The Price of Everything (2018)

The Price of Everything (2018)

  1. 105 Minuten

Filmkritik: And the Value of Nothing

"Diesen Palantír habe ich von Sauron erworben."
"Diesen Palantír habe ich von Sauron erworben."

"Wer wird Millionär?" heisst es im prominenten Auktionshaus Sotheby's. Hier entscheiden die Kunstsammler aus der ganzen Welt, was gerade im Trend liegt und sein Geld wert ist. Dabei verkommt die Kunst zur Geldanlage und der Künstler wird nur noch als Produzent einer Ware angesehen. Besonders die starke Nachfrage nach zeitgenössischer Kunst schafft ein grosses Angebot. Ob aufblasbarer Plastikhase oder ein Aquarium mit einem konservierten Tier - der Markt bestimmt, was Kunst ist und wann ein neuer Preisrekord aufgestellt wird.

Kunst oder Unterhaltung?
Kunst oder Unterhaltung?

Während Künstler wie Jeff Koons ihre Marktmacht geschickt ausnutzen und schon fast mit industriellen Standards abarbeiten, lebt der Maler Larry Poons abgeschieden auf dem Land. In der Debatte über Kunst und Künstler könnten die Gegensätze nicht grösser sein. So sind sich Kunsthistorikerin Amy Cappellazzo und Maler Gerhard Richter nicht einmal einig über den Sinn von Museen. Messen wie die Art Basel oder Katalogbestellungen von Millionären zeigen die Ausmasse des heutigen Kunsthandels.

The Price of Everything zeigt uns eine Vielzahl an zeitgenössischer Kunst. In der Gegenüberstellung von Künstlern und Händlern werden die Gegensätze gut ausgearbeitet. Die interessanten Interviewpartner decken alle Bereiche des Themas ab. Aber zu oft werden Aussagen im Raum stehen gelassen, zu selten sind die Menschen vor der Kamera wirklich ehrlich. Die kritischen Debatten werden ein Stückweit für die Selbstdarstellung geopfert.

58 Millionen Dollar - so viel ist ein aufblasbarer Hund wert. Die zeitgenössische Kunst von Jeff Koons allein zeigt die Ausmasse des heutigen Kunstmarkts. Auktionshäuser rund um den Globus beschränken sich nicht nur auf den Verkauf von Kunst, sie erschaffen zum Teil selbst einen neuen Markt. Mehr Sammler bedeutet mehr Geld, und mehr Geld bedeutet mehr Künstler. Die Akteure des Kunsthandels präsentieren sich in Nathaniel Kahns (My Architect) Dokumentation äusserst selbstbewusst. Denn ohne sie würde es schliesslich viele Künstler gar nicht geben.

Wenn die Kamera nicht gerade als Plattform für die zahlreichen Interviewpartner fungiert, dann ist sie die stille Beobachterin. Sie zeigt Handwerk und Handel mit ihren Hintergrundgeräuschen. Nahaufnahmen und langsame Zooms versuchen die Kunstwerke möglichst akkurat darzustellen. Es bleibt natürlich bei einem zweidimensionalen Erlebnis. Aber man bekommt ein Verständnis dafür, wie gross diese Industrie geworden ist, wie unterschiedlich ihre Künstler arbeiten und wie vielfältig die gehandelte Kunst ist.

Viel Zeit verbringt man mit dem Sammler Stefan Edlis in seinem Elfenbeinturm in Manhattan. Eine umfangreiche Sammlung und eine bewegte Lebensgeschichte machen ihn zu einem spannenden Gesprächspartner. Aber viele seine Beobachtungen und Monologe bleiben auch unkommentiert. Dabei ist die Dokumentation dann am besten, wenn sie die Zweifel ihrer Protagonisten zeigt: die Künstlerin Njideka Akunyili Crosby, die ihr erstes Bild bei einer grossen Auktion verkauft hat und den Erfolg gar nicht richtig einordnen kann; oder die Verkäuferin Amy Cappellazzo, die kurz realisiert, dass sie längst nur ein Teil des Marktes ist.

Irgendwann kann auch The Price of Everything seine Neutralität nicht mehr beibehalten. Zu absurd sind manche Auswüchse des Kunsthandels. So werden manche Aussagen und Szenen ganz bewusst so geschnitten, dass sie auch bei den Zuschauern für den einen oder anderen Lacher sorgen. Ausserdem nähert sich der Film gegen Ende immer mehr der Position des abstrakten Malers Larry Poons, der in der heutigen Kunstwelt wie ein Aussätziger wirkt: der selbstständige Künstler, der sich nicht vom Markt vorschreiben lässt, was er zu malen hat.

/ sma

Trailer Englisch, mit deutschen Untertitel, 01:53