Greta (2018)

Greta (2018)

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  3. 98 Minuten

Filmkritik: Hit Girl & the Chewing Gum Lady

43rd Toronto International Film Festival
Good Morning, ma chérie
Good Morning, ma chérie

Die junge Kellnerin Frances (Chloë Grace Moretz) findet in der U-Bahn eine vergessen gegangene Tasche und nimmt sie mit. Da das Fundbüro gerade geschlossen hat, beschliesst sie, die Tasche selbst der Besitzerin zurückzubringen. Dank eines Ausweises in der Tasche steht sie so am nächsten Tag vor dem Haus der Französin Greta (Isabelle Huppert), die äusserst erfreut ist über den Besuch der jungen Frau. Die beiden freunden sich bei einem anschliessenden Kaffee ein bisschen an und treffen sich in den kommenden Wochen immer wieder einmal.

"Folgt dir jemand? Das kenne ich."
"Folgt dir jemand? Das kenne ich."

Ein Umstand, den Frances Mitbewohnerin Erika (Maika Monroe) seltsam findet. Wer freundet sich einfach so mit einer unbekannten alten Dame an? Doch Frances ignoriert ihre Freundin, da Greta sie auch ein bisschen über ihre vor einem Jahr verstorbene Mutter hinwegtröstet. Doch dann macht Frances eine Entdeckung, die alles verändert...

Greta ist ein kleiner, gemeiner Psychothriller mit einer teuflisch guten Isabelle Huppert, die sichtlich Spass an ihrer Rolle hat und so den Rest des Casts locker an die Wand spielt. Dabei wird auch mal über das Ziel hinausgeschossen, doch ist der Film so überdeutlich ein B-Movie, dass einige trashig erscheinenden Elemente locker verziehen werden können.

Würdet ihr eine gefundene Tasche selbst dem Besitzer zurückbringen? Auf diese Frage hatten die Darsteller Isabelle Huppert, Chloë Grace Moretz und Maika Monroe bei der Weltpremiere ihres Filmes Greta beim Toronto-Filmfestival schnell eine Antwort parat: "Sicher nicht." Nachdem man den neusten Streifen von Neil Jordan (The Crying Game, Interview with a Vampire) gesehen hat, ist diese Reaktion nur allzu verständlich.

Denn Greta ist ein ziemlich fieser Nerven-Zerrer, der aber sichtlich Spass mit seiner Prämisse hat. Der Beginn ist noch recht in der Wirklichkeit verankert und schafft es, mit einfachsten Mitteln Spannung zu erzeugen. Wie einfach es für Hupperts Greta ist, die naive und unschuldige Kellnerin zu stalken, ist genauso erschreckend wie auch die Tatsache, wie wenig dagegen gemacht werden kann.

In diesen Szenen findet dann auch der Wechsel in das B-Movie-Genre statt. Mit lauten Tönen taucht Hupperts Greta jeweils auf und ist so für den einen oder anderen Jump-Scare gut. Von da an kann der Film kaum mehr ernstgenommen werden. Und das ist völlig ok so. Denn Huppert hat sichtlich Spass an der Rolle und tänzelt regelrecht durch die Szenerie - in einer herrlichen Szene tut sie das sogar wortwörtlich. Wie Kaugummi klebt sie an der bemitleidenswerten Frances, die vom ehemaligen Hit-Girl Moretz ganz ok, aber nicht überragend gespielt wird. Der Vergleich mit dem Kaugummi stammt übrigens nicht von uns, sondern kommt aus dem Film und sorgt für einen der besten WTF-Momente.

Der beunruhigende Psychothriller wird so immer mehr zum leicht blutigen Horror-Spass, bei dem auch mal gelacht und geklatscht werden kann. Feine Genre-Kost geht anders, doch wer leicht trashiger Unterhaltung nicht abgeneigt ist, wird hier sicherlich seine Freude haben.

/ crs

Kommentare Total: 3

pradox

gewisse Szenen.. 🤷🏻‍♂️

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Ich mache jemanden handlungsunfähig, vergewissere mich aber nicht, dass die Person es auch tatsächlich ist und bleibt.

scheint mir bisschen überbewertet zu sein.

yan

Kleiner, fieser Thriller, der leider in der letzten halben Stunde etwas im Genre-Einheitsbrei untergeht. Zum Glück kann Isabelle Huppert mit einer grandiosen Leistung als Bösewichtin den Film dennoch bis am Schluss zusammenhalten.

crs

Filmkritik: Hit Girl & the Chewing Gum Lady

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