Le jeu (2018)

Le jeu (2018)

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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Blödes Spiel, guter Film

"Maria, ihm schmeckt's nicht!"
"Maria, ihm schmeckt's nicht!"

Das Essen ist fast parat, der Tisch gedeckt und die Vorfreude gross. Das Paar Marie (Bérénice Bejo) und Vincent (Stéphane De Groodt) haben ihre Freunde zu einem gemütlichen Abend bei ihnen Zuhause eingeladen. Nacheinander treffen die Gäste ein. Da wären Charlotte (Suzanne Clément) und ihr Ehemann Marco (Roschdy Zem), die endlich mal einen Abend ohne die zwei gemeinsamen Kinder geniessen möchten, die frischverheirateten Léa (Doria Tillier) und Thomas (Vincent Elbaz) sowie der scheinbar ewige Single Ben (Grégory Gadebois). Die Stimmung ist locker, auch wenn die Essenskreationen von Vincent nicht unbedingt allen schmecken.

Her damit!
Her damit!

Dann plötzlich die verrückte Idee zu einem Spiel: Wie wäre es, wenn alle Anwesenden ihre Smartphones in die Mitte des Tisches legen würden und alle eintreffenden Kurznachrichten, Mails und Anrufe für alle sichtbar und hörbar gemacht werden. Schliesslich hat ja niemand etwas vor seinen Liebsten zu verbergen. Es dauert nicht lange, bis sich das als schlimmer Irrtum entpuppt.

Getragen von überzeugenden Schauspieler ist Le Jeu das gelungene Remake des italienischen Streifens Perfetti sconosciuti. Diese Neuauflage gefällt nicht nur in den lustigen Szenen, sondern auch in den dramatischen und ist nicht nur als Warnung, ein solches Spiel niemals selbst unter Freunden zu spielen, sehenswert.

Ein paar Freunde treffen sich zu einem Abendessen, wo die Stimmung dann jedoch aufgrund von Geheimnissen und Enthüllungen urplötzlich kippt. Dass solche für das Theater grossartigen Stoffe auch gut fürs Kino funktionieren können, zeigte unter anderem vor ein paar Jahren Le prénom, wo sich die Protagonisten aufgrund eines Kindernamens in die Haare gerieten. Der Film war in Frankreich ein riesiger Erfolg und bekam 2018 sogar ein deutsches Remake spendiert. Nun kommt Le jeu zu uns, der von seiner Ausgangslage an Le prénom erinnert - und eine deutsche Version mit dem Titel Das grosse Geheimnis steht sogar auch schon in den Startlöchern.

Dabei ist Le jeu selbst ein Remake des italienischen Perfetti sconosciuti. Beide Versionen kommen dabei ein Stück weit ernster als der Vornamen-Streit daher. Die Geheimnisse, welche die Figuren hier verbergen, haben ein grosses Sprengpotential und könnten sogar ganze Ehen den Bach abschicken. Es kann zwar trotzdem einige Male gelacht werden, doch immer wieder gibt es spannende Abschnitte, bei denen die Protagonisten etwas zu verbergen versuchen, was nicht ans Tageslicht - oder in diesem Fall an diesem Abend nicht aufs Smartphone - kommen sollte.

Die beste Szene des Filmes ist jedoch weder lustig noch spannend, sondern eine berührende Unterhaltung zwischen einer Tochter und ihrem Vater. Was dort besprochen wird, geht richtig nahe. Alle Schauspieler sind durchs Band toll und keiner spielt sich in den Vordergrund. Auch bekanntere Darsteller wie Bérénice Bejo, Roschdy Zem oder Suzanne Clément stellen sich in den Dienst des Filmes, der zwar nicht ganz den Unterhaltungswert von Le Prénom besitzt, dafür jedoch auf dramatischer Ebene punkten kann. Schade, dass am Ende der Mut etwas abhandenkommt und der Schluss so etwas billig wirkt. Doch mag man das diesem turbulenten Treffen unter Freunden (?) verziehen.

/ crs