Hotel Mumbai (2018)

Hotel Mumbai (2018)

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Filmkritik: Als die Hölle über Mumbai hineinbrach

43rd Toronto International Film Festival

2008: Mit einem kleinen Schlauchboot legen zehn Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Laschkar-e Taiba in Mumbai an, um Chaos und Terror über die Stadt zu bringen. Nach Attacken auf einen Bahnhof und Restaurants fokussieren vier Terroristen auf das Taj Mahal Palace Hotel. Dort logiert unter anderem auch der Amerikaner David (Armie Hammer) mit seiner Frau Zahra (Nazanin Boniadi) und dem gemeinsamen Baby. Als sie gerade von dem jungen Familienvater Arjun (Dev Patel) bedient werden, fallen die ersten Schüsse.

Verzweifelt versuchen die Hotel-Mitarbeiter, die Gäste in Sicherheit zu bringen. Doch es scheint keinen Ausweg zu geben. Gefangen in dem Gebäude müssen sie sich notgedrungen verstecken und hoffen, nicht von den Terroristen gefunden zu werden. Währenddessen versucht eine Handvoll von Polizisten in das Hotel zu gelangen. Sie sind momentan die einzige Hoffnung für die Gefangenen. Denn die Polizei braucht Stunden, bis sie überhaupt am Ort des Geschehens eintrifft.

Hotel Mumbai ist ein unglaublich intensiver Film über die Mumbai-Terroranschläge von 2008. Regisseur Anthony Maras hält während fast zwei Stunden die Spannung hoch, auch wenn er in gewissen Momenten nicht um Pathos herumkommt. Trotzdem ein heftiges Werk, das die Zuschauer richtig fertigmachen kann.

Sorry, Kinobesitzer. Bei Hotel Mumbai werden die Sitzlehnen eurer Kinos ganz schön beansprucht. Denn der auf wahren Begebenheiten basierende Film von Anthony Maras ist intensives Spannungskino.

Es ist erstaunlich, wie gut Maras die Balance zwischen den verschiedenen Figuren hält. Hier versuchen Hotelmitarbeiter, Gäste und Polizisten zu überleben. Alle kriegen dabei genug Screentime, sodass alle Handlungsstränge spannend bleiben, wenn sich die Charaktere mal aufteilen. Da gibt es fast schon unangenehm spannende Momente durchzustehen, woran ein Kleinkind einen entscheidenden Anteil hat.

Doch der Fokus liegt nicht nur alleine auf den Opfern, sondern auch auf den Tätern. Der Film zeigt, wie rücksichtslos die Attentäter vorgehen - der Film ist teilweise tammibrutal -, und auch wie sie Spässchen machen. Die Terroristen sind hier nicht gesichtslose Mörder. Der Film versucht dabei zum Glück nicht, den Bösen zu viele Sympathien zuzugestehen. Es wird darauf hingewiesen, dass sie das wohl nur des Geldes wegen für ihre Familien machen, doch wird dies nie als Entschuldigung verwendet. Das hätte nämlich sowieso nicht funktioniert aufgrund der Grausamkeiten, die sie verüben.

Die bekannten Schauspieler wie Dev Patel, Armie Hammer und Jason Isaacs fügen sich nahtlos in den Cast ein und haben gar keine Chance, sich gross in den Vordergrund zu spielen. Erwartet bloss nicht, dass zum Beispiel der Amerikaner Hammer einen Terroristen überlistet und dann in John-McClane-Manier einen nach dem anderen ausschaltet. Das ist nicht diese Art von Film. Amras geht es hier um den Horror, der über diese unschuldigen Menschen gebracht wird.

Bei diesem intensiven Erlebnis schleichen sich jedoch auch ein paar Schwächen ein. Das zu Beginn des Filmes geäusserte Motto des Hotels, dass der Gast Gott sei, wird selbstverständlich für Pathos später wieder hervorgeholt. Solche Dinge sind dann doch sehr "Hollywood" und passen nicht wirklich in den diesen sonst packenden Streifen. Doch bieten solche Momente immerhin mal Gelegenheit, um durchzuatmen.

/ crs

Trailer Englisch, 02:35