Isle of Dogs (2018)

Isle of Dogs (2018)

Ataris Reise
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  3. 101 Minuten

Filmkritik: Katzen an die Macht

68. Internationale Filmfestspiele Berlin 2018
Alles Wuff oder was?!
Alles Wuff oder was?!

In einem fiktiven Japan der nahen Zukunft leben zu viele Hunde. Als dann auch noch die Hundegrippe ausbricht und die Menschen um ihre Gesundheit bangen, greift Bürgermeister Kobayashi (Kunichi Nomura), ein Katzenliebhaber, ein. Der korrupte Mann verbannt alle Hunde aus Megasaki City auf das vorgelagerte Trash Island, eine riesige Mülldeponie, die durch das Meer von der Stadt getrennt ist. Dort müssen zahlreiche Hunde nun ihr Dasein in Isloation fristen, Streuner mit Schosshündchen zurechtkommen, und alle sich miteinander arrangieren, so gut es geht. Das fällt nicht leicht zwischen all dem Müll und den schönen Erinnerungen an das vergangene Leben.

Gemeiner Hund
Gemeiner Hund

Eines Tages landet ein 12-jähriger Junge mit einem klapprigen Flugzeug auf der Insel. Atari (Koyu Rankin) ist auf der Suche nach seinem Hund Spots (Liev Schreiber). Er trifft schnell auf ein Rudel Hunde und freundet sich mit ihnen an. Gerne wollen sie den Jungen bei seiner Suche unterstützen, auch wenn sie kein Wort japanisch können und der Junge kein Wort englisch spricht. Die Mischlingshunde um King (Bob Balaban), Rex (Edward Norton), Chief (Bryan Cranston), Duke (Jeff Goldblum) und Boss (Bill Murray) versprechen Atari, dass sie Spots gemeinsam finden werden finden, egal wie aufwendig die Suche werden wird.

Nach Fantastic Mr. Fox ist dies Regisseur Wes Andersons zweiter Animationsfilm. Bei der Geschichte des 12-jährigen japanischen Jungen Atari, der auf einer riesigen Mülldeponie auf die Suche nach seinem Hund geht, kann mitgeleidet, mitgebangt und mitgelacht werden. Anderson erschafft mit Stop-Motion eine detailreiche Welt mit eigenen Gesetzen.

Schon der Prolog des Films macht klar, wer hier im Mittelpunkt steht. Übersetzt werden nur die Hunde, was die Menschen sagen, bleibt im Original, also meist im Japanischen, manchmal im Englischen und kann aus Gesten und Mimik erschlossen werden. Dabei beginnt die Geschichte nicht mit einem Hund, sondern mit Katzen, die der Regierung um Bürgermeister Kobayashi das wichtigste Tier überhaupt sind. Deshalb kommt es ihm auch nur recht, dass die Hunde seiner grossen Stadt unter Grippe und Schnauzenseuche leiden und alle verbannt werden müssen. Als ersten trifft es den eigenen Familienhund, der quasi als Prototyp auf die Müllinsel verbannt wird.

Es ist Regisseur Wes Andersons zweiter Animationsfilm, und erneut stehen Tiere im Mittelpunkt. Bei The Fantastic Mr. Fox war es 2009 der schlaue Fuchs, der vom Hühnerdieb zum Zeitungsangestellten wurde. Wes Anderson beweist in seinen Filmen stets ein Händchen für Detailreichtum und erschafft mit Isle of Dogs eine Welt mit eigenen Gesetzen und ihrer ganz eigenen Wirklichkeit. Stilistisches Vorbild waren die Werke des japanischen Filmregisseurs Akira Kurosawa, wo Hunde jedoch eher selten waren. Die Charaktere, ob Mensch oder Tier, sind scharf gezeichnet, sie alle verkörpern Wesen mit Gefühlen, Wünschen und Ängsten.

Man fühlt mit dem armen Spots, als er in seinem Käfig auf die Mülldeponie transportiert wird und ausser ein paar Ratten völlig allein zurück bleibt. Es wird gelacht, wenn zwei Rudel Hunde aufeinander treffen und vor dem Kampf ums Essen zunächst ein kurzes, wenngleich auch ernstes Gespräch führen. Man bangt und lacht und hofft mit den Tieren auf ihrem beschwerlichen Weg über die Insel, man erfreut sich an der zunehmend wachsenden Freundschaft und Nähe zwischen den Hunden und vor allem auch zu Atari. Man versteht die Zweifel, die der Streuner Chief durchlebt, als Aussenseiter und zugleich Anführer des Rudels, denn er hatte nie ein schönes Zuhause. Er neidet den anderen ihr altes Leben, entwickelt sich von allen des Rudels aber am meisten und entdeckt seine Fürsorge und Zuneigung zu Atari und den Wert von Zusammenhalt und Freundschaft.

Aber auch der Mensch wird nicht vergessen, und im Verlauf der Geschichte wird immer deutlicher, wie korrupt Bürgermeister Kobayashi ist, wie verbissen er an seinen Ansichten festhält und vertuscht. Im gegenüber steht eine Gruppe Schüler, die mit aller Macht versuchen, die bösen Machenschaften aufzudecken und mit Protesten die Bewohner der Stadt für das Schicksal der Hunde zu mobilisieren.

Isle of Dogs ist eine wunderbare Fabel, in der wir die Tiere verstehen und die skurrilen Gefährten Ataris schnell lieb gewinnen. Wir leiden, bangen, hoffen und erfreuen uns an den Tieren, ihren Ideen und Gedanken. Zugleich ist der Film aber auch eine Kritik am einseitigen Denken vieler Regierungsoberhäupter, die verbissen an einseitigen Ideen festhalten. Am Ende von Ataris Reise ist nicht alles gut, aber zumindest sieht die Zukunft von Tier und Mensch wieder wesentlich zuversichtlicher aus.

/ jst