vs. Reich". Diese überzeugt dank des charmanten Hauptdarstellers, der actionreichen Inszenierung und dem ungewohnten Genre-Mix. Zwar ist der Film etwas lang geraten und hat mit Jamie Dornan eine Figur, die ersatzlos hätte gestrichen werden können. Wer sich aber auf das ahistorische Setting und die Neuinterpretation des Kapuzenhelden einlässt, kriegt einen unterhaltsamen und erstaunlich aktuellen Abenteuerfilm zu sehen.

Mit einem geschätzten Budget von 100 Millionen, das wohl kaum wieder eingespielt werden kann, gehört die neuste Interpretation von Robin Hood zu den grossen Enttäuschungen des Kinojahres 2018. Auch bei den meisten Kritikern musste der Film gehörig untendurch - verdient hat der Film diese Häme allerdings nicht. Klar, dieser Robin Hood setzt bewusst auf jung und cool, hat aber neben der fast schon modern wirkenden Ausstattung und den spektakulären Actionsequenzen mit gehörig Explosionen und Verfolgungsjagden noch mehr zu bieten, als ein blosses Update sein zu wollen.

Der Trumpf des Filmes ist zweifellos Hauptdarsteller Taron Egerton, weiss dieser doch als romantischer Lead, als heldenhafter Kämpfer wie auch als verschmitzter Intrigant bestens zu überzeugen. Es sind letztere Szenen, die unschwer erkennen lassen, wo sich das Kinofilmdebüt von Otto Bathurst (führte bisher Regie bei TV-Serien wie Peaky Blinders) bedient: Es sind maskierte Helden wie Zorro, Green Arrow, aber auch V aus V for Vendetta, die hier unverkennbar Pate standen. Überhaupt kann der Film kaum isoliert betrachtet werden, zu offensichtlich sind die vielen Details, die wohl ganz bewusst als Replik auf bisherige Inkarnationen des Robin-Hood-Mythos zu verstehen sind. So ist Jamie Foxx eine Art Mischung aus Little John und Morgan Freemans Azeem, wie auch die Rivalität zwischen Robin und Will aus dem Kevin-Costner-Film übernommen wurde. Zudem sind deutliche Anklänge an Russell Crowes Ausflug in den Sherwood Forest zu erkennen.

Mit Go-to-Bösewicht-Darsteller Ben Mendelsohn als Sheriff von Nottingham kommt zudem eine Figur mit ins Spiel, die nicht nur optisch auch perfekt in eine dystopische Zukunftsvision passen würde. Überhaupt zeigt dieser neue Robin Hood eine erstaunlich zeitlose Version der bekannten Geschichte, welche nur der Form halber im Mittelalter spielt, durch moderne Kleidung und Architektur aber auch heute oder in der Zukunft stattfinden könnte. Dies gilt auch für die gezeigten Konflikte: So sind die (völlig unblutigen) Kampfsequenzen in den Kreuzzügen beispielsweise inszeniert wie Häuserschlachten in Filmen über den Irakkrieg, und wenn sich das Volk mit dem "Hood" gegen die Obrigkeit erhebt, erinnert das wohl nicht zufällig an Bewegungen wie Occupy Wallstreet oder Gilet Jaunes.

Robin Hood ist eine ungewohnte Mischung aus ganz unterschiedlichen Elementen, und gerade dieser Mix, der im süffigen Actionkleid solide umgesetzt wurde, macht den Reiz des Filmes aus. Schade ist es um die leidige Dreiecksgeschichte, die schlicht unnötig ist - überhaupt trägt der zweite Mann an Maid Marians Seite kaum etwas zur Story bei und streckt den ohnehin zu langen Film noch weiter unnötig. Auch die politischen Verstrickungen sind bisweilen etwas gar verworren. Davon abgesehen ist dieser kapuzentragende Gerechtigkeitskämpfer eine willkommene Abwechslung zum (pseudo-)historischen Einheitsbrei seiner unzähligen Vorgänger.

/ pps

Kommentare Total: 3

yan

Nicht ganz so mies wie Assassins Creed, aber nahe dran! Robin Hood ist eine weiterer aufgebauschter Superhelden-Actionfilm, der gerne auf den Marvel-Zug aufspringen möchte und dazu einen Helden 'missbraucht', der mehr verdient gehabt hätte. Da bringt auch das Star-Ensemble wenig!

muri

Da standen aber ein paar der «neueren» Historienfilme Pate. Ein bisschen Hercules, ein Schuss Assassins Creed und obendrauf noch King Arthur: Legend of the Sword. Und obendrauf gibts noch die Kapuze von Arrow.
Das ergibt ein Mischmasch von uninteressanten Vorgängen, die von einem aalglatten Hauptcharakter getragen werden. In Filmen wie Eddie the Eagle oder selbst Kingsman: The Golden Circle hats Edgerton doch eigentlich bewiesen, dass er was kann.

Dieser Robin Hood schaut nach viel aus, wurde aufwändig produziert und mit Action vollgepackt, ist aber schlicht eine Enttäuschung und kommt nie an die Kollegen wie Robin Hood: Prince of Thieves und Konsorten ran. Gut, will er ja wahrscheinlich auch nicht, aber trotzdem - wer hier was Neues erwartet, wird enttäuscht.

Robin Hood: Men in Tights lassen wir mal ausser Konkurrenz laufen 😉

pps

Filmkritik: R for Remix

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