The Mule (2018)

The Mule (2018)

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  2. 116 Minuten

Filmkritik: Trouble with the Phone

Kein Ford Gran Torino
Kein Ford Gran Torino

Earl Stone (Clint Eastwood) ist ein erfolgreicher Gärtner aus Chicago. Seine Arbeit hat ihn in fast jeden Teil der USA geführt und Earl geniesst die Gesellschaft und Anerkennung seiner Blumenfreunde. Sehr zum Nachteil seiner Familie, die für den 90-Jährigen immer nur an zweiter Stelle stand. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich bis auf seine Enkelin Ginny (Taissa Farmiga) alle von ihm abgewandt haben. Um Geld für Ginnys Hochzeit aufzutreiben, muss sich der alte Earl einen neuen Job suchen.

"Opa, das sagt man aber nicht mehr."
"Opa, das sagt man aber nicht mehr."

Als Kurier für das mexikanische Drogenkartell soll der Senior Waren von der südlichen Grenze in den hohen Norden der Vereinigten Staaten bringen. Dabei ist der gesetzestreue Earl so erfolgreich, dass er nicht nur die Aufmerksamkeit vom Kartellboss Laton (Andy García) erregt. Auch die DEA-Agenten Bates (Bradley Cooper) und Trevino (Michael Peña) hängen sich an die Fersen vom Meisterschmuggler "Tata".

The Mule ist wohl der ungewöhnlichste Film in diesem Jahr. Es ist ein Drama über Familie, den amerikanischen Traum und das Altwerden - verpackt in ein Roadmovie und mit einem sehr charmanten Clint Eastwood in der Hauptrolle. Es ist ein erstaunlich selbstreflektierter Film, der es schafft, einem selbst die bizarrsten Szenen und Witze zu verkaufen. Allerdings sind nicht alle Handlungsstränge so gelungen wie Earls Reiseabenteuer.

Mit 87 Jahren zeigt sich Regisseur Clint Eastwood noch einmal als Schauspieler - es ist erst sein zweiter Einsatz vor der Kamera seit seinem preisgekrönten Werk Gran Torino. Und Eastwood inszeniert sich hier äusserst selbstbewusst. Auch im hohen Alter ist seine Figur Earl ein Experte auf fast allen Ebenen. Der ehemals erfolgreiche Blumenzüchter hat in jeder Situation die Kontrolle und sucht mit seiner charmanten Art die Anerkennung seiner Mitmenschen. Nur eines kann Earl nicht verstehen, nämlich warum es plötzlich in seinem Amerika nicht mehr für ihn läuft. Zum Glück schiebt er vieles davon auf die Digitalisierung. Das Internet und Smartphones sind Earls grösste Feinde. Auf die wirkliche Ursache des Problems kommt er nicht, aber man sieht im Film an allen Ecken und Enden, dass hier etwas aus den Fugen geraten ist. Amerika funktioniert nicht mehr.

Wenn es für die ehrliche Arbeit keinen fairen Lohn mehr gibt, muss man es vielleicht mit der unehrlichen Arbeit probieren. Earls Lösung des Problems ist der Kapitalismus, und dort herrscht gerade eine hohe Nachfrage nach illegalen Drogen. Die langen Autofahrten von Texas nach Illinois zeigen die abwechslungsreichen Landschaften an den Seiten der endlosen Highways. Von exotischen Nationalparks bis zum besten Sandwichladen des Landes, hier ist Earl in seinem Element. Und wenn Eastwood zu einem Oldie im Radio mitsingt, müssen selbst die grimmigsten mexikanischen Gangster mitträllern. In der Geschichte um seinen neuen Arbeitgeber und den Interaktionen des Seniors mit seinen Mitmenschen liegen die Stärken des Films. Hier kann man auch über einige rassistische Aussagen hinweghören.

Die Polizeigeschichte der beiden DEA-Agenten kommt hingegen nie so richtig in Fahrt. In den wenigen Szenen bis zum Finale fehlt einfach die Verbindung zum Drogenkurier Stone, sodass Cooper und Peña in ihren Rollen fast verschenkt sind. Beim Familiendrama kann man verstehen, warum Earl früher so oft unterwegs war. Die Konflikte sind allerdings schlecht gespielt und wirken extrem aufgesetzt. Dem Zuschauer fehlt einfach der Hintergrund, um die anstrengenden Aggressionen der Familie Stone wirklich nachzuvollziehen, wodurch am Ende auch alle Versöhnungsversuche an emotionalem Gewicht verlieren.

The Mule trifft nicht immer den richtigen Ton und wandert politisch auf einem schmalen Grad. Aber Eastwoods Drama über die wahre Geschichte eines Drogenkuriers hat etwas über Amerika zu erzählen und ist zugleich eine bizarre und humorvolle Selbstdarstellung.

/ sma

Kommentare Total: 4

bloodout

WAU CLINT IN BESTFORM ...........................Der Mann ist einfach nicht Tod zu kriegen !!!!BRAVO !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

yan

Clint Eastwood als alter Drogenkurier ist einfach herrlich. Kaum zu glauben, dass der 90-jährige Schauspieler und Regisseur noch zu solchen Spässen aufgelegt ist. The Mule ist frech, funny und brilliert mit einer toll ausgearbeiteten Hauptfigur. Cooper und Pena sind vielleicht etwas verschenkt, aber als Zuschauer ist man sowieso auf der Seite des alten Mannes.

andycolette

Sehr guter Film Clint Eastwood in Hochform!! Spannend und Tiefgang und sexy Bradley !! Bravo Clint !!

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