Out of Paradise (2018)

Out of Paradise (2018)

  1. ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: Ziegenmilch und Schnaps

Jeden Morgen der gleiche Frass.
Jeden Morgen der gleiche Frass.

Das mongolische Nomadenpaar Dorj (Bayarsaikhan Bayartsengel) und Suren (Enerel Tumen) erwarten ein Kind. Da Suren schon zwei Fehlgeburten hinter sich hat und das Ungeborene falsch im Körper herumliegt, rät ihnen ihr Arzt für die Geburt in die Stadt zu gehen. Da die beiden nur ihre Tiere und sonst nicht viel mehr besitzen, müssen sie die Reise mit einem ihrer Schafe bezahlen. Auf der beschwerlichen Fahrt durch die Steppe leidet Suren an schmerzhaften Wehen und Dorj gerät mit dem nicht sehr vertrauenswürdigen Fahrer in die Haare. Endlich in der Stadt angekommen, wird ihnen gesagt, dass sie nur ärztliche Hilfe bekommen, wenn sie die Behandlung im Voraus bezahlen.

Ähm, wie war das mit fremdgehen?
Ähm, wie war das mit fremdgehen?

Dorj lässt Suren alleine im Spital zurück und versucht irgendwie an Geld zu kommen. Da er nur noch einen goldenen Ohrring von seiner Frau bei sich hat, kann er diesen auch nicht verpfänden. So irrt Dorj nachts durch die grosse Stadt und lernt in einer Bar die Prostituierte Saraa kennen. Sie möchte ihm helfen und bringt ihn dazu bei einem Karaoke-Wettbewerb mitzumachen. Mit seiner gesanglichen Einlage gewinnt er den Hauptpreis und verbringt die Nacht mit Saraa. Als Saraas Zuhälter anruft und sein Geld will, überschlagen sich die Ereignisse.

Schöne Landschaftsbilder, trostlose weite Steppen und Menschen, die in und mit der Natur leben. Soweit alles schön und gut. Aber dann folgt eine Reise, die gar nicht so spannend ist, zumindest dann nicht, wenn die Protagonisten wieder mal nur Milch schlürfen oder ihren Morgenbrei essen. Die Dialoge sind kurz und knapp, so wie das Spiel der Hauptakteure. Leider ein bisschen zu minimalistisch.

Out of Paradise ist das Erstlingswerk von Batbayar Chogsom. Und das merkt man leider. Die Geschichte ist gut aufgebaut und der Regisseur versteht es, die Zuschauer gleich zu Beginn in die Irre zu führen, indem er nicht mit den Hauptcharakteren beginnt, sondern mit dem Handlungsstrang des Antagonisten. So werden die Zuschauer gleich ein bisschen gefordert und haben keine Zeit, wenn sie die Zusammenhänge der einzelnen Personen verstehen möchten, gelangweilt und unaufmerksam in Kinosessel rumzulümmeln. So kreuzen sich die Wege des Helden und des Bösewichts erst gegen Ende des Filmes, sozusagen zum Höhepunkt hin. Dies ist dann auch fast das einzig Lobenswerte an Out of Paradise. Der Film ist ansonsten eher durchschnittlich und kann auch nicht mit hervorragenden Schauspielern punkten. Die halten sich in der Spielweise extrem zurück, was wohl daran liegt, dass dies vom Regisseur so gewünscht war. Vielleicht war dies im Nachhinein doch ein Fehler?

Als Tierfreund macht man sich auch über den Zustand des Schafes Gedanken, welches als Zahlungsmittel diente und dauernd irgendwo angebunden war. Oder die ganze Herde, die von niemandem beaufsichtigt wurde, als das Nomadenpaar ihre Reise antrat. Oder wieso geht Dorj fremd, wenn er zuvor aus Eifersucht fast den Fahrer erschlagen hat. Da müsste er ja eigentlich seine Frau abgöttisch lieben und nicht auf solche untreuen Gedanken kommen. Alles Fragen, die man sich halt so stellt und die dazu veranlassen an der Geschichte und deren Charaktere zu zweifeln. Wenn das Drehbuch nicht hieb- und stichfest ist, tauchen genau solche Fragezeichen auf. Da Out of Paradise am Shanghai Filmfestival den Preis für "Best Feature Film" erhalten hat, könnte es vielleicht auch daran liegen, dass wir Westeuropäer den Film und die Eigenschaften der Mongolen zu wenig kennen und verstehen. Wer jetzt denkt, Out of Paradise sei ein typisch asiatischer Film, wird auch enttäuscht sein. Er liegt irgendwo dazwischen und kann durch diese Einzigartigkeit nicht zugeordnet werden, was ihn zu einem Film mit dem gewissen Etwas macht: nicht hervorragend gut, aber auch nicht grottenschlecht.

/ mig

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:32