Woman at War - Kona fer í stríð (2018)

Woman at War - Kona fer í stríð (2018)

Gegen den Strom
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  3. 101 Minuten

Filmkritik: Nicht der mit Jessica Chastain

Umweltfreundlich mit dem Velo unterwegs
Umweltfreundlich mit dem Velo unterwegs

Das malerische Hochland auf Island bietet unberührte Natur, so weit das Auge blicken kann - bis auf ein paar Strommasten, welche die örtliche Schwerindustrie mit Energie versorgen. Ein neuer Investor aus dem Ausland will die Aluminiumproduktion auf der Insel noch weiter ausbauen. Wirtschaftlicher Aufschwung für den kleinen Inselstaat auf Kosten der Natur - wer könnte damit nur ein Problem haben?! Vielleicht die Chorleiterin Halla (Halldóra Geirharðsdóttir), die ihre Freizeit gerne in den Highlands verbringt und dort die Stromleitungen sabotiert.

Rise of the Tomb Raider
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Ausser dem Regierungsbeamten und Chorsänger Baldvin (Jörundur Ragnarsson), der sie mit Informationen versorgt, und ihrem neuen "Cousin" Sveinbjörn (Jóhann Sigurðarson) weiss niemand etwas von Hallas Doppelleben. Nicht einmal ihre Zwillingsschwester Ása (Halldóra Geirharðsdóttir). In den Medien ist sie längst bekannt und gefürchtet als "Bergfrau", die die Investoren in Island verschreckt. Doch Hallas grosser Plan gerät in Gefahr, als sich nach Jahren der Wartezeit die Adoptionsbehörde bei ihr meldet.

Woman at War ist eine gelungene Komödie mit einem ernsten Thema. Auch dank einer starken Hauptdarstellerin fiebert man bei Hallas Sabotagen mit. Die wunderschönen Landschaftsaufnahmen von Island zeigen sehr nachvollziehbar, wofür sich der Kampf lohnt. Der Einsatz der Liveband für die Filmmusik wirkt innovativ und die gut geschriebenen Dialoge treffen den trockenen isländischen Humor.

Der isländische Regisseur Benedikt Erlingsson bleibt sich auch mit seinem zweiten Spielfilm nach Of Horses and Men treu und zeigt uns die Natur seiner Heimat in einem Drama mit viel Humor. Nur geht es dieses Mal weder um Männer noch um Pferde.

Jede starke Frau braucht heutzutage einen Bogen, wie uns die Popkultur lehrt. Katniss Everdeen, Lara Croft und Co. haben die edle Waffe längst für sich entdeckt. Und so greift auch die Pazifistin Halla zu Pfeil und Drahtseil, um die Stromleitungen zur Aluminiumfabrik zu kappen. Ihre Vorbilder Gandhi und Mandela sind im Film genauso präsent wie der Klimawandel. In der Not geht die pragmatische Isländerin eben in den gewaltsamen Widerstand. Halldóra Geirharðsdóttir, die die Doppelrolle im Film konsequent ausfüllt, sorgt mit ihrem Schauspiel dafür, dass man schnell Sympathien für die Saboteurin entwickelt. Auch wenn ihre Darstellung in den Medien ausser Kontrolle gerät, so ist die Verteilung von gut und böse hier sehr deutlich. Mutter Natur schlägt hier durch eine Stellvertretung zurück und die Anzugträger an der Macht sind rat- und machtlos.

Die weiten grünen Highlands von Island werden in schönen Panoramaeinstellungen gezeigt, die sich wunderbar mit Helikopterverfolgjagden verbinden lassen. In zum Teil ramboartiger Manier wird Halla auf der Flucht eins mit der Natur. Ihr ständiger Begleiter ist dabei eine Band, die den Score des Films "live" spielt. Die Musik gibt das Tempo vor, begleitet und kommentiert sogar Handlungen. Ab und zu genehmigen sich die Jungs auch eine Zigarette oder checken Twitter auf ihren Smartphones. Später trifft die Chorleiterin noch auf eine ukrainische Frauengruppe in traditionellen Trachten.

Mit Hallas längst vergessenem Kinderwunsch schlägt der Film in der zweiten Hälfte einen emotionaleren Ton an. Selbst gesteckte Ziele werden infrage gestellt, und die Rolle von Müttern wird thematisiert. Der übertriebene Einsatz der isländischen Polizei sorgt dabei nicht für ein paar komische Situationen, sondern bringt auch Halla in echte Gefahr. Man kommt zwar zum Fazit, dass Mütter alles können, aber es ist klar, dass die Sabotageaktionen Konsequenzen haben werden.

Woman at War ist ein sehr unterhaltsamer Film, der trotz des trockenen Humors und des isländischen Pragmatismus grundsympathisch ist. Abwechslungsreiche Schauplätze, gut geschriebene Dialoge und ein angenehmes Erzähltempo sorgen dafür, dass die 100 Minuten im Nu vergehen. Und auch inhaltlich wird hier deutlich mehr geboten als in anderen Komödien.

/ sma

Kommentare Total: 2

Conor

Eine lückenlose Liste über alles, was diesem Film fehlt, was überflüssig und schlecht ist:

sma

Filmkritik: Nicht der mit Jessica Chastain

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Der Film läuft aktuell an folgenden Tagen in den Schweizer Kinos:

Ausserdem kannst du ihn Openair sehen, das nächste Mal am 31. August 2019.

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:49