Mauvaises herbes (2018)

Mauvaises herbes (2018)

Oder: Lebensschule statt Jugendknast

Eine aussergewöhnliche Freundschaft

Eine aussergewöhnliche Freundschaft

Wael (Kheiron) ist ein junger Mann ohne Perspektive. Mit Hilfe seiner pensionierten Kollegin Monique (Catherine Deneuve), die viel von ihm hält, führt er kleine Trickbetrügereien im Supermarkt durch, wo die beiden Lebensmittel anderer Kunden ergaunern. Eines Tages legen sie Victor (André Dussolier), Moniques Kollegen aus früheren Tagen, herein, der die Sache nicht amüsant findet. Victor leitet ein Sonderprogramm, das kriminelle Jugendliche absolvieren können, um einer Haftstrafe zu entgehen.

Ein Gespräch unter Fachpersonen?

Ein Gespräch unter Fachpersonen?

Victor ist bereit, von einer Anzeige abzusehen, wenn Wael die erste Stunde dieses Sonderprogramms leitet. Diese erste Stunde ist obligatorisch für die jungen Kleinkriminellen. Anschliessend entscheiden sie selbst, ob sie wiederkommen oder nicht. Victor legt Wael die Forderung auf, er müsse die Teens motivieren, am freiwilligen Part des Programms teilzunehmen. Eine schwere Bürde für Wael, der keine Ahnung hat, was er den Jugendlichen vermitteln soll.


Film-Rating

Kheiron übernimmt in Mauvaises herbes die Aufgaben des Regisseurs und des Hauptdarstellers. Er erledigt beides halbwegs gut, ohne dabei zu glänzen. Die Geschichte ist durchschaubar und bietet wenig Neues. Die junge Garde spielt ihre Rollen überzeugend, während das Overacting der älteren Generation auf die Nerven geht. Alles in allem ist das Ganze einigermassen unterhaltsam. Trotzdem bleibt Mauvaises herbes weit hinter ähnlichen Genrevertretern wie Intouchables zurück.


Unkraut vergeht nicht, so sagt man. Disteln, die stechen, blühen jedoch auf wundersame Weise in schönster violetter Farbenpracht. Unkraut ist nicht gleich Unkraut, beachtet man die Metamorphose der Distel vom Stachelgestrüpp zur Blume. Genauso wie ein Mensch nicht ein Versager bleiben muss, wenn er einer war. Kheirons Werk zeigt eindrücklich die Macht der Veränderung, die mit der richtigen Einstellung möglich ist.

Der Regisseur, der selbst die Hauptrolle spielt, teilt die Story in zwei Stränge: Waels Vergangenheit als Waise auf den Strassen und die Gegenwart mit der seltsam anmutenden Freundschaft zwischen ihm und Monique, einer französischen Rentnerin. Die Geschichte beginnt mit Kriegsbildern aus dem nahen Osten, Massenexekutionen und dem vorherrschenden Elend. Anschliessend wird die gegenwärtige Story erzählt, wobei immer wieder kurze Rückblenden in Waels Vergangenheit gezeigt werden, die den Kontext erläutern.

Diese eingeschobenen Szenen unterbrechen ein wenig den komödiantischen Aspekt, dass Waël, der kaum Verantwortung für sich selbst übernehmen konnte, nun selbst zu schwer erziehbaren Jugendlichen schaut. Diese zeigen jedoch null Interesse an seinen Lebensweisheiten (zum Beispiel wie wichtig es sei, sich die Zähne zu putzen) und streiken, denn nur der erste Tag des Praktikums ist obligatorisch. Die junge Truppe an Akteuren entwickelt dabei eine gute Chemie, beziehungsweise Antipathie, untereinander. Die Schauspieler wirken authentisch, im Gegensatz zu Kheiron und Catherine Deneuve, die beide mit Overacting beschäftigt sind und ihre Rollen in Richtung einer Farce ziehen. Schliesslich ist Mauvaises Herbes ja immer noch eine Komödie. Mit den losen Mundwerken der Teens kann die ältere Generation jedoch nur bedingt mithalten.

Mauvaises herbes nimmt das Thema mit einer gewissen Leichtigkeit und überträgt diese auf die Zuschauer. Dabei geht etwas unter, welche Tragik dahintersteckt. Ernste Themen wie Missbrauch, zerrüttete Familienverhältnisse und Jugendkriminalität bilden das Grundgerüst der Story, auf dem die Komödie aufbaut. Dabei bleibt der Film stets spannend, denn es ist interessant mitanzusehen, wie sich die Charaktere entwickeln. Allen voran Kheirons Wael macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Natürlich ist alles in der Darstellung überzogen. Der Kern dahinter ist aber ein guter, die Message stimmt und ist schön.

Solche Themen als Komödie zu verpacken ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Kheiron gelingt das ordentlich. So macht Mauvaises herbes Laune, berührt in einigen Momenten, bleibt jedoch hinter den grossen französischen Tragikomödien wie Intouchables zurück.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

06.12.2018 / yab

Community:

Bewertung: 3.5 (1 Bewertung)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

1 Kommentar