Hereditary (2018)

Hereditary (2018)

Hereditary - Das Vermächtnis
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  2. 126 Minuten

Filmkritik: Man kann sich seine Familie halt nicht aussuchen...

Die hat doch einen Vogel.
Die hat doch einen Vogel.

Die Familie Graham trauert: Ma­t­ri­ar­chin Ellen ist gestorben. Für Tochter Annie (Toni Colette) geht damit auch eine Leidenszeit zu Ende, da sie nicht immer das beste Verhältnis zu ihrer Mutter hatte. Der Tod von Ellen scheint Annies Tochter Charlie (Milly Shapiro) mehr getroffen zu haben, die ein sehr nahes Verhältnis zur Oma pflegte. Doch mit Ellens Ableben wird etwas erweckt, das die ganze Familie Graham, zu der auch Annies Ehemann Steve (Gabriel Byrne) und Sohn Peter (Alex Wolff) gehören, zu spüren bekommen. Es beginnt ein wahrer Albtraum.

Der vom gemächlichen Erzähltempo her altmodisch wirkende Hereditary ist ein grossartiger Horrorfilm mit brillanten Darstellerleistungen und einer enorm dichten Inszenierung, die den Zuschauern die Sprache verschlägt. Solch toll inszenierte Filme sieht man in diesem Genre eher selten. Ein Film, dessen Brillanz sich auch erst nach ein bisschen Nachdenken offenbart und der bei einer zweiten Runde dann noch ein höllisches Vergnügen bereitet.

Normalerweise sind unsere Inhaltsangaben ja etwas länger. Doch zu viel über Hereditary zu verraten, wäre nicht richtig. Denn schon nach kürzester Zeit bricht ein Albtraum über die gezeigte Familie herein, der nicht in Worte zu fassen ist und wie ein Startschuss zu einem emotionalen Trip in die Hölle funktioniert.

Die Bedrohung ist jedoch schon ab der ersten Sekunde an spürbar. Mit einer enorm dichten Inszenierung gelingt es Spielfilmdebütant - eine unglaubliche Tatsache! - Ari Aster, die Zuschauer zu packen. Dabei setzt Aster nicht etwa auf laute Jump-Scare-Effekte, sondern eine während zwei Stunden konstant aufrecht erhaltene unheimliche Atmosphäre, die an Filme wie Rosemary's Baby und The Exorcist erinnert. Da ist es wurst, dass die eigentliche Geschichte nur langsam vorangeht und wirkliche Schockmomente - mal abgesehen von einem ziemlich heftigen - während der ersten Stunde fehlen. Dieser Film hat nämlich mehr im Sinn, als uns nur aus den Sitzen aufspringen zu lassen.

Denn Hereditary ist am ehesten mit Filmen wie The Babadook vergleichbar, wo das Grundgerüst auch starke Charaktere sowie eine dramareiche Geschichte waren. Der Horror dort wie auch hier ist ein psychologischer - so findet zum Beispiel eine der schweisstreibendsten Szenen während eines Znachtessens statt. Es geht um Trauer, Schuld und das, was man so vererbt bekommt. Die Schauspieler sind dabei durchs Band sensationell. Die australische Schauspielerin Toni Collette ist eine Wucht in der Rolle der Mutter, während man Alex Wolff (er wurde in Jumanji: Welcome to the Jungle zu Dwayne Johnson) zu seiner Darstellung von Schuldgefühlen und Angst nur applaudieren kann.

So wird Hereditary zum erstklassigen Grusler, der absolut unvorhersehbar ist und dessen Ende noch viel länger beschäftigen wird. Zudem schafft es Aster, dass man auch Nächte danach immer noch imaginäre Umrisse im eigenen dunklen Schlafzimmer sieht. Das grösste Kunststück ist jedoch, was auf emotionaler Ebene vollbracht wird. Uns allen bekannte Gefühle werden in einen Horrormixer geworfen und uns dann eiskalt serviert. Auch deshalb ist Hereditary ein fieser Nervenunruhestifter, der uns clever manipuliert, auf falsche Fährten bringt und auch deshalb zu etwas ganz Besonderem wird.

/ crs

Kommentare Total: 13

ebe

Fast hätte ich 4 gegeben... #KleinerRebell

woc

Das hat wohl wirklich mit dem Marketing und dem Hype zu tun. Je höher die Erwartungen, desto unterschiedlicher der eigene Bewertungsbarometer (ja, ich habe Barometer gesagt).

crs

Noch lustig: Bisher hat noch kein einziger User vier Sterne gegeben. Entweder findet man den Film sehr gut oder ausgezeichnet, oder dann nur durchschnittlich oder darunter. "Ist noch gut", hört man nirgends. Hate it or love it :-)

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