A Private War (2018)

A Private War (2018)

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Filmkritik: Im Konflikt mit sich selbst

43rd Toronto International Film Festival

In einer Zeit, in der der Journalismus immer mehr verwässert, zuinseriert und von autoritären Staatsoberhäuptern unter Beschuss genommen wird, kämpfte eine Person ganz besonders für eine ehrliche und kompromisslose Berichterstattung aus Kriegs- und Konfliktgebieten: Marie Colvin (Rosamund Pike). Die furchtlose amerikanische Journalistin reist rund um den Globus und berichtet aus den Krisenregionen mit dem Ziel, den Stimmlosen eine Stimme zu geben.

Mit dem Fotografen Paul Conroy (Jamie Dornan) begibt sie sich unter andere in eine lebensgefährliche Situation im kriegsumtobten Homs in Syrien. Ihr Weg dahin führte sie unter anderem nach Sri Lanka, wo sie ein Auge verlor und seit da stets eine markante Augenklappe trägt. So tough wie sie nach aussen wirkt, ist sie dann aber noch nicht. Nachdem sie Liebesbeziehungen und andere private Verbindungen gekappt hat, beginnt ihr Trauma sie einzuholen.

Cartel Land-Regisseur Matthew Heines Feature-Film-Debüt behandelt die Geschichte der legendären Kriegsreporterin Marie Colvin visuell packend. Die Kriegsszenen sind stark inszeniert und Rosamund Pike brilliert in der augenklappentragenden Hauptrolle. Allerdings mag die Vignetten-Erzählweise nicht so richtig packen, wie er - und Colvin - es verdient hätte.

Marie Colvin ist eine journalistische Legende. So hat sie unter anderem mit ihrer Berichterstattung in Osttimor über 1500 Flüchtlingen das Leben gerettet. Doch hinter der Augenklappe steckt nicht etwa eine kalte, kalkulierende, toughe Frau, sondern viel mehr. Dieses Bild der Journalistin zeichnet der bisher als Dokumentarfilmemacher bekannte Matthew Heine (Cartel Land) in seinem Feature-Film-Debüt A Private War. Er bringt einige Eigenschaften der Dokfilme in diesen Spielfilm, aber leider nicht nur die guten.

Den Handheld-Ansatz, den Heine für die Kriegsszenen wählt, passt hervorragend und ist stark umgesetzt. So gehören die "Actionszenen" zu den visuell spannenderen und packen aufgrund der realitätsnahen Präsentation. Die knapp 110 Minuten Laufzeit sind aber nicht gefüllt mit rasanten Gefechts-, sondern auch mit emotionalen, persönlichen und gar humorvollen Szenen.

Für den komischen Teil sorgt Stanley Tucci, der einen temporären Lover von Colvin spielt. Ihre Szenen sind eine schöne Abwechslung zum Kriegsalltag. Tom Hollander und Jamie Dornan können in ihrem Nebenrollen auch überzeugen. Selbstverständlicher Mittelpunkt ist aber Rosamund Pike als Colvin herself. Sie fängt die Essenz dieser starken, aber dennoch gebrochenen Figur toll ein. Ausserdem pitcht sie ihre Stimme ein Stück tiefer, um mehr an die von Colvin heranzukommen, was ebenfalls überzeugt. Einen der besten Momente hat sie, wenn sie ihrem Fotografen ihren Drang zum Berichten und zum Geschichtenerzählen hat. Ihr innerer Konflikt - ihr "Private war" - kommt hier so richtig zum Vorschein.

Allerdings übernimmt Heine auch die teilweise heftigen Zeitsprünge aus Dokumentarfilmen für A Private War. Diese Vignette-Erzählweise funktioniert aber leider nur halbwegs. Es handelt sich dabei mehr um einzelne Kurzgeschichten, die den Charakter und die Psyche von Marie Colvin nur beschränkt einfangen können. Auch dass der Film an ihrem letzten Einsatz aufgehängt wird, ist etwas seltsam gewählt, da es zum Storytelling nichts beiträgt. Mit etwas mehr Zeit oder gar als Miniserie hätte Colvins Geschichte wohl noch etwas kohärenter und packender erzählt werden können.

/ nna

Kommentare Total: 2

sma

Rosamund Pike zeigt als Kriegskorrespondentin Marie Colvin ihre Karrierebestleistung. In gewisser Weise ist es auch eine körperliche Rolle, weil sie eine ältere Frau spielt. Es ist aber das ganze Erscheinungsbild, wobei die raue Stimme natürlich am meisten im Gedächtnis bleibt. Davon abgesehen finde ich es unglaublich, dass in dem Film in fast jeder Szene geraucht wird.
Mir hat es sehr gut gefallen, wie sprunghaft der Film seine Schauplätze wieder verlässt. Die Handlung zieht sich über fast zehn Jahre und bis zum finalen Akt hat die Erzählstruktur für mich sehr gut funktioniert. Die wiederkehrenden Traumsequenzen tragen viel zu einer glaubwürdigen Darstellung ihrer posttraumatischen Belastungsstörung bei. Hier und da nimmt man natürlich eine Abkürzung, auch weil die Erkrankung eher ständiger Begleiter als zentrales Thema ist. Auf der anderen Seite fand ich auch die persönlichen Interaktionen interessant, besonders die Szenen mit Stanley Tucci.
A Private War zeigt den Job des Kriegskorrespondent als eine Art Bestimmung, stellt die vielen Schattenseiten gegen den Adrenalinkick und dankt nicht nur Marie Colvin für ihre Arbeit. Der finale Akt hat mich besonders nachdenklich gemacht, weil es für mich der erste Film war, der sich intensiv mit dem Syrienkrieg befasst. Ein Krieg, der immer noch nicht beendet ist und schon seit acht Jahren andauert.

nna

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