The Public (2018)

The Public (2018)

Ein ganz gewöhnlicher Held

Filmkritik: Wir sind alles nur Menschen

1. OutNow Film Festival 2020
«Wo geht's denn hier zur Bibliothek?»
«Wo geht's denn hier zur Bibliothek?» © Koch Media

Eine Kältewelle hat Cincinnati erfasst und die Obdachlosen suchen immer öfter die Zentralbibliothek als Zufluchtsort auf, um sich zu waschen, das Internet zu nutzen und vor allem für eine Weile der arktischen Kälte zu entfliehen. Stuart (Emilio Estevez) und seine Kollegin Myra (Jena Malone), beides langjährige Bibliotheks-Mitarbeitende, haben eine emotionale Beziehung zu den Besuchern aufgebaut und helfen, so gut sie können.

"Was machen wir jetzt?"
"Was machen wir jetzt?" © Koch Media

Als schliesslich alle Notunterkünfte überfüllt sind, beschliessen die Obdachlosen, auch die Nacht in der Bibliothek zu verbringen. Schon bald bekommt die örtliche Polizei Wind von der Sache, und der unsympathische Detective Bill Ramstead (Alec Baldwin) tritt als Verhandlungsführer auf den Plan. Denn es wird sogar eine Geiselnahme vermutet, da Stuart eine Vergangenheit als Kleinkrimineller hat. Zugleich fordert Staatsanwalt Josh Davis (Christian Slater) eine Räumung des Hauses.

Für dieses Drama zeichnete Emilio Estevez sowohl als Regisseur wie auch als Drehbuchautor verantwortlich. The Public ist ein Film, der ganz gut den Kampf gegen die soziale Ungleichheit zeigt. Es spielen viele bekannte, allerdings grösstenteils auch durchschnittliche Schauspieler mit. In Erinnerung bleiben von dem Film sicherlich vor allem die letzten 20 Minuten.

Bisher war Regisseur Emilio Estevez primär als Darsteller und vor allem auch als Bruder resp. Sohn von Charlie und Martin Sheen bekannt. Zusätzlich zu Regie und Drehbuch spielt er in diesem Film auch die Hauptrolle Stuart Goodson. Alec Baldwin wirkt in seiner Rolle als Detective Bill Ramstead so richtig unsympathisch und Christian Slater als Staatsanwalt Josh Davis spielt den aalglatten, ambitionierten Politiker. Derweil die Chemie zwischen Stuart und seiner Nachbarin Angela (Taylor Schilling, bekannt aus Orange is the New Black) aussergewöhnlich gut ist.

Die Rollen zwischen Gut und Böse sind bei The Public sehr klar verteilt. Auf der einen Seite die hilfesuchenden Obdachlosen und auf der anderen die Staatsgewalt. Dies ist zugleich Stärke als auch Schwäche des Films. Moralisch lässt der Film keine zwei Meinungen zu, man fühlt sich als Zuschauer fast gezwungen, sich auf die Seite der Obdachlosen zu schlagen. Dies passt aber zur sehr einfach gestrickten Story sehr gut. Der ganze Film ist fast eine Art Kammerspiel, und in gewissen berührt der Film auch tatsächlich.

Sicher - die Story ist vorhersehbar. Doch Estevez nimmt man die Rolle als Bekämpfer der sozialen Ungleichheit ab und er ist sicher ein Highlight des Films. Der Film ist zwar kein Meisterwerk, aber die letzten Minuten entschädigen für durchaus vorhandene Längen im Film. The Public ist nicht der unterhaltsamste Film, kann aber durchaus zum Nachdenken anregen.

/ chr

Trailer Englisch, 02:31