Peter Rabbit (2018)

Peter Rabbit (2018)

Peter Hase
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  3. 95 Minuten

Filmkritik: Bea Potter und der Orden der Kaninchen

Eine kleine Welt in Schieflage
Eine kleine Welt in Schieflage © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Das sorgfältig gepflegte Gemüsebeet auf seinem idyllischen Landgut Windermere passt so überhaupt nicht zu seinem Charakter. Der alte McGregor hasst die Kaninchenfamilie um Peter Rabbit (James Corden), die unweit seines Anwesens wohnt, über alle Massen. Denn die freche Bande bezieht regelmässig ihr Fressen aus seinem Garten und hält ihn masslos zum Narren. Seit nämlich der Kaninchenvater bei McGregor in einer Pastete gelandet ist, hat Sohn Peter dem griesgrämigen Choleriker den Krieg erklärt.

What's up, Doc?
What's up, Doc? © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Zu seinem Glück lebt einen Hoppelsprung von McGregor entfernt die junge Künstlerin Bea (Rose Byrne), das komplette Gegenteil zum alten McGregor, und hält ein wachsames Auge auf die kaninchenmörderischen Gelüste ihres Nachbarn. Eines Tages treibt es Peter aber zu weit. Bea ist beschäftigt und McGregor ertappt das Langohr in flagranti Fressalien stibitzen. Peter sieht sich schon auf 220 Grad garen, als McGregors Herz den Schlag trifft. Des einen Leid, des anderen Freud. Die Tiere feiern das Ableben des Alten tagelang. Doch schliesslich taucht der einzige McGregor-Erben Thomas (Domhnall Gleeson) auf, und das Leben auf Windermere ändert sich für alle grundlegend.

Bis auf die Ausgangslage und die Gestaltung der Charaktere hat Peter Rabbit nicht mehr viel mit der weltberühmten und allseits geliebten Buchvorlage Beatrix Potters zu tun. Dennoch lohnt sich dieser Film aufgrund seiner eigenständigen, unterhaltsamen Geschichte, die mit viel Esprit und liebenswerten Gestalten glänzt und es so gar nicht nötig gehabt hätte, den Schritt ins Kreuzfeuer mit Potters Original zu riskieren.

Man mag sich beim Ansehen des Trailers vor den Kopf gestossen fühlen. Aus dem ungehorsamen, schrecksamen Bilderbuch-Kaninchen, das einen schlimmen Tag im Gemüsebeet verbringt und abends erschöpft ins Bett sinkt, wurde nun ein kühner und teilweise unsympathischer, egomanischer Held gemacht? Enttäuscht wird man sich abwenden und dabei einen wunderbaren Film verpassen.

Denn Peter Rabbit emanzipiert sich von der Vorlage und treibt die Geschehnisse des Bilderbuchs in einer aufregenden Geschichte weiter. Mit ansteckender Leichtigkeit sprinten die Gesellen über die Felder, die von einer toll erzählten Storyline und frischer Dramaturgie getragen wird. Einmal zwar stürzt die Stimmung regelrecht auf einen Tiefpunkt ab und es fällt dem Gespann schwer, die Lockerheit wiederzufinden, doch mit letzter Not kratzen sie noch die Kurve.

Nicht nur die Animationen - selten hat man Kaninchen so authentisch hoppeln sehen - überzeugen, sondern auch die Charaktere bestehen den Authentizitätstest, ohne dass sie auf ihren Hang ins Kom(ödiant)ische verzichten müssen. Sie alle sind liebevoll konzipierte Gestalten mit guten und schlechten, schwachen und starken Seiten, denen zwar die potteresk-grossmütterliche Liebe abgeht, die jedoch aufgrund ihrer menschlichen und animalischen Zerrissenheit schnell Sympathien gewinnen.

Denn einen spezifischen Bösewicht gibt es ebenso wenig wie einen konkreten Helden. Sogar Künstlerin Bea - die als Verkörperung Beatrix Potters derselben Reverenz erweist - ist nicht vor der Sinnlosigkeit und dem Potenzial eines Konflikts gefeit, die sich bei sturen Köpfen und allzu schnellen Urteilen ergeben können. Kinder sollen heutzutage Vorbildern nacheifern und nicht mehr durch Antihelden abgeschreckt werden. Spätestens nach der Entsorgung des alten McGregor wird sich auch hier jeder in jedem Charakter finden können.

Peter Rabbit schafft den Balanceakt, den jeder gute Familienfilm bestehen muss. Auch der erwachsene Zuschauer wird sich gut unterhalten und amüsiert finden. Immer wieder treibt der Film ein Vexierspiel mit filmischen Konventionen und verflicht die ereignisreiche Geschichte mit einer gesunden Portion Selbstironie, Lebens- und Sprachwitz. Ein Gewinn für alle, die sich beim Schauen nicht auf die Buchvorlage versteifen.

Tom von Arx [arx]

Für OutNow schaut Tom seit 2015 Filme und detektiert seit 2019 Stilblüten und Vertipper. Der Profi-Sprecher und überzeugte Hufflepuff lässt sich gerne bei sublim konstruierten Psycho-Thrillern vom metaphysischen Gruseln packen und wünscht sich eine tierleidfreie Welt voller biggest little farms.

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Kommentare Total: 2

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Ein turbulenter und rasanter Spass für die ganze Familie, wobei auch die ruhigeren und emotionalen Momente Platz haben.

Die Animationen sind rundum gelungen und perfekt in die Realszenen integriert. Was wirklich sehr schön gemacht ist, sind die Rückblenden und der Schluss in der alten Zeichentechnik, die damals in den originalen Peter Hase Geschichten angewandt wurde. Eine deutliche Hommage an die damaligen Zeichentrickfilme und an Beatrix Potter selbst.

Die Geschichte hat in der Tat nicht viel vom Original von Beatrix Potter, aber dennoch wurden einzelne Fragmente in dieses wunderbare Abenteuer integriert. Ich erwähne nur: die Jagd in Herrn Gregersens Garten, der Verlust des blauen Jäckchens und das Verstecken unter den Blumentöpfen. Super, wie das in die neue Geschichte verwoben wurde.

Will Gluck hat in diesem Film vieles richtig gemacht und am Schluss auch eine gute Botschaft hinterlassen. Daher verstehe ich die Kritiken bei Metacore überhaupt nicht. Bin aber froh, dass das Publikum dies auch anders sieht.

arx

Filmkritik: Bea Potter und der Orden der Kaninchen

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