If Beale Street Could Talk (2018)

If Beale Street Could Talk (2018)

Beale Street
  1. , ,
  2. 117 Minuten

Filmkritik: Live and Love in the USA

43rd Toronto International Film Festival
Love is all around
Love is all around

Harlem in den Siebzigern: Die 19-jährige Tish (Kiki Layne) und der 22-jährige Fonny (Stephan James) kennen sich schon seit klein auf und sind über ihre späten Teenager-Jahre zu einem Liebespaar geworden. Als Fonny jedoch eines Tages beschuldigt wird, eine Frau vergewaltigt zu haben, wandert er hinter Gitter. Dabei hat er die Tat gar nicht begangen. Tish beginnt ihren Freund daraufhin zu besuchen und bringt ihrem Schatz kurz nach dem Haftantritt eine besondere Botschaft: Sie ist mit seinem Kind schwanger.

Auch wenn die Freude überwiegt, muss jetzt schnell gehandelt werden. Denn Tish möchte mit Hilfe von Anwälten Fonny am besten noch vor der Geburt des Kindes aus dem Gefängnis holen. Dies ist jedoch alles andere als einfach, hat das vermeintliche Vergewaltigungsopfer doch die USA verlassen. Wird es Fonny trotzdem irgendwie möglich sein, in Freiheit sein Kind und seine Tish in die Arme schliessen zu können?

Die James-Baldwin-Verfilmung If Beale Street Could Talk ist das wunderschön gefilmte und berührende Moonlight-Nachfolgewerk von Barry Jenkins. Es ist eine ergreifende Geschichte darüber, wie Liebe und Zusammenhalt die Welt zu einem besseren Ort machen, und über die Ungerechtigkeiten, welche die afroamerikanische Bevölkerung erdulden muss. Trotz der schweren Themen ein richtig herzerwärmendes Werk.

Was die Erwartungshaltung gegenüber dem neuen Werk eines Regisseurs betrifft, gibt es wohl kein extremeres Beispiel als jenes von Barry Jenkins: Dessen Erstling Medicine for Melancholy flog unter dem Radar vieler Zuschauer hindurch, sodass sein Zweitling nicht gerade sehnsüchtigst erwartet wurde. Dieser hiess dann jedoch Moonlight, wurde von den Kritikern auf der ganzen Welt gefeiert und - mit leichter Verspätung - mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet. Um Milla Jovovich zu zitieren: "Big bada-boom."

Das Nachfolgewerk ist nun die Leinwand-Adaption des James-Baldwin-Romans "If Beale Street Could Talk". Die ungerechte Behandlung der afroamerikanischen Bevölkerung wird darin überdeutlich angekreidet, doch das Buch wie auch diese Umsetzung sind auch eine Ode an die Liebe und den Zusammenhalt. Jenkins zeigt dies sehr feinfühlig, und dabei gelingt ihm ein äusserst intimer Film, der uns die Gefühlswelten verständlich macht, dabei jedoch nie über das Ziel hinausschiesst. So ist es trotz der schweren Themen ein unglaublich schöner Film.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: während der Zeit vor der Inhaftierung Fonnys und jener danach. Jenkins bricht uns bei Szenen der Verliebtheit regelmässig das Herz, da wir ja schon wissen, wohin die Reise führen wird. Ein Gespräch zwischen Fonny und einem Freund, der vor kurzem aus dem Knast entlassen worden ist und der von seinen Erlebnissen erzählt, geht an die Nieren. Auch hier ist das Wissen über die Zukunft schmerzhaft, denn der werdende Vater wird dies wohl alles auch durchleben müssen. Doch dank der unzerstörbaren Liebe des jungen Paares weht ein Wind von Optimismus durch den Film. Das hat nichts mit Naivität zu tun, sondern mit Stärke und Grösse. Das geht nicht nur von Tish und Fonny aus, sondern auch von den Menschen in ihrem engsten Umfeld. Der gezeigte gegenseitige Support ist schlichtweg herzerwärmend.

Ganz mit Moonlight kann Jenkins Neuster jedoch nicht mithalten. Für das klammert sich der Oscarpreisträger etwas zu sehr an die Vorlage und benutzt so für Gedankengänge immer mal wieder das nicht sehr clevere Voiceover. Werkgetreu ist das zwar, doch wirkt das zwischendurch ein wenig steif. Auch stört es, dass mit Ed Skrein, Dave Franco und Diego Luna auch noch drei etwas bekanntere Gesichter mitspielen, denen es nicht so gut gelingt, hinter ihren Figuren zu verschwinden. Man denkt in ihren Szenen dann auch immer ein wenig: "Oh, sieh mal, der Bösewicht von Deadpool."

Dafür können diese Nebendarsteller natürlich nichts. Der Film gehört ohnehin anderen und diese spielen ihre Parts sensationell. Allen voran das zentrale Paar KiKi Layne und Stephan James sowie Regina King, die Tishs Mutter von und ein paar ganz starke Momente hat. Sie alle machen If Beale Street Could Talk zu diesem wunderschönen Film, der es Barry Jenkins betreffend der Erwartungshaltung definitiv nicht leichter machen wird - und das ist völlig ok so.

/ crs