In My Room (2018)

In My Room (2018)

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Filmkritik: I Am German Legend

71e Festival de Cannes 2018
Ross'n'Roll
Ross'n'Roll © Studio / Produzent

Der kinderlose Forty-Something Armin (Hans Löw) arbeitet als Kameramann beim Deutschen Fernsehen, ist permanent abgebrannt und weiss nicht so recht, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll. Die Sexbeziehungen mit deutlich jüngeren Frauen wie Rosa (Emma Bading) haben langsam ihren Reiz verloren, und seine Arbeit ist jetzt auch nicht gerade der ganz grosse Burner.

Als Armin von seinem Vater (Michael Wittenborn) die Nachricht erhält, dass seine Grossmutter (Ruth Bickelhaupt) im Sterben liege, kehrt er zurück in sein Elternhaus, um dort von ihr Abschied zu nehmen. Am Ort, wo er seine Kindheit verbracht hat, verstärkt sich aber gleichzeitig seine Sinnkrise. Als es schliesslich soweit ist und die Grossmutter friedlich eingeschlafen ist, macht sich Armin auf den Weg zurück in sein bisheriges Leben. Doch dann muss er feststellen, dass nichts mehr so ist, wie es am Tag zuvor war: Sämtliche Menschen scheinen nämlich von dem Planeten verschwunden zu sein, er ist mutterseelenallein...

Wer plötzlich allein auf der Welt ist, hat's nicht einfach. Der Protagonist Armin nimmt's in In my Room aber easy und findet dabei sogar sein Glück. Leider geht's den Zuschauern nicht gleich. Der Film von Ulrich Köhler beginnt langsam und schaltet gleich wieder zurück, sobald er etwas in die Gänge gekommen ist. Auch auf Charakterebene kann das Drama nicht überzeugen. Nach dem starken Schlafkrankheit ist Ulrich Köhlers neuer Film eine leise Enttäuschung.

2007 stürchelte Will Smith in I Am Legend durch ein menschenleeres New York. Nun findet sich Hans Löw als Armin in der gleichen Situation wieder. Doch damit erschöpfen sich die Parallelen zu In My Room schon bald. Denn Regisseur Ulrich Köhler interessiert sich höchstens am Rande für die filmischen Möglichkeiten, die sich aus dieser Ausgangslage ergeben. Das ist etwas schade, denn die Szenen, in denen der Protagonist durch die ausgestorbenen Strassen wandelt und ein führerloses Schiff durch den Rhein gondelt, sind beklemmend und erzeugen Spannung.

Doch für Regisseur Köhler, dem mit seinem letzten Film Schlafkrankheit ein packendes Psychodrama gelungen ist, ist die Ausgangslage natürlich lediglich eine Metapher. Und um diese einzubetten, muss man vor dem eigentlichen "Catch" des Filmes fast eine Filmstunde lang den Protagonisten bei seinem deprimierend langweiligen Leben begleiten. Das ist dramaturgisch zwar sinnvoll, aber eben nicht besonders aufregend. Eine sterbende Oma alleine ist einfach ein bisschen wenig Dramatik.

Im zweiten Teil wird der Film dann zur Robinsonade, in dem Armin ein Aussteigerleben beginnt und darin seine wahre Bestimmung findet. Dabei stellt er dann auch fest, dass er doch nicht vollständig mutterseelenallein ist auf der Welt. Mit der von der italienischen Schauspielerin Elena Radonicich gespielten Kirsi trifft er sein weibliches Pendant, und es braucht nicht viel Fantasie, sich auszumalen, was passiert.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist aus dem Film faktisch ein Beziehungsdrama geworden; ein wortkarges notabene, denn die beiden Protagonisten haben sprachbedingte Differenzen zu überwinden. Das ist alles mässig interessant, auch weil die beiden Hauptdarsteller es nicht schaffen, eine Chemie untereinander zu entwickeln, die sich auf die Zuschauer überträgt. Zudem scheint auch die Tatsache, dass die beiden alleine auf der Welt sind, so gar nicht mehr relevant. Es könnte geradezu ein normales Aussteigerdrama sein. Doch für ein solches kommt in In My Room der Survival-Aspekt ein wenig zu kurz. Denn das Aussteigerleben sieht eigentlich alles in allem recht gemütlich aus.

Letztendlich will Köhler in seinem Film einfach die Frage beantworten, wie der moderne Mann letztendlich zu seinem Glück finden kann: Das urbane Stadtleben macht keinen Spass, doch in der ausgestorbenen Welt ergibt plötzlich alles einen tieferen Sinn und bringt Befriedigung. Das ist zwar als Moral von der Geschicht' ganz nett, allerdings auch etwas gar simpel. Und zu alldem nicht besonders anmächelig umgesetzt. Dann lieber Will Smith beim Golfspielen zusehen.

/ ebe