A Quiet Place (2018)

A Quiet Place (2018)

  1. , ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Pssssssst!

Silence or they kill you!
Silence or they kill you!

Die Erde wurde von bösartigen Ausserirdischen überrannt und ein Grossteil der Menschheit wurde angegriffen und ausgelöscht. Die blitzschnellen Aliens halten sich zurück, werden aber von den leisesten Geräuschen angelockt und schlagen dann kompromisslos zu. Wer Lärm macht, hat ausgelebt. Dies weiss auch die fünfköpfige Familie Abbott, die abgelegen auf einer Farm lebt und versucht, so wenig Geräusche wie möglich zu machen.

Schhh!
Schhh!

Familienvater Lee (John Krasinski) und seine Frau Evelyn (Emily Blunt) haben ihre Farm so eingerichtet, dass sie für einen Angriff der Aliens gewappnet wären. Um mit ihrer gehörlosen Tochter Regan (Millicent Simmonds) kommunizieren zu können, haben sie schon vor der Alieninvasion die Gebärdensprache gelernt, was ihnen in der neuen Umgebung entgegenkommt. Doch Kinder wären keine Kinder, hätten sie nicht ab und zu Flausen im Kopf und so scheint es beinahe unmöglich, den Mantel des Schweigens aufrechtzuerhalten.

A Quiet Place von John Krasinski ist ein Endzeit-Thriller und Familiendrama mit typischen Horrorelementen und einem äusserst effektiven und cleveren Konzept. Die einzige Überlebenschance für die Figuren in diesem Beinahe-Stummfilm ist es, die Klappe zu halten. Dank grossartigen schauspielerischen Leistungen und einem ungemein packenden Szenario wird der Kinosaal garantiert nicht stumm bleiben.

Nicht nur Horrorfilmfans dürfte die ungemütliche Szene bekannt vorkommen, in der eine verängstigte Figur sich vor irgendwas Bösem verstecken muss. Sei es nun in einem alten Holzschrank, einer dunkle Ecke oder unter dem Bett - Ziel ist es, möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen, Ruhe zu bewahren und nicht erwischt zu werden. John Krasinskis (13 Hours) dritte Regie-Arbeit A Quiet Place spielt mit genau dieser Art Szene und dehnt diese auf 90 Minuten hinaus. Dies klingt jetzt etwas gar einfach, doch prinzipiell ist das Konzept des Films auch wirklich ziemlich simpel. Simpel, aber dafür äusserst effektiv. Denn obwohl A Quiet Place mehr Endzeit-Thriller und Familiendrama, als Horrorfilm ist, gehören die Jump Scares und andere eingesetzte elementare Horrormechanismen zu den besten der letzten Jahren, und die Stille, die den Film ausmacht, lässt den Puls des Öfteren in die Höhe treiben.

Das gedrosselte Tempo des Films gibt den Zuschauern genug Zeit, auch ohne Dialog; denn Krasinski verzichtet fast komplett auf Gespräche, um die Figuren, sprich die Familie und ihr "neues" Umfeld kennenzulernen. Ist man einmal im Film drin, ist es schon fast ein wenig schade, dass das globale Problem nur auf eine Familie reduziert wird, die zudem mit etlichen Klischees zu kämpfen und in altbackener Walking Dead-Manier mit den Umständen zu leben hat, bis sie zur reinsten Routine verkommen.

Die Stärken von A Quiet Place liegen neben dem Konzept auch bei den überzeugenden Darstellern, die mit der bedrohlichen Ruhe ausgezeichnet arbeiten, und so können sie ihre Furcht und Anspannung mimisch hervorragend auf die Zuschauer übertragen. In dieser Hinsicht geht A Quiet Place neue Wege, denn anders als in vielen Horrorfilmen ist die Gefahr immer präsent. Es gibt einen einzigen Moment im Film, in dem Vater und Sohn hinter einem Wasserfall normal miteinander sprechen können: eine unglaublich unangenehme Angelegenheit für die Zuschauer, denn nicht mal bei tobendem Wasser fühlt man sich geborgen.

Interessant, wenn auch nicht vollends konsequent umgesetzt, ist Krasinskis Umgang mit seinen Figuren und deren komplexen Beziehungen: Eltern, die ihre Kinder in einer lebensfeindlichen Welt grossziehen und beschützen müssen. Kinder, die keine Zukunft vor Augen haben und jeden Tag ums Überleben kämpfen. Gerade deshalb ist A Quiet Place auch dann überzeugend, wenn keine Aliens unterwegs sind. Die Familie hat vieles durchlebt, sie mussten Opfer vollbringen, haben Verluste erlitten: täglich ist ihre Trauer und Hoffnungslosigkeit spürbar. Obwohl die Familie zusammenhält, ist sie beschädigt und voller Schuldgefühle, die keiner wirklich verdrängen kann. Diese emotionale Verwundbarkeit trägt vieles zur bedrückten Stimmung bei und zeigt, weshalb A Quiet Place in erster Linie kein Horrorfilm ist, aber sich in vielerlei Hinsicht wie einer anfühlt.

/ yan

Kommentare Total: 7

andycolette

Also besser geht wirklich nicht Hochspannung pur! Viele schreck Momente ganz grosse Klasse !! Tolle Besetzung und Hammer Soundtrack vom Marco beltraami !!!

swo

Mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Mit viel Spannung und einigen klassischen "Schreckmomenten". Für mich war es genau die richtige Mischung. Aber ich kann nachvollziehen, wenn richtige Horrorfans etwas enttäuscht sind. Und zu viel nachdenken sollte man auch nicht... einfach zurücklehnen und Spass haben :)

Astro

Gestern Abend haben wir A Quiet Place gesehen. Kein schlecht gemachter Film, aber ziemlich vorhersehbar, da er einem viel Zeit gibt darüber nachzudenken, was als nächstes kommt. Also habe ich mich dann schon etwas gelangweilt. Sehr gutes Sounddesign und Musik - die manchmal zu verschmelzen scheinen. Top Kamera. Ich wäre nicht überrascht, wenn es eine Nominierung für die nächsten Oscars fürs Sounddesign bekommen würde. Aber im ganzen kein starker Film. Aber auch kein schlechter. Gute Schauspieler.

Ironischerweise war der Saal fast leer. Es war also wirklich still.

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