Proud Mary (2018)

Proud Mary (2018)

Filmkritik: ...oder doch lieber einen Bloody Mary?

Hast du etwas an meiner Frisur auszusetzen?
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Auftragskillerin Mary (Taraji P. Henson) beseitigt gerade einen Buchmacher. Doch im Nebenzimmer entdeckt sie einen Teenager-Jungen, den sie zurücklässt. Ein Jahr vergeht, und die Wege von Mary und dem Jungen Danny (Jahi Di'Allo Winston) kreuzen sich wieder. Danny ist als Drogenkurier für Uncle (Xander Berkeley) unterwegs und wird von diesem misshandelt. Mary will dem ein Ende setzen. Sie nimmt Danny bei sich auf, dann stellt sie Uncle zur Rede. Doch die Unterhaltung führt zum Eklat und Mary erschiesst den Übeltäter.

Nicht auf die Füsse treten, bitte.
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Das führt allerdings zu Komplikationen. Denn die Stadt Boston wird von zwei kriminellen Clans dirigiert. Benny (Danny Glover) und sein Sohn Tom (Billy Brown), die Arbeitgeber von Mary, wollen keinen Krieg mit dem anderen Clan, der von Luka (Rade Serbedzija) geführt wird und in dem Uncle involviert war. Beide treffen sich, um die Wogen etwas zu glätten. Derweil liefert Mary dem Luka-Clan den Sündenbock Walter (Neal McDonough), um die Situation zu beruhigen. Doch Luka versucht, Benny durch eine Schiesserei von seinem Thron zu stossen. Nun sitzt Mary tiefer im Dreck und überlegt sich, wie sie sich und Danny aus dieser Misere retten kann. Tom kommt ihr aber auf die Schliche...

Proud Mary hätte cool werden können. Doch diesem Thriller mangelt es durchwegs an Spannung und Dramatik, obwohl er eine namhafte Besetzung bietet. Die dünne Story ist zwar gut erzählt, aber in der Inszenierung schwach geraten. Auch die dosierten Actionsequenzen hätten in Sachen Härtegrad etwas zeigefreudiger sein können. Obwohl Taraji P. Henson als Killerin eine gute Figur macht, kommen ihr Charakter wie auch die anderen eintönig und oberflächlich rüber. Kein Thriller, der sich im Gedächtnis einhackt.

Mit seinem vierten Spielfilm Proud Mary wirft der iranisch-schwedische Regisseur Babak Najafi Thrill, Action und Drama in die Waagschale. Die Mischung ist ihm leider alles andere als gelungen. Vielfach schwächelt der Film wegen seiner sehr oberflächlichen Charakterzeichnungen der Hauptfiguren und damit verbunden dem Drehbuch, das diesen Figuren den Raum nicht anbietet, den sie brauchen.

Der Beziehung zwischen Mary und Danny kann man kein Glaubwürdigkeitssiegel verleihen, da schlicht die Intensität fehlt. Dabei wäre die Ausgangslage vielversprechend, nachdem Mary den Jungen befreit hat. Danny ist der desillusionierte Teenager, der auf Autorität pfeift, aber trotzdem Schutz haben möchte und Mary die eiskalte Killerin, bei der plötzlich mütterliche Instinkte auftauchen. Doch leider sind die Dialoge, die sich die beiden Figuren zuspielen, plump und abgedroschen. Solche Zwischenspiele von Mary und Danny wiederholen sich. Dadurch verliert der Film an Tempo, bremst die eigentliche Handlung aus und die Dramatik bleibt auf der Strecke.

Ansonsten spielt Taraji P. Henson ihre Rolle gut, was man vom Rest des Casts auch sagen kann. Vor allem Billy Browns Tom zeigt seine furchteinflössende Mimik deutlich. Danny Glover hingegen ist als alter Clan-König etwas brav geraten. Die Action-Sequenzen sind solide gefilmt, doch ist der Härtegrad nicht auf gleichem Niveau. Teilweise ist man da nicht so zeigefreudig, oder der Schnitt wurde an gewissen Stellen nicht passend angesetzt.

Wenigstens hatte man bei der Wahl des Soundtracks ein gutes Ohr. Allein schon die Opening Credits, die im Siebzigerjahre-Disco-Funk-Style durchs Bild huschen und von "Papa Was A Rolling Stone" von The Temptations begleitet werden, machen Lust auf mehr. Und wenn Mary voll in Aktion ist und dabei Tina Turner mit "Proud Mary" ertönt, passt das wunderbar zusammen.

Die Coolness, die der Film zu Beginn zeigt, macht sich aber bald aus dem Staub und präsentiert sich gegen Schluss wieder. Der mittlere Teil kommt nur schleppend mit der Handlung voran - eigentlich schon schade für einen beinahe 90 Minuten Film. Sonst hat Proud Mary von allem etwas, nur leider nicht genug, um die Zuschauer vollends glücklich zu stimmen. Wenn schon so eine Art von Killer-Thriller, dann lieber Léon: The Professional.

/ sen

Trailer Englisch, 02:08