I Feel Pretty (2018)

I Feel Pretty (2018)

  1. ,
  2. 110 Minuten

Filmkritik: Ein harter Schlag auf den Hinterkopf erhöht das Selbstbewusstein

Finger-Food?
Finger-Food? © Ascot Elite

Renee Bennetts (Amy Schumer) grösster Wunsch ist es, so schön wie ein Supermodel zu sein. Denn damit würde sie sich ihrer Unsicherheit und ihrer Minderwertigkeitskomplexe entledigen - so denkt sie jedenfalls. Als sie eines Tages in einer Indoorcycling-Klasse vom Velo fällt und sich aufs Heftigste den Kopf anschlägt, scheint sie sich damit auf eine spezielle Art und Weise ihren Wunsch erfüllt zu haben. Denn aufgrund des Unfalls glaubt sie nun, dass sie tatsächlich einen Traumkörper hat.

Keine Szene aus einem Horrorfilm.
Keine Szene aus einem Horrorfilm. © Ascot Elite

Voller Selbstbewusstsein stellt sie ihr Leben auf den Kopf und bewirbt sich sogar als Empfangsdame des angesehenen Kosmetikriesen "Lily LeClair". Auch wenn niemand ausser Renee die "Veränderung" optisch sehen kann, kriegt sie die Stelle, was ihr Ego nur noch mehr steigen lässt. Doch dies alles hat auch Nebenwirkungen, denn gegenüber ihren besten Freundinnen beginnt sich Renee je länger denn mehr unmöglich zu benehmen. Wird Renee je wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren?

Die neuste Amy-Schumer-Komödie ist nur mässig lustig, da I Feel Pretty einfach zu schnell die guten Witze ausgehen und stattdessen fast immer eine Abwandlung desselben Jokes vorgetragen wird. Aufgrund der netten Botschaft - Schönheit kommt von innen - ein Chickflick der Marke "Ok", das jedoch schnell wieder vergessen ist.

Die Botschaften "Du bist schön, wie du bist" und "Wahre Schönheit kommt von innen" sind ja eigentlich schon oft wiedergekäut worden. In einem Zeitalter, in dem ein wahrer Fitnesswahnsinn herrscht, tut es aber gut, sie wieder einmal zu hören. Die Idee von I Feel Pretty, einer Art Budget-Version von Shallow Hal - ohne Make-up, dafür mit mehr Vorstellungskraft bei der Protagonistin -, ist zudem auch ganz nett. Doch ermüdet der Witz, dass sich die von Amy Schumer gespielte Renee selbst als wunderschön sieht, während alle anderen immer noch die gleiche Frau sehen, nach gerade einmal einer halben Stunde. Das Problem: Es bleibt danach noch mehr als eine Stunde Film übrig, was die ganze Sache dann leider etwas mühsam macht.

An Schumer liegt dies wahrlich nicht. Die Komikerin zeigt vollen Körpereinsatz in ihrem dritten grossen Leinwandaufritt nach dem wirklich lustigen Trainwreck und dem völlig misslungenen Snatched. Schumer überzeugt als Selbstvertrauenswrack wie danach auch vor allem komödiantisch als Möchtegernmodel. Nur geht ihre Renee nach der Kopfverletzung ein bisschen auf die Nerven. Aufgrund ihrer im Verlaufe des Filmes immer überschwänglicheren Art wird sie dann auch irgendwann von ihren Freundinnen gemieden, wobei man als Zuschauer es diesen gleichtun möchte. Renee wird gegen Ende hin nämlich immer unausstehlicher.

In einen Nebenrolle ist die mehrfach oscarnominierte Michelle Williams (Manchester by the Sea) zu sehen. Sie spielt ein Huscheli mit Piepsstimme, das nicht ernstgenommen wird. Die US-Kritiker lobten vor allem sie über den Klee. Die Frage ist jedoch: Wieso? Zwar besitzt ihre Figur etwas an Tiefe, doch hat sie auf der humorisitischen Seite gerade einmal einen Trumpf (ihre Stimme). Da war Tilda Swinton in Trainwreck deutlich lustiger.

So ist I Feel Pretty ein überaus vorhersehbarer, wenn auch trotz allen Kritikpunkten ganz netter Film mit einer guten Botschaft. Schade nur, dass dem Film bei einer Laufzeit von 109 Minuten zu schnell die humoristische Puste ausgeht.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 3

yan

*würg*

Amy Schumer geht bereits nach gefühlten 15 Sekunden auf die Nerven...
I Feel Pretty ist weder lustig noch wird die eigentlich schöne Message sympathisch rübergebracht. Ein 110-minütiges Ärgernis, das bis auf eine anständige Inszenierung und maximal 3 Lacher überhaupt nichts Positives mit sich bringt.

BeautifulDay

Der beste Joke im Film ist immer noch, dass Emily Ratajkowski versucht, ihren Ruf zu verbessern und ihre Beliebtheit zu steigern aber es endet viel mehr in einem kläglichen Scheitern :-D Durch diese Nebenrolle hat sie sich von mir aus gesehen eher noch mehr in "diese" Ecke gedrängt...

crs

Filmkritik: Ein harter Schlag auf den Hinterkopf erhöht das Selbstbewusstein

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