Red Sparrow (2018)

Red Sparrow (2018)

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  2. 139 Minuten

Filmkritik: Geheimes Gezwitscher

Mein Spatz
Mein Spatz

Die schöne russische Ballerina Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) muss wegen einer Verletzung ihre Karriere an den Nagel hängen. Um ihre kranke Mutter und sich selbst zu schützen, lässt sie sich von ihrem einflussreichen Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts) dazu überreden, ihm bei einer kniffligen Situation zu helfen. Als dies mit einem Mord endet und Dominika als Zeugin aus dem Weg geschafft werden soll, gibt es für sie nur einen einzigen Ausweg: Sie lässt sich von einem Geheimdienst, der Sparrow School, rekrutieren, um dort als russische Spionin ausgebildet zu werden.

Femme Fatale
Femme Fatale

Nachdem sie den Trainingsprozess überstanden hat, erhält sie den Auftrag, sich auf verführerische Art und Weise dem CIA-Agenten Nate Nash (Joel Edgerton) anzunähern, um mehr über seinen Aufenthalt in Russland zu erfahren. Nash wird verdächtigt, Kontakte zu einem Maulwurf in der russischen Regierung zu besitzen. Als sich Dominika an ihre Arbeit macht, stellt sie rasch fest, dass ihr vermeintliches Opfer vielleicht auch ihre einzige Chance auf ein normales Leben sein könnte.

Von Francis Lawrences Red Sparrow hat man im Vorfeld erstaunlich wenig gehört, und dies, obwohl Jennifer Lawrence die Hauptrolle spielt. Als russische Verführerin/Spionin ist sie das Herzstück in diesem nach Checkliste konstruierten Thriller. Wer das Genre kennt, könnte sich den Film eigentlich sparen - wäre da nicht die hervorragende Leistung der 27-jährigen Oscarpreisträgerin, die aus dem überlangen, ziemlich laschen Spy-Thriller eine immer wieder heisse Angelegenheit macht.

Sie ist der bisher einzige Neunziger-Jahrgang mit einem Acting-Oscar, die momentan bestverdienende Schauspielerin überhaupt, und sobald sie auf der Bildfläche erscheint, ist die Hölle los: Jennifer Lawrence. Für Filmemacher wie den in Wien geborenen US-Amerikaner Francis Lawrence (nicht verwandt) ist die Zusammenarbeit mit dem Weltstar ein Glücklos. Nach drei Hunger Games-Filmen sitzen die beiden nun in Red Sparrow wieder im selben Boot. Auch wenn der erotisch angehauchte Neo-Spionagethriller leider in keiner Weise Bestnoten erhält und mit über zwei Stunden schier kein Ende nimmt, bleibt immer noch Lawrence, die als verführerische russische Spionin einen grossartigen Eindruck hinterlässt.

Red Sparrow basiert auf dem gleichnamigen Roman (Deutscher Titel: «Operation Red Sparrow») von Jason Matthews. Bevor Francis Lawrence auf dem Regiestuhl Platz nahm, waren eigentlich zuerst Darren Aronofsky (Mother!) und anschliessend David Fincher (Se7en) für die Umsetzung vorgesehen. Vielleicht haben sie das fehlende Potenzial der Story oder schlicht die Problematik erkannt, dass Red Sparrow eine weitere ausgeleierte russische Spionage-Geschichte ist, die jegliche Klischees auspackt und ohne den JLaw-Bonus keine Zuschauer ins Kino locken würde.

Mit Joel Edgerton (Warrior), Matthias Schoenaerts (Rust and Bone), Charlotte Rampling (45 Years) und Mary-Louise Parker (Weeds) hätte der Film auch sonst ein ansprechendes Cast. Die schwache Figurenzeichnung, die zwischendurch an schlechte Comic-Verfilmungen erinnert, macht der talentierten Schauspielriege aber einen Strich durch die Rechnung.

Aus der Reihe tanzt nur eine, und die muss dafür auch vollen Körpereinsatz zeigen. Jennifer Lawrence ist die Femme fatale, die der Film unbedingt gebraucht hat. Dabei musste sie aber auch ziemlich einstecken. Erinnerungen an ihre umstrittene Szene in Mother! werden wach, und die Frage stellt sich schon, was solch explizite Gewaltdarstellungen und plakativer Sexismus in einem modernen Spionagethriller zu suchen haben.

Wenigstens passt die Stimmung des Films zum Gezeigten. James Newton Howards Score wirkt benebelnd und Jo Willems gefasste Kameraarbeit tut ihr Übriges. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Russland und der CIA, zwischen Jennifer Lawrence und Joel Edgerton hat ein unerwartet starkes Ende, bleibt aber sonst zu oft ein Spionagethriller, wie er im Buche steht.

/ yan

Kommentare Total: 2

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Wer Red Sparrow sehen möchte, braucht gutes Sitzfleisch. Die Erzählweise ist träge und die Spannungsschraube wird nicht so häufig angezogen. Der Film lebt vom authentischen Spionageplot. Wer auf solche Filme steht, möchte immer wissen wie es in der Story weitergeht. Dies wurde sehr routiniert erzäht.

Wegen der starken Lawrence bin ich bereit meine 3.5 aufzurunden.

yan

Filmkritik: Geheimes Gezwitscher

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