The Nun (2018)

The Nun (2018)

  1. , ,
  2. 97 Minuten

Filmkritik: Holy Shit!!!

Wer zweifelt, steht am Kreuzweg
Wer zweifelt, steht am Kreuzweg © 2018 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Vatikan im Jahr 1952: der erfahrene katholische Priester Pater Burke (Demiàn Bichir) wird zusammen mit der jungen Novizin, Schwester Irene (Taissa Farmiga), die bald ihr Ordensgelübde ablegen wird, auf eine kirchliche Ermittlung in ein abgelegenes Kloster in Rumänien geschickt. Im vermeintlichen Haus Gottes wurde eine tote Nonne aufgefunden, deren Umstände die beiden nun untersuchen müssen. Mithilfe des jungen frankokanadischen Weltenbummlers Frenchie (Jonas Bloquet), der die Leiche entdeckt hat, erforschen sie das scheinbar verlassene Kloster.

Oh Schwester, ihr seht heute etwas blass aus.
Oh Schwester, ihr seht heute etwas blass aus. © 2018 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Obwohl alles auf Selbstmord hindeutet, wird den Anwesenden schnell klar, das hier etwas Böses lauert. Hinter den Klostermauern versteckt sich ein gut behütetes Geheimnis. Valak, ein Dämon in Gestalt einer alten Nonne (Bonnie Aarons), treibt sein Unwesen und wurde bis vor Kurzem von den dort lebenden Schwestern in Schach gehalten. Schnell geraten die beiden gläubigen Ermittler in Gefahr. Denn Valak sucht einen Wirt, dem es ihm ermöglicht, das Kloster zu verlassen.

Nachdem die Puppe Annabelle aus The Conjuring bereits zwei Spin-offs erhalten hat, kommt nun auch der Nonnendämon Valak aus dem zweiten Teil der Reihe zu seinen Soloeinsatz. Mit James Wan als Autor und Corin Hardy als Regisseur konnte eigentlich nicht viel schief gehen. The Nun ist auch kein besonders schlechter Horrorfilm. Doch leider ist der Schocker zu wenig überraschend und lässt inszenatorisch völlig kalt. Es fehlen ein cleveres Konzept hinter der gruseligen Hauptfigur und ein emotionaler Anker. So bleibt The Nun deutlich hinter den Erwartungen und schockt höchstens noch Horrorneulinge.

James Wan ist längst nicht mehr nur in Horrorfilmkreisen ein geläufiger Name. Nachdem der Filmemacher 2015 den siebten Teil zur Fast & Furious-Reihe beitragen durfte und nun mit dem grossen DC-Blockbuster Aquaman in den Kino-Startlöchern steht, geht beinahe unter, dass der Mann hinter Saw und The Conjuring auch weiterhin in "seinem" Genre wütet und für das neuste The Conjuring-Spin-off The Nun die Geschichte schrieb.

Mit Gary Daubermann, der bereits für die Neuinterpretation von It und den Annabelle-Filmen die Drehbücher verfasste, und Corin Hardy, dessen von Kritikern gelobtes Regiedebüt The Hallow erste Früchte zeigt, konnte ein vielversprechendes Team für das Dämonen-Prequel gewonnen werden. Doch die Vorgeschichte des Nonnendämons Valak, dessen erster Auftritt bei The Conjuring 2 noch für Angst und Schrecken sorgte, ist eine richtige Enttäuschung.

The Nun hat praktisch in jeder Hinsicht Mängel aufzuweisen. Angefangen bei der schwachen Inszenierung, die kaum Schockmomente aufweist, oft zu dunkel daherkommt und in ihrer Gewöhnlichkeit langweilt, bis hin zur öden Story, die nichts Neues offenbart und nur altbekannte Klischees wiederkäut. Hardy hat es verpasst, das Schockpotenzial seiner gruseligen Hauptfigur auszunutzen und bringt trotz creepy Setting und einer gut agierenden Taissa Farmiga (The Bling Ring) kaum einen gelungenen Schreckmoment zustande. Demián Bichirs (The Hateful 8) Pater Burke und Jonas Bloquets (Elle) Frenchie wären für die Geschichte eigentlich nicht unwichtig, ihre blasse Charakterzeichnung verwehrt den Zuschauern aber einen näheren Zugang zu den Figuren.

Ohne Schocks und Sympathieträger fehlt The Nun ein emotionaler Anker. Es ist auch nicht so, dass Hardy und Co. nicht versucht hätten, creepy zu sein, im Gegenteil, man spürt dem Film in jeder Einstellung an, dass er gerne erschrecken würde, nur leider wurde man mit genau denselben Stilmitteln und Jumpscares bereits die letzten 200 Horrorfilme konfrontiert.

Den Zuschauern reichte es lange aus, sich ein bisschen zu fürchten, damit der Kinoabend zum persönlichen Erfolg wurde. Diese Masse an unterdurchschnittlichen, immer gleich aufgebauten Geisterbahn-Schockern sorgte aber auch dafür, dass aktuell überzeugende Genrevertreter wie Hereditary oder A Quiet Place es viel einfacher hatten, in den Himmel gelobt zu werden und demnach eine grössere Bühne erhielten. Heute reicht Horror auf Autopilot jedenfalls nicht mehr aus. The Nun reiht sich leider ebenfalls in dieses aufgewärmte Grusel-Gulasch der letzten Jahre ein und verfehlt sein Ziel klar.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Instagram