Mary Magdalene (2018)

Mary Magdalene (2018)

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  2. 120 Minuten

Filmkritik: Jesus loves me

"Komm in meine Arme, Baby."
"Komm in meine Arme, Baby."

Die starke und unabhängige Mary (Rooney Mara) lebt mit ihrer Fischerfamilie in Magdala. Da sie mit Anfang zwanzig immer noch ledig ist, drängt ihre Familie sie, zu heiraten und Kinder zu kriegen - sie soll das tun, was man von Frauen erwartet. Aber Mary wehrt sich dagegen. Sie liebt die Fischerei und fühlt sich Gott auf eine Weise verbunden, die sie nicht wirklich erklären kann und die sie besser verstehen möchte. Sie hat das Gefühl, dass ihr nie jemand zugehört hat. In Jesus (Joaquin Phoenix) trifft sie den ersten Menschen, der ihre Gefühle versteht. Sie ist tapfer genug, ihre Familie zu verlassen und ihm zu folgen.

Mary, die Barmherzige.
Mary, die Barmherzige.

Als erste weibliche Jüngerin wird sie von den anderen zuerst nicht gerade mit offenen Armen empfangen, und es dauert eine Weile, bis die restlichen Anhänger die wahre Bereicherung von Mary erkennen. Auf dem Weg nach Jerusalem erlebt Mary mit Jesus einige wundersame Situationen und reift dadurch immer mehr zur religiösen Ikone, die sie heute ist.

Es gibt inzwischen eine Menge Filme über die Geschichte von Jesus, und eigentlich braucht es keinen weiteren mehr. Doch Mary Magdalene ist anders, hier spielt eine Frau die Hauptrolle, die ihren ganz eigenen Weg geht und sogar als erste Feministin bezeichnet werden könnte. Ein sehenswerter Film, wenn man bereit ist, sich diesem Thema vorurteilslos anzunähern.

Was bei diesem Film sofort auffällt, sind die langen Nahaufnahmen der Schauspieler und der allgemein etwas traurige Unterton. Man hat als Zuschauer ständig das Gefühl, dass der Regisseur Garth Davis damit versucht, auf die Tränendrüse zu drücken - was es absolut nicht braucht, da der Film für Nicht-Bibelkenner keinen allzu grossen Reiz hat. Die Geschichte lebt, obwohl Mary Magdalena die Hauptfigur ist, von Jesus. Mary kommt zwar als sehr starke Persönlichkeit rüber, aber es ist Jesus, der die Toten auferstehen lässt. Da über das Leben von Mary Madgalena nicht so viel bekannt ist wie über das von Jesus, kann man aber über diesen kleinen Makel hinwegsehen.

Der Film lebt hauptsächlich vom starken Ausdruck der Hauptdarstellerin Rooney Mara, weniger von den Dialogen. Das kann von manchem Zuschauer als langweilig empfunden werden, ist es jedoch nicht, da bekanntlich Blicke mehr sagen als tausend Worte. Joaquin Phoenix verleit Jesus eine sehr zarte Seite, man hat das Gefühl, er möchte dauernd weinen - vor Glückseligkeit. Aber genau dies macht seine Darstellung des Messias so glaubwürdig. Somit überzeugt er nicht nur seine Jünger, sondern auch die Zuschauer.

Weiter zu erwähnen sind die Rollen des Petrus (Chiwetel Ejiofor) und die des Verräters Judas (Tahar Rahim). Beide machen im Verlauf der Geschichte eine interessante Entwicklung durch. Ein schönes Beispiel hierfür: Als Mary und Petrus in ein von Römern zerstörtes Dorf kommen und Mary den halbtoten Bewohnern beistehen möchte, weigert sich Petrus, ihr zu helfen. Später erkennt Petrus in Marys Sturheit die Barmherzigkeit ihrer Tat, was ihre grösste Gabe ist. Im Gegenzug lernt sie von ihm, stark zu sein und sich in ihrer Position zu behaupten. Judas wird in diesem Film nicht einfach nur als der Verräter schlechthin dargestellt, sondern als (Familien-)Mensch, der mehr als alle anderen Jesus verehrt und ungeduldig auf die Veränderung wartet. Diese hohe Erwartungshaltung wird ihm und Jesus dann auch zum Verhängnis.

Mary Magdalene sollten sich alle "Jünger" von Rooney Mara und Joaquin Phoenix ansehen. Aber auch all jene, die die Geschichten rund um Jesus von Nazareth einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchten. Man muss nicht enorm religiös oder spirituell sein um sich in diese Geschichte und ihre Charaktere einfühlen zu können. Das ergibt sich von ganz selbst - den Schauspielern sei Dank.

/ mig