Mary Queen of Scots (2018)

Mary Queen of Scots (2018)

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  2. 125 Minuten

Filmkritik: A Game of Thrones

The Favourite
The Favourite

Schottland, 1561: Die frisch verwitwete Mary Stuart (Saoirse Ronan) kehrt aus Frankreich zurück. In Edinburgh wird sie von ihrem Bruder James (James McArdle) zurückhaltend in Empfang genommen. Denn die 18-Jährige hat durch ihr Erbrecht nicht nur Anspruch auf den Thron von Schottland, sondern auch auf den vom ewigen Rivalen England. Dort regiert ihre Halbschwester Elizabeth Tudor (Margot Robbie). Und während ihre Berater rund um William Cecil (Guy Pearce) sie vor der katholischen Thronräuberin warnen, ist Elizabeth zugleich neugierig auf ihre Schwester.

How to Be Single.
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Dass die Königinnen keine echten Brieffreundinnen werden, wird durch zahlreiche Intrigen verhindert. Aus London gibt es immer neue Versuche, Mary durch eine politische Heirat mit einem englischen Lord zu kontrollieren. Indessen lehnen sich in Schottland die Kirche und einige Adlige gegen die junge Königin auf. Marys einziger Verbündeter gegen die machtgierigen Männer scheint ihr Berater und Beschützer Lord Bothwell (Martin Compston) zu sein.

Mary Queen of Scots ist ein ansehnliches Historiendrama - von den Panoramaeinstellungen der schottischen Highlands bis zu den in Kerzenlicht gehüllten schottischen Burgen. In aufwendigen Kostümen überzeugen Saoirse Ronan und Margot Robbie als ungleiche Monarchinnen. Der Fokus liegt deutlich auf Ronans Titelfigur, weshalb man Robbie als ebenbürtige Gegenspielerin oft vermisst. So reiht der Film die vielen geschichtsträchtigen Intrigen gegen Mary aneinander und findet selten die richtige Balance zwischen persönlichem und politischem Drama. Das Spiel um die Krone verliert so leider zunehmend an Reiz.

Mary Queen of Scots beginnt und endet mit dem Tod seiner Hauptfigur. In einem roten Kleid vor einem Richtblock spricht Mary Stuart im Jahre 1587 ihre letzten Gebete. In einer cleveren Parallelmontage sehen wir beide Königinnen von hinten, beide scheinen bereit für Marys Tod. Aber natürlich unterscheidet sich das Ende vom Anfang des Films. Und was die britische Theaterregisseurin Josie Rourke in ihrem Kinodebüt über die schottische Königin aus dem Hause Stuart erzählen will, passiert sowieso dazwischen.

Charakterdarstellerin Saoirse Ronan spielt die junge Regentin mit viel Mut und Durchsetzungsvermögen. Stolz gegenüber den Lords und gütig gegenüber ihren Soldaten. Nicht nur wegen ihrer Jugend ist sie das Gegenteil von Elizabeth. Margot Robbie ist als kinderlose Überkönigin fast nicht wiederzuerkennen. Eine falsche Nase, viel Make-up und im späteren Verlauf noch ein entstelltes Gesicht. Und doch funkeln ihre blauen Augen unter der Maske und die Zweifel weichen am Ende Elizabeth' Durchsetzungsfähigkeit, die sie so lange auf dem Thron gehalten hat.

Die Welt in Rourkes Film scheint ihrer Zeit in einigen Bereichen voraus - sei es die Repräsentation am Hofe, die Darstellung von Sexualität oder die feministischen Grundzüge der beiden Hauptfiguren. Und doch ist Elizabeth eine Gefangene ihrer Zeit, wenn sie Cecil gesteht, sie habe sich dazu entschieden, ein Mann zu sein. Es sind nicht viele Szenen, die Robbie im Drehbuch von Beau Willimon (House of Cards) hat, aber in allen liegt eine Ambivalenz, die dem Film ohne sie fehlt. Man wünscht sich den direkten Konflikt der beiden Hauptdarstellerinnen und muss mit nur einer einzigen Sequenz leben. Kein Ehemann oder Lord ist so interessant und bedrohlich wie Elizabeth.

Visuell spielt man im Genre der Historiendramen ganz oben mit. Aufwendige Kostüme und Masken, durchdacht beleuchtete Sets und beeindruckende Naturaufnahmen werten den Kampf um die Krone auf. Und obwohl es jede Menge Bastarde und Kronen gibt, sollte man keine Schlachten erwarten. Dafür bekommt man einen orchestralen Score, aus dem besonders das markante Titelthema von Max Richter überzeugt.

Mary Queen of Scots ist ein gutes Kostümdrama mit zwei hervorragenden Hauptdarstellerinnen. Das durchdachte Auftreten der Monarchinnen zeigt sich auch in vielen Regieentscheidungen. Doch wenn der Briefverkehr der Schwestern den Intrigen der Lords weicht, fühlt sich alles zu vertraut an. Abläufe wiederholen sich, die Zeitsprünge werden grösser und Marys Aktionismus verläuft sich im Sande.

17.01.2019 / sma