On the Basis of Sex (2018)

On the Basis of Sex (2018)

Die Berufung - Ihr Kampf für Gerechtigkeit
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  2. 120 Minuten

Filmkritik: Ruth vs. The Law - That Woman got balls

Ihr werdet mich noch kennenlernen!
Ihr werdet mich noch kennenlernen!

Ruth Bader (Felicity Jones) beginnt 1956 ihr Studium als Anwältin an der Harvard Law School. Sie ist eine von nur neun Frauen, die für diese Ausbildung zugelassen wurden. Ruth ist umgeben von einer männerdominierten Welt. Sie wird blossgestellt und bekommt keine Anerkennung. Doch lernt sie dort Martin Ginsburg (Armie Hammer) kennen. Die beiden werden ein Paar, heiraten und bekommen ein Kind. Später erkrankt Martin an Hodenkrebs. Bis zu seiner Genesung besucht Ruth seine Kurse. Bei ihrem Abschluss ist sie die Jahrgangsbeste. Jedoch bekommt Ruth keinen Job als Anwältin und beginnt ihre Karriere als Lehrfachkraft.

Time for a change, right darling?
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In den Siebzigerjahren ändert sich die Stimmung in den USA. Ruth ist inzwischen Professorin an der Anwaltsschule in Newark, wo sie ihren Studenten Unterricht in Sachen Geschlechterdiskriminierung im Gesetz gibt. Eines Tages liefert Martin ihr die Vorlage zu einem Fall im Steuerrecht. Ein Mann, der seine Mutter pflegt, bekommt keinen Steuerabzug, weil er unverheiratet und keine Pflegekraft ist. Sie sieht darin eine Geschlechterdiskriminierung und hat ihren Präzedenzfall gefunden. Gemeinsam mit ihrem Mann will sie endlich eine Gesetzesänderung einleiten. Doch der Weg dahin ist steinig.

On the Basis of Sex ist ein Biopic basierend auf den Ereignissen aus dem Leben von Ruth Bader Ginsburg. Das Drama fokussiert auf die wichtigsten Punkte ihres Werdegangs bis zu ihrem ersten grossen Fall. Herausragend ist das Schauspiel von Felicity Jones, die ihre Rolle facettenreich ausfüllt. So trocken die Gesetzgebung ist, so ist auch die Inszenierung geraten. Doch die brisante Thematik liefert spannende Momente, die aufwühlen oder auch für Kopfschütteln sorgen. Ein filmisch ehrenwerter Vertreter für Ginsburg. Gut gemacht!

Zweifellos gehört Ruth Bader Ginsburg zu den wichtigsten Personen in der US-Justiz, die für die gesetzliche Gleichstellung der Geschlechter kämpfte. In ihrer beruflichen Laufbahn hatte sie in der von Männern geprägten Justizwelt einen schweren Stand. Mit grossem Gerechtigkeitssinn und Beharrlichkeit agierte sie weiter und wurde 1993 zur Richterin des Obersten Gerichtshofes ernannt. Dank Ginsburg wurden einige Gesetze geändert, die damals dem Mann mehr Rechte als der Frau gaben, um sie wieder mit der Verfassung in Einklang zu sein. Sie ist die wegweisende Persönlichkeit, die es geschafft hat, auf Gesetzeswegen Amerika liberaler zu gestalten.

Jetzt bekommt "RBG" ein Biopic spendiert. Regie führte dabei Mimi Leder, die seit dem Kriminalfilm Thick as Thieves für Serien und TV-Filme tätig war. On the Basis of Sex präsentiert nicht das ganze Leben von Ruth Bader Ginsburg, sondern konzentriert sich auf die Zeitabschnitte von 1955 bis 1959 sowie um 1970, wo sie mit ihrem ersten wichtigen Fall der sexuellen Diskriminierung durchstartete.

Die erste Hälfte betrachtet ihr Leben: In den Fünfzigern waren Anwältinnen die absolute Ausnahme. Damals herrschten konservative Werte, Frauen gehörten an den Herd und sollten sich um die Familie kümmern. So wird deutlich, wie Ginsburg der sexuellen Diskriminierung ausgesetzt ist und auch als Jahrgangsbeste in Harvard beruflich schwer vorankommt. In der zweiten Hälfte bereitet sich Ruth auf ihren "Erstschlag" vor. Hier dreht sich der Fokus von der Person zum Gerichtsfall, und es ist interessant zu sehen, was die amerikanische Justiz für Möglichkeiten bietet: Das Steuerrecht, das geschlechtsdiskriminierende und damit verfassungswidrige Passagen enthält, wird zu einem entscheidenden Präzedenzfall umgewandelt.

Die Inszenierung ist nüchtern und kühl geraten. Doch Felicity Jones verkörpert ihre Rolle hervorragend und gibt dem Ganzen Schwung und Wärme. Man lernt Ginsburg zwar als gutmütige, ambitionierte und zielorientierte Frau kennen. Doch wirkt sie nach aussen auch unsicher, filigran und zerbrechlich. Felicity Jones' Mimik ist ausdrucksstark und bietet alle Nuancen, die Mitgefühl anregen, ohne dabei überdramatisch zu wirken. Da die Männerwelt Ginsburgs Vorhaben immer Steine in den Weg legt, hat sie zum Glück ihren Mann Martin an ihrer Seite, warmherzig gespielt von Armie Hammer. Eine gute Performance bietet auch Cailee Spaeny als Tochter Jane, die genau die unabhängige Persönlichkeit verkörpert, wie sie Ruth damals schon gerne ausgelebt hätte. Auch wenn die Rechtslage des Falles zu Beginn etwas verwirrend erscheint, wird die Sache für jeden verständlich gemacht, sodass man den Ginsburgs und ihren Begleitern Mel Wulf (Justin Theroux) und Dorothy Kenyon (Kathy Bates) gespannt folgt.

On the Basis of Sex kommt in Sachen Ablauf konzentrierter daher als andere Biopics. Zuschauer jenseits des grossen Teichs lernen hier eine wichtige Persönlichkeit kennen. Das Biopic stellt eine starke Frau in den Vordergrund und erzählt ein Stück ihrer (und der amerikanischen) Geschichte, was packend und aufwühlend ist. Eine filmische Leistung, die Ruth Bader Ginsburg gebührt.

/ sen