The Hummingbird Project (2018)

Filmkritik: My Cousin Vinnie

43rd Toronto International Film Festival
Mark Zuckerb... Vincent Zalesky!
Mark Zuckerb... Vincent Zalesky!

Die Cousins Anton und Vincent haben nicht viel gemeinsam. Anton (Alexander Skarsgard) ist Programmierer, verkriecht sich am liebsten hinter seinem Computer und träumt vom ruhigen Häuschen in den Bergen. Vincent (Jesse Eisenberg) hingegen liebt es, Leute um den Finger zu wickeln und geschäftliche Probleme zu lösen. Als Vincent Anton ein interessantes Angebot macht, kündigt dieser seinen Job.

Yo, wir schaffen das!
Yo, wir schaffen das!

Vincents Plan ist ganz schön irr: Er will einen sieben Zentimeter dünnen, eintausend Meilen langen Tunnel von Kansas nach New Jersey bauen, um im Hochfrequenzhandel in New York eine Millisekunde Vorsprung auf die Konkurrenz zu gewinnen. Dadurch versprechen sich die beiden Verdienste in Millionenhöhe. Die Konkurrenz, Antons ehemalige Chefin Eva Torres (Salma Hayek), schläft aber auch nicht. Sie verfolgt parallel einen anderen Plan, um noch bessere Zeiten gewinnen. So beginnt ein Rennen gegen - oder besser um - die Zeit.

The Hummingbird Project punktet vor allem mit seinem rasanten Erzähltempo und seinen beiden starken, sich toll ergänzenden Leads Alexander Skarsgard und Jesse Eisenberg. Allerdings gelingt es Regisseur Kim Nguyen nicht, dem gesetzten Ton bis zum Schluss treu zu bleiben, was ihn am Ende viel der erarbeiteten Glaubwürdigkeit kostet.

Schon mal von Hochfrequenzhandel gehört? Wir auch nicht. Eine kurze Recherche ergibt folgendes: Ein Computer kauft und verkauft Wertpapiere innert Sekunden und generiert so Mikrogewinne, die in der Summe wiederum zu viel Geld anwachsen. Nun aber fertig Finanzkunde. Die Protagonisten Anton und Vincent aus Kim Nguyens erstem grossem Hollywood-Film verdienen jedenfalls ihr Geld im dieser Handelsart.

Geschwindigkeit ist in The Hummingbird Project ein Dauerthema, nicht nur inhaltlich. Der Film hat ein erstaunlich rasantes Tempo, was ihn wie im Flug vorbeigehen lässt - und dies trotz der eher trockenen Materie. Nguyen schafft es aber, spannende Charaktere zu formen, mit denen wir mitfiebern. Jesse Eisenberg weicht dabei nicht weit von seinen sonstigen Rollen ab. Er spricht schnell, befeuert seine Gegenüber regelrecht mit Fachbegriffen und grinst am Ende zufrieden. Für diesen Film funktioniert dies aber gut. Ganz im Kontrast dazu steht Alexander Skarsgards Performance. Skarsgard ist ein toll aussehender Mann, hier ist er aber kaum wiederzuerkennen. Er spielt den introvertierten Tech-Nerd enorm glaubwürdig. So ist es auch eher seine Figur, durch die der Zuschauer die Story erlebt.

Diese Geschichte ist weder wahr noch wirklich glaubhaft. Das Vorhaben der beiden ist derart wahnwitzig, sodass es dem Film seine sonst realistische Präsentation immer wieder untergräbt. Vor allem im letztem Drittel verliert er seine Realitätsnähe und driftet fast ins Absurde ab, was mit dem Rest des Films nicht richtig zusammenpassen mag. Ausserdem stossen die beiden immer wieder auf irgendwelche Hindernisse, die sie nie wirklich lösen - oder zumindest wird dies nicht gezeigt. Das Ende wiederum ist sehr realistisch, wenn auch nicht sehr befriedigend. Aber immerhin in sich schlüssig.

/ nna

Trailer Englisch, 02:25