McQueen (2018)

McQueen (2018)

  1. 111 Minuten

Filmkritik: Schönheit und Wahnsinn liegen oft nah beeinander

Was nicht passt, wird passend gemacht.
Was nicht passt, wird passend gemacht.

Lee Alexander McQueen wuchs in East London in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Doch er hatte einen Traum: Modedesigner werden. Lee brach die Schule ab und machte sich ohne Geld und grosse Erfahrungen auf, die Modebranche zu revolutionieren. Er erhielt einen Job in einer Schneiderei, wo er die Arbeit mit Stoffen von Grund auf lernte. Das war ihm aber bald zu wenig und er wollte noch mehr lernen. Die Wissbegierde führte den jungen Briten nach Italien und von da wieder zurück in die Heimat, wo er einen Platz in einem Studienlehrgang ergatterte. Die dortigen Lehrer erkannten schon früh McQueens Talent und seinen kreativen Wahnsinn. Mit Isabelle Blow fand er eine Freundin und Mentorin, die ihm die Welt der Modeschöpfer eröffnete.

Wer schön und erfolgreich sein will, muss leiden.
Wer schön und erfolgreich sein will, muss leiden.

Schon bald darauf erhält Lee die Gelegenheit, für eine angesehene Marke in Paris zu arbeiten. Der von Arbeitslosengeld lebende McQueen wird sehr schnell mit dem Druck der Modeindustrie und dessen Schattenseiten konfrontiert. Er produziert wie am Laufband eine Kollektion nach der anderen - und erntet nicht immer nur positive Kritik. Doch Lee will sein eigenes Label und erhält mit Tom Ford einen Sponsor, der es ihm ermöglicht, seine ganz eigene Mode auf den Laufsteg zu bringen. Doch der damit einhergehende Erfolg führt dazu, dass sich der sensible Künstler immer mehr dem Kokain zuwendet und sich trotz vielem Geld einsam fühlt. So muss kommen, was kommen muss: Lee nimmt sich mit nur 40 Jahren das Leben.

McQueen ist eine raffiniert gemachte Dokumentation, da der Film so zusammengeschnitten ist, dass es einem gar nicht wie eine Doku vorkommt, sondern eher, als würde einem jemand die Geschichte erzählen. Erinnerungen von Freunden und Verwandten wechseln sich ab mit persönlichem Videomaterial und Aufnahmen von Modeschauen. Als Zuschauer fühlt man sich so mitten drin statt nur dabei.

Die Dokumentation über den erfolgreichen Modeschöpfer Lee Alexander McQueen begeistert durch ihren Aufbau. Es werden keine typischen Frage-Antwort-Interviews geführt, sondern man lässt die Protagonisten frei erzählen. Dazwischen werden Sequenzen von Modeschauen oder anderes Bildmaterial aus vergangen Tagen eingespielt. Die Zuschauer haben somit nicht das Gefühl, einer Dokumentation zu folgen, sondern fühlen sich fast wie in einem Spielfilm. Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen wissen so gut zu erzählen, dass man ein Gespür für den sehr eigensinnigen, aber auch liebenswerten Künstler bekommt. Man beginnt die Vision und den Traum Lees zu verstehen, welche sich in seiner Mode wiederspiegeln. Wer einen Menschen verstehen will, muss sich sein Schaffen ansehen. Und dies wird in McQueen auf beste Art umgesetzt.

Die beiden Regisseure Ian Bonhote und Peter Ettedgui haben ganze Arbeit geleistet. Die biografische Dokumentation über den armen Jungen aus East London, der sich zu einem erfolgreichen Modedesigner hocharbeitete, überzeugt und dies nicht nur stilistisch. Man fühlt sich Lee McQueen manchmal so nah, als hätte man ihn persönlich gekannt. Der Film vermag McQueens Wahnsinn in seinem Schaffen zu vermitteln, aber auch die sensible Seite dieses ungewöhnlichen Mannes. Untermalt wird dies mit Musik, die einem direkt ins Herz geht und so einen Beitrag dazu leistet, dass man bereitwillig in die Gefühlswelt des genialen Künstlers eintaucht. Wer McQueens Mode liebt, wird diesen Film auch lieben. McQueen ist aber nicht nur etwas für fanatische Modeenthusiasten, der Film dürfte auch all jenen gefallen, die sich für die Lebensgeschichte eines speziellen Mannes interessieren, der leider - wie so oft in Künstlerkreisen - den Freitod wählte.

/ mig