Ready Player One (2018)

Ready Player One (2018)

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  2. 140 Minuten

Filmkritik: ...und noch eine Anspielung, für die Fans

I need a hero!
I need a hero! © 2018 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Im Jahr 2045 ist die Welt ziemlich im Argen. Anstatt sich mit Armut, Umweltverschmutzung und anderen Problemen auseinanderzusetzen, verbringen die Menschen ihre Zeit viel lieber in der virtuellen Realität OASIS. Dort kann man alles sein, alles tun, solange man sich die nötigen Upgrades für seinen Avatar leisten kann. Und alle User möchten das Rätsel lösen, das James Halliday (Mark Rylance), der Erfinder der OASIS, nach seinem Tod vor fünf Jahren hinterlassen hat. Am Ende einer virtuellen Schnitzeljagd wartet nämlich ein Easter Egg, das dem Gewinner ein enormes Vermögen und die Macht über die gesamte OASIS zusichert.

Love is a battlefield.
Love is a battlefield. © 2018 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Auch der junge Wade Watts (Tye Sheridan), gehört zu den "Gunters", den Egg Hunters, die sich intensiv mit Hallidays Leben und dabei insbesondere mit der Populärkultur der Achtzigerjahre auseinandersetzen, um so Hinweise zur Lösung der drei Aufgaben zu finden. Doch als Wade einen entscheidenden Schritt Richtung Sieg macht, ist ihm bald die Firma Innovative Online Industries - kurz IOI - auf den Fersen, deren Geschäftsführer Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) nichts unversucht lässt, um die OASIS in seine Gewalt zu bringen. Um die weltweite Machtübernahme von IOI zu verhindern, müssen Wade und seine Freunde das Ei unbedingt zuerst finden.

Ready Player One feiert die Achtzigerjahre und die Nostalgie in einem wahren Feuerwerk an Anspielungen, die von The Iron Giant über Doom und John Hughes bis Excalibur reichen. Das sieht optisch sehr gut aus und bietet auch einige tolle Easter Eggs (haha, wie meta!), kann bei den Emotionen aber leider weniger punkten. Regielegende Steven Spielberg mag der richtige Mann für routiniert inszenierte SF-Action sein, erweist sich aber andernorts schlicht als unpassende Wahl für den Job. Insbesondere bei den Themen Games, Virtualität und Digitalität hätte der Bartli definitiv noch ein paar Tutorials nötig.

Ready Player One hätte als Film ein Copyright-Albtraum werden können, packte Romanautor Ernest Cline in seiner Liebeserklärung an die Nerdkultur doch praktisch alles in seine vor Nostalgie triefende Story, was die Siebziger und Achtziger zu bieten hatten. Dass Steven Spielberg himself die virtuelle Schnitzeljagd auf die Leinwand bringen wollte, war also ein Glücksgriff. Zwar strich der Regie-Altmeister fast alle Anspielungen auf Filme, an denen er selbst beteiligt war - der DeLorean aus Back to the Future ist eine der Ausnahmen -, jedoch konnte mit dem grossen Namen die Zusage sämtlicher gewünschter Copyrightinhaber eingeholt werden.

Man möchte meinen, dass es für Spielberg, dessen Werke ja bei vielen von uns wohlig-warme Achtzigerjahre-Nostalgie-Gefühle auslösen, ein Klacks sein sollte, dies erneut auf die Leinwand zu bannen. Deshalb erstaunt es doch, dass Ready Player One zwar optisch eindrückliche Bilder und routinierte Action-Handlung zu bieten hat, sonst aber etwas unterkühlt rüberkommt. Trotz der 140 Minuten Filmlänge bleibt zu wenig Zeit für Figurenzeichnung, Freundschaften und Lovestory.

Nun mögen das viele für nicht so wichtig halten, immerhin geht es hier um Spektakel, Game-Gekloppe und Action, Action, Action. Leider schwächelt der Film auch sonst immer wieder. So fällt der zurückhaltende Einsatz von Musik auf, wird doch beispielsweise in der spektakulären Rennsequenz zu Beginn völlig auf Musik verzichtet. Dass so aber auch ein wesentlicher Teil der Game-Haftigkeit flöten geht, welche die Story ja grundsätzlich auszeichnet, mag Absicht sein - oder vielleicht doch ein Indiz dafür, dass es sich hier um einen Film handelt, der zwar zentral Virtualität und Digitalität thematisiert, in der Inszenierung aber noch stark dem Analogen verhaftet ist.

So sind etwa die Bösewichte Klischees aus einem für die Filmereignisse längst vergangenen Zeitalter: In einer Welt, die fast völlig virtuell geworden ist, trifft man sich nämlich noch immer brav persönlich im Anzug im Sitzungszimmer, und Büro-Nerds streichen händisch Fehlversuche vom Whiteboard. Die gezeigte Welt scheint weit entfernt von der papierlosen Gesellschaft, hat doch auch der Protagonist Zeitungsausschnitte an der Wand kleben. Als detailliert ausgeformte Zukunftsvision überzeugt dies herzlich wenig und wirkt so auch ein bisschen gar unachtsam inszeniert.

Ready Player One punktet durch Spektakel sowie beeindruckende Bilder und wartet insbesondere in den Kampf- und Rennszenen mit so vielen Anspielungen auf, dass man den Film unbedingt mehrfach schauen müsste. Ein blasser Held, generische Dialoge und wenig ausgearbeitete Nebenfiguren überzeugen jedoch nicht; einziger darstellerischer Lichtblick ist Mark Rylance, der als verschupfter OASIS-Gründer richtig sympathisch ist. Die Story bietet tolle Einfälle, etwa die extra für den Film neu geschriebene zweite Aufgabe, aber auch Wendungen, die derart dumm und vorhersehbar sind, dass es fast ein bisschen weh tut. Als Gesamtpaket ist das ganz ordentlich, aber wohl kaum etwas, das einmal selbst zu Nostalgiegefühlen führen wird.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 5

db

Im Vergleich zu Kiss Me First (2018) (immer noch grausamer Titel) merkt man hier, dass das Produktionsteam seine Schwierigkeiten mit der ganzen Thematik hatte, jedenfalls wirkt vieles was für gamer natürlich ist, hier äusserst holprig. Dennoch ein sehr kurzweiliger Film mit einem Sympathischen Cast, der die Schnitzeljagd durch die virtuelle Welt äusserst spannend gestaltet.

yan

Ready Player One hat mir sehr gut gefallen. Spielberg zeigt seine Klasse und bringt ein Nostalgie-Feuerwerk auf die Leinwand, wie man es selten gesehen hat. Die Rätsel sorgen für Spannung, die Inszenierung lässt einen schwärmen und die Darsteller machen einen soliden Job. Sogar der eingestreute Humor (T.J. Millers I-R0k beispielsweise) gefällt äusserst gut. Für mich eine Überraschung und einer der besten Blockbuster des bisherigen Jahres.

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Ready Player One ist leider nicht der grosse Überflieger. Die Lovestory ist schwach und das lösen der Rätsel wirkt nicht sonderlich interessant. Sonst aber optisch ganz stark und sehr nostalgisch. Man spürt seit längerem mal wieder richtiges Spielberg Feeling. Unterhaltung zum grösstenteils vorhanden. 140min dann aber doch etwas zu lang.

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Das Autorennnen zu Beginn sowie die Shining Szenen waren extraklasse.

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