Kursk (2018)

Kursk (2018)

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  3. 117 Minuten

Filmkritik: Auf Grund gelaufen

43rd Toronto International Film Festival
© Praesens Film AG

Im Jahr 2000 sticht das U-Boot K-141 Kursk mit einer Besatzung von über hundert Mann für eine Übung in See. Die Kursk ist der Stolz der russischen Marine. Als mitten in der Barentssee ein technischer Defekt an einem Torpedo eine Explosion auslöst, kostet die folgende Flutung der Innenräume einem Grossteil der Besatzung das Leben. Gut zwei Dutzend Männer, darunter der Captain-Lieutenant Mikhail Kalekov (Matthias Schoenarts), können sich in einen sicheren Teil des U-Boots retten.

© Praesens Film AG

Während die Überlebenden festsitzen und auf Rettung warten, bangen die Angehörigen an Land um ihre Männer. Kalenkovs Frau Tanya (Léa Seydoux) wehrt sich an vorderster Front, allerdings schlampt die russische Regierung. Sie will lange keine fremde Hilfe von Norwegen oder England annehmen. Auf Druck von David Russell (Colin Firth) wagen sie dann doch einen Rettungsversuch. Doch kommt dieser vielleicht schon zu spät?

Regisseur Thomas Vinterberg kann die tragische Prämisse nicht zu einem spannenden Drama verarbeiten. Zwar ist Kursk technisch gut umgesetzt und vor allem die Darsteller der Besatzung überzeugen, aber die drei Handlungsstränge werden nie gut miteinander verwoben und die genannte Crew kriegt viel zu wenig Aufmerksamkeit - tragischerweise wie bei den realen Ereignissen.

Was der K-141 Kursk widerfuhr, erschütterte um die Jahrtausendwende die Welt. Die Besatzung wurde im Stich gelassen, die Politik hat versagt. Thomas Vinterberg, der mit The Hunt bereits ein fesselndes Drama inszenierte, hat sich der Aufgabe angenommen, zusammen mit Saving Private Ryan-Autor Robert Rodat. Doch den beiden ist es nicht gelungen, an die Qualität ihrer bekanntesten Werke anzuknüpfen.

Kursk leidet vor allem am mangelnden Fokus. Aufgrund der drei parallel ablaufenden Handlungsstränge wirkt die Erzählung stets etwas verwirrt. Dabei wären die Stränge mit den zuhause bangenden Familien und der schlampenden Politik durchaus spannend gewesen. Allerdings finden sie nie stimmig zusammen und verursachen so eher narratives Chaos als Ordnung. Léa Seydoux, die Hauptkämpferin an Land, überzeugt nur bedingt, zudem spielen sowohl Colin Firth als auch Max von Sydow herzlich lustlos und sind in ihren Rollen ziemlich verschwendet.

So ist der Teil der ums Leben kämpfenden Kursk-Crew klar der beste. Matthias Schoenarts und seine Kameraden, darunter auch Joel Basman, lassen die Zuschauer die Beklemmung im U-Boot spüren, das auf Grund gelaufen ist. Hätte man Kursk mehr aus ihrer Perspektive und auf eine klaustrophobischere Art inszeniert, wäre das Ergebnis wohl spannender und intensiver ausgefallen. Nun wirkt es zu unpersönlich und geht trotz den tragischen Vorfällen kaum nahe. Und dies, obwohl zu Beginn mit einer schönen Hochzeit noch versucht wird, eine gewisse persönliche Verbindung zu den Figuren herzustellen, was sich aber als schlicht zu wenig herausstellt.

Für diejenigen, denen die Geschichte unbekannt ist, ist Kursk ein durchschnittlicher Einstieg ins Thema. Diese Zuschauer werden dann auch vom Ende überrascht, denn, wie der ganze Film sonst auch, beschönigt dieses nichts. Allerdings funktioniert er zu wenig als spannender Spielfilm, sodass man mit einem einstündigen Dokumentarfilm wohl besser bedient ist.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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