The Pig - Khook (2018)

The Pig - Khook (2018)

Filmkritik: Poste deinen Tod auf Instagram

68. Internationale Filmfestspiele Berlin 2018
Blutrot
Blutrot © trigon-film

In den Strassen Teherans wird auf offener Strasse ein abgetrennter Kopf gefunden. Es ist nicht der erste und somit ein weiteres Opfer eines Serienkillers. Ziel sind namhafte Filmschaffende der Stadt. Hasan Kasmai (Hasan Majuni) zählt bisher nicht zu den Opfern. Das macht ihm schwer zu schaffen. Während einer Vernissage muss er zudem mit ansehen, wie die Schauspielerin Shiva (Leila Hatami), die er zum Star gemacht hat und die er liebt, mit einem anderen Regisseur spricht. Gerne möchte sie mit ihm arbeiten, steht doch Hasan seit Jahren auf der schwarzen Liste. Mit einfachen Werbespots versucht er sich über Wasser zu halten und ansonsten mit seiner durchweg aus Frauen bestehenden Familie zurechtzukommen.

Blutfleck
Blutfleck © trigon-film

Als Shiva dem Killer zum Opfer fällt, steht Hasan plötzlich im Mittelpunkt der sozialen Medien. Die Stalkerin Annie (Parinaz Izadyar) filmte ihn bei seinem letzten, wenig erfreulichen Gespräch mit Shiva. Sie denunziert sie in Videos und Hasans Popularität sinkt quasi minütlich. Um seinen Ruf wiederherzustellen, tüftelt er mit seinem engsten Freund einen Plan aus, der sein Image wieder ins rechte Licht rücken soll.

Knallig bunt erzählt Mani Haghighi in seiner Komödie Khook die Geschichte eines eitlen Regisseurs, der sich mit dem Dreh billiger Werbung über Wasser hält und völlig durchdreht, als er verdächtigt wird, ein Serienkiller zu sein. Ein überraschend lebhafter und überraschender Film mit viel schwarzem Humor und unterschwelliger Sozialkritik.

Sein Markenzeichen sind farbenfrohe T-Shirts, vornehmlich mit knallbunten Aufdrucken. Nichts hält ihn davon ab, ungepflegt durchs Leben zu gehen, kurze Schlabberhose und ungekämmte Haare inklusive. Hasan Kasmai ist es recht egal, wie er aussieht, viel wichtiger ist es ihm, seine Wut zum Ausdruck zu bringen. Nicht nur steht der Filmregisseur auf der schwarzen Liste Filmschaffender und darf seiner Arbeit nur noch als mittelklassiger Werbefilmer nachgehen. Er ist auch durch viele andere Dinge in seinem Leben extrem verärgert.

Der iranische Regisseur Mani Haghighi erzählt in Khook, einer bitterbösen knalligen Satire, von einem extrem selbstverliebten Künstler. Hasan hält sich für einen der ganz Grossen. Er erträgt es nicht, dass seine Muse Shiva sich anderen Regisseuren zuwendet. Dem nicht genug, verkraftet er es nicht, dass ein in Teheran umgehender Serienkiller, der sich namhaften Regisseuren den Kopf abschlägt, ihn bis dato ignoriert hat.

Kasmais Figur des verärgerten Regisseurs wird nicht nur extrem überzeichnet, sie wird auch in eine sehr knallige, überzogene Handlung mit vielen bunten Farben eingebettet. Hasans Frustration spitzt sich im Verlauf der Geschichte zu. Der Mord an seiner Muse und heimlichen Liebe durch den unbekannten Killer lässt ihn urplötzlich in der Öffentlichkeit in einem schlechten Licht dastehen. Doch statt sich daran zu erfreuen, nun endlich im lang ersehnten Mittelpunkt zu stehen, fühlt er sich erneut angegriffen.

Khook ist zum einen eine Studie über die Wirkung und Auswirkung sozialer Medien auf unsere Gesellschaft. Mani Haghighis Film ist aber auch Kritik an der Zensur im eigenen Land und zugleich die Darstellung einer zutiefst gekränkten Künstlerseele, voll von Eitelkeit und Egoismus. Knallig bunt und dadurch überraschend lebhaft und abwechslungsreich erzählt, mit einigen überraschenden Twists in der Handlung, schwarzem Humor aber auch immer unterschwelliger Kritik.

Julia Stache [jst]

Julia ist seit 2007 Freelancerin bei OutNow und kommt aus Berlin. Seit 2002 ist sie regelmässig bei der Berlinale dabei. In Jane-Austen-Filmen kann sie träumen und mitleiden. Sehr angetan haben es ihr Thriller, Christian Bale und James McAvoy.

  1. Artikel
  2. Profil

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:01