Piercing (2018)

Piercing (2018)

  1. 81 Minuten

Filmkritik: 50 Shades of Jesses Nei

1. OutNow Film Festival 2020
«Hoi Mami. Ja, alles guet...»
«Hoi Mami. Ja, alles guet...» © NIFFF

In Reed (Christopher Abbott) entwickelt sich das Verlangen nach Mord. Kurz bevor er sein eigenes Baby mit einem Eispicker ersticht, erwacht seine Frau (Laia Costa). Er schreckt auf und versteckt die Waffe hinter seinem Rücken. Am nächsten Morgen täuscht er vor, auf eine Geschäftsreise zu gehen und checkt in einem noblen Hotel ein. Auf dem Weg dahin entstand ein narrensicherer Plan, wen er tötet und auf welche Weise. Im Hotelzimmer spielt er diesen Plan minutiös durch, alles passt. Sein Ziel: eine Prostituierte.

Als diese ankommt, ist er sich seines Weges nicht mehr so sicher. Sein Timing ist komplett daneben und die Bestellte (Mia Wasikowsa) hält sich überhaupt nicht ans Protokoll. Sie verschwindet unter die Dusche und bleibt verdächtig lange. Reed geht ruhelos hin und her, bis er den Schritt ins Badezimmer wagt. Bei der Situation, die er da vorfindet, droht mehr als nur sein Plan zu entgleisen.

Piercing gelingt es nicht, eine vielversprechende Ausgangslage um einen mordlustigen, doch unsicheren Ehemann erfolgreich zu Ende zu bringen. Zu verwirrt und zu artsy wird die Story, je länger der Film dauert. Die beiden Hauptdarsteller spielen solide und die Kulissen unterstützen die narrativen Absichten, doch die Handlung verrennt sich bald und endet im Nichts.

Bereits mit seinem ersten Langfilm The Eyes of My Mother hat Nicolas Pesce einen Hit gelandet. Nun schiebt er mit Piercing ein zweites Feature nach, das ebenfalls zu verstören versucht. Mit einem minimalen Cast und in interessanten Locations inszeniert er einen Thriller, der sich nach und nach in einen Kunstfilm wandelt - und sich da verrennt.

Dabei ist die Ausgangslage durchaus vielversprechend. Der von Machtfantasien verfolgte Reed ist eine interessante Figur und Christopher Abbott gibt den unsicheren Mörder in spe solide. Sein Plan wirkt nachvollziehbar, seine Motivation weniger, was zum Mystery-Aspekt beiträgt. So ist der Einstieg spannend, doch mit dem Übergang in den zweiten Akt verliert Piercing den «Thrill».

Immerhin sind die Kulissen gelungen. Alle Locations haben eine Art Spielzeugstadt-Flair und die Hotelräume und Wohnungen sind wahnsinnig überstilisiert. Das unterstützt das Gefühl, dass nicht alles in diesem Film für bare Münze genommen werden darf. Nicht immer ist klar, was sich Reed nun einbildet und was real ist. Bald offenbart sich zudem eine missbräuchliche Beziehung zu einem Elternteil in seiner Vergangenheit, die auch bildlich dargestellt wird. Mit solchen und gewissen blutigen Bildern versucht er dann auch ein wenig zu provozieren.

Das genügt jedoch nicht für eine durchwegs spannende Geschichte. Die Handlung geht nirgendwo hin und endet dann auch da. Gezogen wird diese hauptsächlich von Mia Wasikowska, die gut spielt, aber deren Figur verwirrt und nervig geschrieben ist. Somit wirkt Piercing nicht ganz so bestechend, wie der Titel erhoffen lässt.

/ nna

Kommentare Total: 2

nna

Filmkritik: 50 Shades of Jesses Nei

yan

The Eyes of my Mother ging an mir vorbei. Ich konnte nur sehr wenig mit dem Film anfangen. Bei Piercing ging es mir ähnlich. Nicolas Pesce inszeniert hier brutaler Nonsense, schön gefilmt mit ein paar Tricks und zwei starken Darstellern, die aber nie wirklich gefordert werden. Etwas Lynch, gespickt mit Verhoeven, dazu ein Löffelchen Palma und zur Vollendung noch ein bisschen Argento - Piercing ist pures Referenzkino und weist praktisch keine Eigenständigkeit auf. Zudem langweilt er auch trotz kurzer Laufzeit. Natürlich spürt man die Hommage an die grossen Regisseure heraus, aber das alleine reicht noch nicht aus um diesen Käse zu rechtfertigen.

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Trailer Englisch, 02:04