Mamma Mia! Here We Go Again (2018)

Mamma Mia! Here We Go Again (2018)

  1. ,
  2. ,
  3. 114 Minuten

Filmkritik: Grandmère Cher

Die drei von der Samenspende.
Die drei von der Samenspende. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Auf der griechischen Insel Kalokairi möchte Sophie (Amanda Seyfried) das gastgeberische Erbe ihrer Mutter Donna (Meryl Streep) weiterführen. Sie steht kurz vor der Eröffnung eines schmucken Boutique-Hotels, das in Donnas Taverne ihren Ursprung hatte. Alles ist bereit für ein ausschweifendes Fest. Aber Sophie ist auch schwanger und sich noch nicht ganz sicher, wie sie mit der neuen Lebenssituation umgehen soll. Die beiden besten Freundinnen ihrer Mutter (Julie Walters and Christine Baranski) erzählen ihr deshalb, wie das früher so lief.

Im Nebel ist gut Füdli wedeln.
Im Nebel ist gut Füdli wedeln. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

"Früher" bedeutet in dem Fall "Kurz nach der Uni". Die nicht immer pünktliche Donna (Lily James) beschloss gleich nach dem Abschluss auf Europareise zu gehen. Auf dem Weg via Paris zu den griechischen Inseln traf sie nacheinander auf Harry (Hugh Skinner), Bill (Josh Dylan) und Sam (Jeremy Irvine) und machte mit ihnen "Punkt, Punkt, Punkt" - wie sie später in ihr Tagebuch schreiben wird. Dass aus einer der Begegnungen ein Kind entsteht, das zwanzig Jahre später nur noch ABBA-Songs singen würde, konnte Donna ja nicht ahnen.

Die Fortsetzung des Musical-Megahits mit den ABBA-Songs erzählt die Vorgeschichte von Donna. Mit weniger Fröhlichkeit. weniger Kinkyness und weniger grossen Hits als das Original. Nicht ganz so unnütz wie Dirty Dancing 2, aber Meryl Streep fehlt trotzdem an allen Ecken und Enden.

Nun fällt also auch das Jukebox-Musical Mamma Mia! dem Sequel-Wahn zum Opfer. Zehn Jahre, nachdem Meryl Streep bewiesen hat, dass sie auch in Latzhose auf einem Bett hüpfend schauspielerische Würde bewahren kann, geht's auf der fiktiven griechischen Insel Kalokairi in die zweite Runde. Das Original war ja auch ein Riesenerfolg. So gross, dass man heute nach "Kalokairi" googlen kann, und man auf den Drehort Skoplos hingewiesen wird in den Suchresultaten.

ABBA-Hits und gute Storys gibt es aber nicht wie Sand an griechischen Gestaden. Die Komponisten-Masterminds Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die alle Songs der schwedischen Supertruppe ersonnen haben, mussten so für Teil zwei auf weniger bekannte Nummern zurückgreifen. Auch wenn "When I kissed a Teacher", "Adante, Adante" und "Why did it have to be me?" erneut flutschig die Handlung vorantreiben - an unverwüstliche Klassiker wie "Dancing Queen" und andere, die in Here we go again wieder angestimmt werden, kommen sie nicht heran.

Die eigentlich fertig erzählte Story aus Teil 1 wird mittels der Vorgeschichte von Wildfang Donna aufgewärmt. Gleich drei Männer sind ihr bekanntlich verfallen, weshalb nun in Gestalt von Jeremy Irvine, Josh Dylan und Hugh Skinner junge Schnösel um die Superblondine Lily James tänzeln dürfen. Rückblenden in die Siebziger mit Glockenhosen, aber ohne Achselhaare sind die Folge. Gesanglich sind die Qualitäten ähnlich schwankend wie beim Original-Cast. Die einzige richtige Sängerin ist Cher - neben Andy Garcia der bekannteste Neuzugang -, die aber beide eher uninspiriert in die Szenerie eingebaut werden.

Meryl Streep taucht lange gar nicht auf im Film. So richtig von der Sache überzeugt scheint die Schauspiel-Koryphäe nicht zu sein. Regisseurin Phyllida Lloyd hatte auch keine Lust mehr. Ersetzt wurde sie durch den Best Exotic Marigold-Drehbuchautor Ol Parker. Der hat guten Zugang zu Senioren, was passt bei der mittlerweile nochmals zehn Jahre älteren Garde vor der Kamera. Doch es fehlt die Lüpfigkeit, oft wird sogar erstaunlich traurig für einen Feelgood-Film. Eine Frau auf dem Regiesstuhl hätte es besser gekonnt!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter

Kommentare Total: 2

solanumnigrum

Toller zweiter Teil dieser Familiengeschichte. Er übermittelt verschiedene Messages wie "Toleranz", "Treue", "Zugehörigkeit", "Freundschaft" und "Familiensinn". Die Schauspieler machen es im Grossen und Ganzen gut.

Positiv.: Man muss den ersten Film nicht gesehen haben. Er verbindet beide Teile mit Flashbacks in die Vergangenheit. Und der Schnitt ist flüssig und einfach nur grossartig. Die Drehorte waren traumhaft. Toll gewählt.

Negativ.: Für meine Verhältnisse ist er zu sehr auf die Bedürfnisse der Frau belastet. Männliche ABBA-Fans kommen nur wegen den Songs auf die Kosten. Die Message aus Frauenseite: "Selbst ist die Frau", "Männer brauchts sowieso nicht", "Männer sind alle Schweine" und noch weitere Klischees, welche der Film leider unterstützt.

Trotzdem. Unterhaltsam war er durchaus. Bitte weniger Romantik, mehr Story, weniger Schauspieler (ein wenig too much) und dafür mehr Drama. Also vielleicht mal noch ein Todesopfer einbringen. Wäre doch mal was.

rm

Filmkritik: Grandmère Cher

Kommentar schreiben