The Open House (2018)

The Open House (2018)

Filmkritik: (H)aus die Maus!

Netflix
Bin ich zu schnell gefahren?
Bin ich zu schnell gefahren? © Studio / Produzent

Logan (Dylan Minette) und sein Vater (Aaron Abrams) sind ein unzertrennliches Paar. Als der Vater bei einem nächtlichen Einkauf in der Tankstelle von einem Auto totgefahren wird, bricht für den sonst schon introvertierten Teenager eine Welt zusammen. Das sonst schon fragile Verhältnis zu seiner Mutter Naomi (Piercey Dalton) ist gänzlich kaputt. Die finanziellen Schwierigkeiten machen es unmöglich, im Haus zu bleiben. Naomis Schwester gibt ihr den Rat, zwischenzeitlich in das leerstehende Ferienhaus in den Bergen zu ziehen, um die Tragödie besser verarbeiten zu können.

Ich schau' mal, wo der Glasfaserkabel-Anschluss ist.
Ich schau' mal, wo der Glasfaserkabel-Anschluss ist. © Studio / Produzent

Naomi willigt ein und reist mit Logan in die Berge. Auf den ersten Blick scheint der Tapetenwechsel Mutter und Sohn gut zu tun. Doch bald geschehen im Haus seltsame Dinge: Gegenstände verschwinden und tauchen urplötzlich wieder auf, das Telefon klingelt ins Leere und Logan findet bei einem nächtlichen Rundgang ein langes, ausgegrabenes Kellergewölbe. Da das Haus jedes Wochenende für potenzielle Käufer offen ist, wissen Naomi und Logan bald nicht mehr, wem sie noch vertrauen können. Bald wird ihnen klar, dass sie nicht alleine im Haus sind...

Der Netflix-Gänsehautfilm The Open House wurde mit einem bescheidenen Budget von 100'000 Dollar realisiert und darf sich mit einem starken Dylan Minette in der Hauptrolle schmücken. Obwohl das Regiedebüt von Matt Angel und Suzanne Coote wirklich tolle Momente hat, vergeigt es alle Pluspunkte mit einem unbefriedigenden Schluss.

Nehmen wir es gleich vorweg, ohne wirklich spoilern zu wollen: Filme, deren Ende uns Zuschauer zum Interpretieren nötigen, bieten meistens hohes Frustpotenzial. Schliesslich setzen wir uns ins Kino oder drücken auf den Play-Button, um eine in sich geschlossene, ganzheitliche Story erleben zu können - von A bis Z. The Open House der beiden Regie-Neulinge Matt Angel und Suzanne Coote hält dieses Versprechen nicht. Der Netflix-Gänsehautfilm vegibt zu viele Punkte, um jemals auf einer Bestenliste zu erscheinen. Und das ist schade, denn trotz des unbefriedigenden Schlusses beinhaltet der Film ausgezeichnete Thriller-Momente und dieses merkwürdige Gefühl der Bedrohung, das Filme aus den Neunzigerjahren bestens zelebriert haben.

Die Prämisse, dass jemand (oder etwas) Menschen in den eigenen vier Wänden bedroht, ist stark. Angel und Coote spielen gekonnt mit den Erwartungen, indem sie das Haus, in dem Dylan Minette und Piercey Dalton ihren Albtraum erleben, wie ein Labyrinth aufbauen. Der Zuschauer verliert jegliche Orientierung, und obwohl alles liebevoll eingerichtet ist und harmlos wirkt, vermutet man plötzlich in jeder Ecke einen Schatten. Dylan Minette spielt den introvertierten Teenager mit viel Feingefühl: Wortkarge Dialoge, gespenstisches Herumwandern im Keller und Zweifel gegenüber jedem Fremden steigern das Gefühl der Bedrohung. Piercey Dalton als trauernde Witwe und überforderte Mutter ist das passende Pendant, um die subtile Spannung in The Open House stetig zu halten.

Bis zum dritten Akt hätte The Open House seine vier Sterne also zweifellos verdient gehabt. Aber das Genre verlangt nach mehr als einem passenden Grundsetting und ein paar sehr effektvollen Szenen. Das Katz- und Mausspiel des Films gipfelt sich zu schnell, als hätte man den grossen Moment verpasst, in dem das Licht angeht alle ganz laut "Überraschung!" schreien. Und dies scheint nicht nur an dem niedrigen Budget zu liegen, sondern einem verkackten Drehbuch, bei dem man die letzten zehn Seiten unbedingt hätte neu schreiben müssen. Dylan Minette und Piercey Dalton geben sich irgendwann geschlagen, und genau so geht es den Zuschauern: Anstatt darüber nachzudenken, warum alles so ist, wie es ist, ärgert man sich darüber, dass es so ist.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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Kommentare Total: 8

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Da hat sich Netflix ganz schön ins eigene Bein geschossen. Open House ist schecht. Angemessen gefilmt, aber die 0815 Horrorformel unmotiviert runtergespult. Es gibt nichts, was man nicht schon in anderen Horrorfilmen gesehen hat. Das sehr grottige Ende bringt dem Streifen 1,5 Sterne.

woc

Filmkritik: (H)aus die Maus!

db

Mit nur 100k Produktionskosten haben sie wirklich viel herausgeholt.

War mir einfach zu lehrbuchartig das ganze. Das Katz- und Mausspiel war nett ja, aber es wurde so klar aufgesetzt mit Kameraführung und der Bildsprache, dass du genau wusstest, worauf es hinaus läuft. Das beginnt mit den Kontaktlinsen am Anfang, geht über Paranormal Activity Weitwinkeleinstellungen, bis hin zu den üblichen Jumpscars, welche so berechenbar eingesetzt werden, dass es nur noch öde wird. Wer noch nie einen Grusler gesehen hat, der mag hier noch erschrecken, aber wer die Formeln kennt, dem schläft hier das Gesicht ein.

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