Penguin Highway (2018)

Penguin Highway (2018)

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  2. 118 Minuten

Filmkritik: Booberella im Pinguinland

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
On the Penguin Highway to Hell!
On the Penguin Highway to Hell!

Der 10-jährige Aoyama ist felsenfest davon überzeugt, dass er der Cleverste an seiner Schule ist und später beruflich wie auch bei den Frauen enorm erfolgreich sein wird. Zumindest für ersteres büffelt er auch fleissig und führt mit seinem besten Freund Uchida jede Menge wissenschaftlicher Experimente durch, um die Welt besser zu verstehen. Sein Herz gehört aber der hübschen grossbusigen Zahnarztassistentin Onê, die ihn schon länger fasziniert.

Bibidi Babidi Boo!
Bibidi Babidi Boo!

Als eines Tages plötzlich überall in der Stadt Pinguine aus dem Nichts auftauchen, muss Aoyama das natürlich genauer erforschen. Schnell stellt er fest, dass Onê eine geheimnisvolle Verbindung zu den Pinguinen hat. Zusammen mit Uchida und der Vorzeigeschülerin Hamamoto erforscht er zudem noch ein anderes plötzlich aufgetauchtes Phänomen: Auf einer Lichtung im Wald schwebt eine riesige Wasserkugel, welche heftig auf die Pinguine reagiert. Was haben Pinguine, Wasserkugel und die Zahnarztassistentin miteinander zu tun? Und was passiert, wenn die Behörden ebenfalls auf die Entdeckungen der Kinder stossen?

Trotz mysteriös auftauchenden Pinguinhorden, seltsamen Wesen im Wald und fantastischen Wasserkugeln ist Penguin Highway im Grunde genommen eine gut beobachtete Geschichte über Kindheit und das Erwachsenenwerden. Eindrücklich sind besonders jene Momente, welche die kindliche Dynamik unter Freunden (und Feinden) näher beleuchten und Lernprozesse - etwa das Realisieren der eigenen Sterblichkeit - thematisieren. Mit den verblüffend realistischen Hintergründen und sympathischen Figuren kann dies sogar über die verschiedentlich auftretenden Längen hinwegtrösten.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Tomihiko Morimi (2010), der 2018 bereits als Manga umgesetzt wurde, adaptiert Regisseur Hiroyasu Ishida eine gefällige Story, die sich zwischen Coming of Age und Science Fiction positioniert. Die beiden Bereiche ergänzen sich erstaunlich gut, immerhin werden sie durch die kindliche Neugier eines wissbegierigen Jungen zusammengeführt. Der leicht besserwisserischen Wissenschaftsgläubigkeit des Protagonisten wird die lockere und freche Art der Zahnarztassistentin gegenübergestellt, die Pinguine aus dem Nichts erschaffen kann. Dass diese Figur immer wieder in erster Linie durch ihre grosse Oberweite charakterisiert wird, ist zwar etwas einseitig, führt aber auch zu einigen unerwartet trockenen Sprüchen, die gerade deshalb Lacher einbringen, weil es um zehnjährige Kids geht.

Neben den wunderbar animierten Bildern, allen voran den fast schon fotorealistisch aussehenden Hintergrundbildern in der Natur, ist die lebensnahe Darstellung der Kinder so auch das eigentliche Highlight der Filmes. Die Dynamik zwischen den verschiedenen Gruppen in der Schule, die Zusammenarbeit untereinander, aber auch die grossen Fragen der Welt und die Ungewissheit über die eigene Zukunft sind gut nachvollziehbar dargestellt und schaffen einen angenehmen Kontrast zu den abgefahreneren Pinguin-Sequenzen.

Penguin Highway handelt vom Forschen, vom Erwachsenwerden, aber auch von der Solidarität unter Kindern über den eigenen Freundschaftskreis hinaus. Mit skurrilen Einsprengseln und kindlichem - aber nie kindischem - Humor vermag der Film so auch einige Längen im Mittelteil mehrheitlich wettzumachen.

/ pps