The Old Man & the Gun (2018)

The Old Man & the Gun (2018)

Ein Gauner & Gentleman
  1. , ,
  2. 93 Minuten

Filmkritik: Smooth Criminal

43rd Toronto International Film Festival
Old Man & No Gun
Old Man & No Gun © DCM

Forrest Tucker (Robert Redford) raubt schon sein ganzes Leben lang Banken aus. Weder sein fortgeschrittenes Alter noch seine neue Bekanntschaft mit der charmanten Jewel (Sissy Spacek) hindern ihn daran. Was ihn aber von anderen Bankräubern unterscheidet: sein Verhalten. Anstatt laut schreiend in eine Bank zu stürmen, bittet er die Angestellten freundlich, die Tasche zu füllen, lächelt, bedankt sich und verschwindet.

Kino anstatt Knarre
Kino anstatt Knarre © DCM

Nachdem er mit seinen zwei Komplizen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) mehrere Bankfilialen überfallen hat, heftet sich John Hunt (Casey Affleck) an seine Fersen. Als sich dann auch noch die Medien einschalten, beginnt eine Verfolgungsjagd quer durch die Vereinigen Staaten.

The Old Man & The Gun von David Lowery ist ein lockerer, charmanter Streifen geworden, der mit nicht allzu viel Gewicht daherkommt. Robert Redford gibt hier seine Abschiedsvorstellung und überzeugt vollends als Bankräuber mit Klasse. Der Humor ist gut gestreut, die Chemie zwischen Redford und Sissy Spacek stimmt und der jazzige Score passt hervorragend.

Robert Redford ist spätestens seit Butch Cassidy and the Sundance Kid ein Superstar. Der 1936 geborene Amerikaner ist aber - wie sein Jahrgang erahnen lässt - nicht mehr der Jüngste. Deshalb erstaunte es nicht, als er ankündigte, The Old Man & The Gun werde sein letzter Spielfilm sein. Darin verkörpert er den notorischen Bankräuber und chronischen Ausbrecher Forrest Tucker, der seine Opfer nicht mit Gewalt, sondern mit Charme überwältige.

Redfords Abschiedsvorstellung lebt demnach auch vor allem durch seine Darstellung. Er schreit nicht nach der Oscarnominierung, sondern spielt gelassen, mit Klasse und gibt damit einen schampar charmanten Schelm ab. Die Chemie mit seiner Geliebten Jewel, ebenfalls charmant gespielt von Sissy Spacek, stimmt, und mit seinen beiden Komplizen Danny Glover und Tom Waits harmoniert er toll. Wobei Waits wohl die lustigste Szene im Film hat, in der er erklärt, wieso er Weihnachten hasst. Verfolgt wird die Rentnerbande von einem schläfrigen Casey Affleck als John Hunt, der unter der Klasse von Redford fast ein wenig untergeht.

Das Drehbuch von David Lowery basiert auf einem Artikel aus dem New Yorker mit demselben Namen. Dadurch wirkt die Geschichte aber auch etwas dünn, und es musste nachgebessert und zusammengestrichen werden. Manchmal wirkt es etwas seltsam, dass hier die Geschichte eines Verbrechers quasi schöngeredet wird, doch wie einst Tucker selbst lässt Redford dies mehrheitlich vergessen. Neben den Darstellern überzeugt auch der Filmlook wie auch der coole, jazzige Soundtrack.

Zum Schluss fasst The Old Man & The Gun noch die verschiedenen Ausbruchsversuche und -erfolge von Tucker zusammen, begleitet von einigen Bildern des jungen und mittelalten Robert Redford. Damit verabschiedet er sich passend in den wohlverdienten Ruhestand.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Kommentare Total: 3

nna

Filmkritik: Smooth Criminal

sma

Wenn das hier wirklich Robert Redfords letzter Film ist, es könnte keinen besseren Abschied geben. The Old Man & the Gun mag sich wie ein konventioneller Film über einen realen Verbrecher anhören, aber David Lowery macht so viel mehr daraus. Der auf Super 16 mm gedrehte Film sieht älter aus als ihn jede Kulisse oder Nachbearbeitung machen könnte und bietet unzählige fantastische Einstellungen. Bei der Darstellung des ewig jungen Bankräubers Forrest Tucker verschwinden die Grenzen zwischen ihm und Redford. Man sieht alte Bilder, sogar kurze Filmausschnitte von Redford in verschiedenen Phasen seines Lebens. Und viele Einstellungen sind ganz bewusst so gewählt, dass man Redfords Gesicht nicht klar sieht. Ohne seine Falten könnte das hier wirklich der ewig junge Schauspieler sein, der Gentleman der das Kino seit Jahrzehnten bereichert.
Casey Affleck überzeugt als Ermittler, die Beziehung der beiden ist recht sympathisch und passt zum leichten Ton des Films. Mit Sissy Spacek, Danny Glover und Tom Waits in weiteren Rollen ist der Film sehr gut besetzt. Elisabeth Moss hat zwar nur eine einzige Szene, aber das reicht für so eine Schauspielerin. Diese eine halbe Sekunde, in der sie wirklich verletzt ist und es überspielt.
The Old Man & the Gun ist ein sehr charmanter Film. Nur das Ende hat sich für mich etwas gezogen, auch da der emotionale Höhepunkt schon ein paar Minuten früher war. So hat man noch einen weiteren selbstreferenziellen Moment im Kino und ein eher klassisches Biopic Ende.

yan

Robert Redford als alter und netter Bankräuber gefällt. Die Inszenierung ebenso. Casey Affleck geht immer, auch wenn er hier etwas zu kurz kommt. David Lowerys einfache Krimi-Komödie ist daher ganz nett, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte nicht allzu viel hergibt und vor allem kaum Originalität aufweist.

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