Mortal Engines (2018)

Mortal Engines (2018)

Mortal Engines: Krieg der Städte
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  3. 128 Minuten

Filmkritik: Steelpunk oder Stealpunk?

London calling to the faraway towns...
London calling to the faraway towns...

In einer fernen Zukunft leben die Menschen nach einem katastrophalen, nur 60-minütigen Krieg in mobilen Städten, die sich um der wenigen wertvollen Rohstoffe willen gegenseitig ausplündern. Auf Befehl des mächtigen Historikers Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) hat sich London aufs europäische Festland begeben und zieht nun raubend durch das zerstörte Land. Als sich London eine kleine bayrische Stadt einverleibt, gerät auch eine junge Frau auf die wandelnde Stadt. Hester Shaw (Hera Hilmar) will blutige Rache an Valentine nehmen, doch ihr Attentat misslingt, da der junge Lehrling Tom Natsworthy (Robert Sheehan) dazwischenfunkt.

Sesam öffne dich!
Sesam öffne dich!

Die gute Tat wird ihm allerdings nicht gedankt, denn als Hester ihm kurz vor ihrem Sprung von London verrät, dass Valentine ihre Mutter ermordet hat, stösst Valentine den ahnungslosen Tom kurzerhand hinterher. Ohne den Schutz einer Stadt müssen sich Hester und Tom nun zusammentun, um in der gesetzlosen Aussenwelt zu überleben. Doch es sind nicht nur raubende Städte, vor denen sie sich hüten müssen, denn Valentine hat Teuflisches vor. So werden die ungleichen Gefährten in einen Kampf gezogen, der über das Schicksal der ganzen Menschheit entscheiden könnte.

Produziert vom Herrn der Hobbits Peter Jackson und unter Mitwirkung einer Reihe von Veteranen aus dessen Filmen, bringt Mortal Engines die abgefahrene Idee einer Zukunft mit mobilen Raubstädten auf kurzweilige Weise auf die Leinwand. Zwar ist das Drehbuch des Lord of the Rings-Autoren-Dreamteams einfach gehalten, doch bietet es sympathische Figuren, spektakuläre Gefechte und ein zweckmässiges Worldbuilding, das nie überladen wirkt. Freilich ist das Ganze schon recht vorhersehbar und Star Wars-ähnlich; der tolle Steampunk-Look allein ist es aber schon wert, den Blick in diese Zukunft zu wagen.

Auch wenn vornehmlich Peter Jacksons Name erwähnt wird, der hier als Produzent und (zusammen mit Philippa Boyens und Fran Walsh) als Drehbuchautor tätig war, hat der Bartli den Regiejob an seinen alten Weggefährten Christian Rivers abgetreten, der sich in seinem Langspielfilmdebüt auf Philip Reeves Predator-Cities-Bücher beruft. Rivers ist seinerseits kein Unbekannter, hat er doch bei der Lord of the Rings- und Hobbit-Trilogie fürs Art Department gearbeitet und wurde für die Visual Effects bei King Kong sogar mit dem Oscar ausgezeichnet. Kein Wunder ist so auch mit jeder Einstellung spürbar, dass ein alter Hase im Effekte-Business auf dem Regiestuhl sitzt. Denn in dieser visuell durchkomponierten Steampunk-Welt voller mobiler Städte, eleganter Luftschiffe und nostalgischem Recycling-London jagt eine grossartige Einstellung die nächste.

Erstaunlicherweise kann inmitten solch toller Set-Designs und spektakulärer Effekte auch die Story mithalten. Klar, um ein erzählerisches Meisterwerk handelt es sich kaum, dafür ist das Ganze etwas zu generisch und erinnert auch ein bisschen zu stark an Star Wars. Trotzdem vermag die Geschichte die Zuschauer bei der Stange zu halten. Dies liegt einerseits an der Inszenierung dieser Welt, die im Gegensatz zu vielen anderen ambitionierten Science-Fiction-Weltentwürfen (I'm looking at you, Jupiter Ascending) von A bis Z durchdesignt wirkt, bei der jedoch die Balance aus Erklären und Zeigen dieser Welt stets gelingt.

Andererseits sind es die Figuren, mit denen der Film punkten kann. Zwar ist Robert Sheehan (unvergesslich in der Serie Misfits) ein etwas farbloser Heldenazubi, und Hauptdarstellerin Hera Hilmar hätte noch etwas mehr Screentime verdient gehabt. Beide führen jedoch eine ganze Reihe an sympathischen Figuren an, die diese Welt bunt gestalten und mit denen man gerne mitfiebert - allen voran die arschcoole, von der koreanischen Musikerin und Schauspielerin Jihae (Mars) dargestellte Anna Fang weiss hier zu überzeugen. Vergeudetes Potenzial gibt es hingegen bei den Bösewichten, denn genau besehen hat Hugo Weavings Valentine keine klare Motivation ausser böse zu sein und der eigentlich interessante, von Avatar-Bösewicht Stephen Lang gesprochene "Stalker" Shrike wirkt zu sehr wie ein unnötig aufgepfropftes Hindernis, um die Helden vor dem Finale noch etwas zu beschäftigen.

Wer genau hinschaut, wird es vielleicht merken: Eigentlich wird hier mehr oder weniger deutliche Kolonialismuskritik betrieben, handelt der Film doch von einem räuberischen England, das von einer Multi-Kulti-Koalition in seine Schranken verwiesen werden muss. Das tut dem Spassfaktur aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Durch das coole Design, die einfache, aber effektiv erzählte Story und ein souveränes Händchen fürs Actionkino hat Mortal Engines vielen dystopischen Filmen der letzten Jahre eines voraus: Er macht richtig Spass.

/ pps

Kommentare Total: 6

Benster

Visuell ist der Film eine Wucht. Fantasievoll, kreativ - man würde am liebsten gleich einen Rundgang in einer dieser fahrenden Städte machen. Auch die Rahmenhandlung ist gut gelungen (Zivilisation in 1'000 Jahren).
Negativ fällt das schwache Drehbuch ins Gewicht. Dafür blieb neben den visuellen Effekten wohl kein Budget mehr übrig. So ist z.B. zu keinem Zeitpunkt klar, was den Bösewicht eigentlich antreibt. Auf der einen Seite scheint er vernunftbegabt und im Besitze eines moralischen Kompasses, auf der anderen Seite haut er auf seinem Weg - völlig unmotiviert - alles kurz und klein und will am Schluss auch noch die eigene Stadt in den Untergang führen. Warum bloss?!? Zudem ist die Rolle seiner Tochter total überflüssig, weil sie nicht den geringsten Einfluss auf die Handlung hat.

db

Habe viel von dem Film erwarted. Scenario klang frish und im bereich world-building und set-design haben sie sich wirklich mühe gegeben. Leider gibt es kaum mehr als 3 sterne. Die Handlung versucht 100 mässig interessante storylines unter einen Hut zu bringen - zerstört dabei ziemlich alles was sie berührt und Robert Sheehan Charakter Tom geht von anfang an derart auf die Nerven, dass man ihnen auch die obligatorische Lovestory nicht abnimmt.

Da kann auch die grosse Abschlussschlacht nicht mehr helfen - es bleibt eine langfädige und holprige Geschichte, welche sich zu fest verzettelt und am Ende doch nur Figuren produziert, wleche meistens Kanonenfutter sind. Grundsätzlich hätte Hester Shaws Charakter keinen side-kick benötigt um ihre Rolle auszuüben.

Anyway nette Ansätze aber unter den Erwartungen.

yan

Not my cup of tea...
Stimme muri in jedem Punkt zu. Zudem fand ich auch die Besetzung nicht besonders gut gewählt, obwohl ich mich sehr auf Robert Sheehan aus Misfits gefreut habe.

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