Hotel Artemis (2018)

Hotel Artemis (2018)

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  3. 94 Minuten

Filmkritik: John Wick empfiehlt

18. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2018
Das Schweigen der Männer
Das Schweigen der Männer

Los Angeles, 2028: Weil Trinkwasser nur noch durch Bezahlung eines hohen Geldbetrages erhältlich ist, herrscht in der Grossstadt ein Ausnahmezustand. Die Leute gehen auf die Strasse und protestieren gegen Firmen, die Schuld tragen an der ganzen Misere. Zur gleichen Zeit führt Sherman Atkins (Sterling K. Brown) mit seinem Bruder Lev (Brian Tyree Henry) und zwei weiteren Kriminellen einen Banküberfall durch, der recht in die Hose geht. Angeschossen machen sich Sherman und Lev deshalb gleich nach dem Heist ins Hotel Artemis auf - ein streng geheimes Edel-Krankenhaus nur für Verbrecher.

Wenn du noch einmal "The Mummy" erwähnst..."
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Doch wer dort Kunde ist, hat einige Regeln zu beachten, bei denen die "Schwester" (Jodie Foster) darauf besteht, dass sie eingehalten werden - darunter auch, dass man dort keine anderen Menschen töten darf. Bereits im Artemis befinden sich eine französische Auftragskillerin (Sofia Boutella) sowie ein sich dauernd beschwerender Waffenschieber (Charlie Day). Als dann jedoch die Runde macht, dass der Gangsterboss "The Wolfking" (Jeff Goldblum) auf dem Weg ins Artemis ist, beginnen die Gäste einige Regeln des Hotels zu missachten. Es steht eine blutige Nacht bevor...

Auch wenn es in Hotel Artemis um ein Gebäude geht, in dem Verbrecher sicher verweilen können, ist Drew Pearces Film kein John-Wick-Klon. Anstatt bei der Action liegt der Fokus hier auf bunten, wenn auch recht oberflächlichen Charakteren und auf der Spannungssteigerung, bis es dann zum Knall kommt. Ein cooler Streifen.

Ein Satz, den man in Heist-Filmen oft nach misslungenen Überfällen hört, ist, dass man die Verletzten auf keinen Fall ins Krankenhaus bringen soll. Dort würden nur unangenehme Fragen gestellt und im schlimmsten Fall sogar die Polizei gerufen. Es muss ein diskreter Spezialist herbeigezogen werden. Der Plot von Drew Pearces Regiedebüt dreht sich nun genau um einen solchen Spezialisten, doch weitet er die Idee gleich um ein ganzes Spital aus, wo jeweils gleich mehrere Verbrecher auf Mal logieren können. Dass es dort nicht lange ruhig und bleifrei bleibt, versteht sich von selbst.

Das Hotel Artemis könnte glatt eine Zweigniederlassung des Hotels Continental aus den John Wick-Filmen sein, wo Profikiller jeweils absteigen und relaxen können. Vergleiche müssen jedoch nicht unbedingt mit den Keanu-Reeves-Actionreihe gezogen werden, sondern mit Filmen wie Smokin' Aces, wo langsam auf eine Eskalation hingearbeitet wird. Das grosse Ballerfest gibt es hier nämlich nicht, dafür aber Spannungssteigerung, bis es dann eben knallt.

Auch wenn dies nicht besonders clever inszeniert und die Hintergrundgeschichte mit der protestierenden Bevölkerung richtig vörig ist, unterhält Hotel Artemis während der vergleichsweisen kurzen 94 Minuten ganz anständig. Das liegt vor allem an den Charakeren, welche im Artemis ein und aus gehen. Ein jeder/eine jede verfolgt eigene Ziele, wobei diese irgendwann nur noch mit brutaler Konfrontation zu erreichen sind. So wandelt sich das Artemis während der Laufzeit vom sichergeglaubten Ort immer mehr zur blutigen Falle, aus der es nur schwer ein Entkommen gibt. Die äusserst bunt zusammengewürfelte Darstellerriege - die zweifache Oscarpreisträgerin Jodie Foster trifft unter anderem auf Kingsman-Killerin Sofia Boutella, Guardians of the Galaxy-Chaschte Dave Bautista sowie High-Pitch-Laferi Charlie Day - versucht das Beste aus ihren oberflächlichen Figuren zu holen, was auch den meisten gut gelingt. Nur Jeff Goldblum bleibt bei seinen Auftritten etwas gar blass.

So ist Hotel Artemis bestimmt kein neuer John Wick, aber immerhin ein ganz netter Neo-Noir-Thriller mit einem coolen Cast.

/ crs