Green Book (2018)

Green Book (2018)

Green Book - Eine besondere Freundschaft
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  2. 130 Minuten

Filmkritik: Driving Mr. Shirley

43rd Toronto International Film Festival
Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen...
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New York in den Sechzigern: Tony Lip (Viggo Mortensen) lebt ein einfaches Leben als Sicherheitsangestellter in einem Club und sorgt für seine Familie. Als er von einem Freund einen Chauffeurjob angeboten kriegt, staunt er nicht schlecht, denn der Kunde, Don Shirley (Mahershala Ali), ist dunkelhäutig. Tony soll den Musiker in den tiefrassistischen Südstaaten von Auftritt zu Auftritt bringen. Er überwindet vorläufig seinen Rassismus und nimmt den Job an.

Einmal auf der Strasse, lernen sich die beiden grundverschiedenen Persönlichkeiten besser kennen. Tonys aufbrausende, laute Art stösst den nachdenklichen, korrekten Don vor den Kopf. Je tiefer in den Süden die beiden geraten, desto grösser werden die Probleme - und desto mehr wächst ihre Freundschaft. Sie beginnen, ihre Differenzen beiseitezulegen und ein Verständnis für die Lebensweise des anderen zu entwickeln.

Der für Comedy-Klassiker wie Dumb and Dumber bekannte Regisseur Peter Farrelly inszeniert mit Green Book einen herzhaften, witzigen Crowdpleaser. Zwar bedient er sich bekannter Muster aus dem Buddy-Movie-Genre, diese funktionieren dank den beiden hervorragend harmonierenden Hauptdarstellern aber wunderbar. Zudem überzeugt der Film in seinen dramatischen Szenen aus demselben Grund.

Nachdem er sich im Comedygenre mit Filmen wie Dumb and Dumber und There's Something About Mary einen Namen gemacht hat, ist es etwas überraschend, dass sich Peter Farrelly mit Green Book eines ernsteren Themas annimmt. Er beweist in seinem neusten Werk, dass er auch diesen Stoff beherrscht.

Farrelly hat hier zwar keinen visuellen Leckerbissen inszeniert, dafür ein umso besseres Händchen beim Casting bewiesen und richtig starke Performances aus seinen beiden Hauptdarstellern geholt. Viggo Mortensen und Mahershala Ali haben eine tolle Chemie, das Hin und Her ihrer beiden Figuren verbreitet durchgehend gute Laune. Denn trotz des dramatischen Subtexts ist Green Book in erster Linie eine Komödie.

Und die Comedy sitzt. Mortensens Tony ist das liebenswürdige Arschloch, das man eigentlich nicht mögen sollte, doch seine simple, direkte Art hat einfach Charme. Aus dem Kontrast zu Alis zurückhaltendem Don ergeben sich immer wieder urkomische Momente. Unter anderem beginnen die beiden einander zu verstehen, als sie gemeinsam Kentucky Fried Chicken im Auto essen und die Knochen lockerleicht aus dem Fenster werfen.

Trotz der vielen lustigen Momente behandelt Green Book ein ernstes Thema. Je weiter in den Süden sie sich bewegen, desto eher gibt's Probleme mit Gastgebern und Behörden. Auch diese Szenen überzeugen dank den beiden Leads, der soziale Kommentar ist stark erkennbar. Farrelly schafft es, die beiden Genres unter einen Hut zu bringen, ohne dass eines zu kurz käme.

Die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte bietet sich für eine solche Umsetzung auch an. Da der Rassismus in den USA noch immer ein grosses Thema ist, bleibt sie aktuell. Jedoch würde sich der Film besser von der Masse abheben, wenn er sich nicht derart durchschaubaren Mustern aus dem Buddy-/Road-Movie-Genre bedienen würde. In diesen Mustern bewegt er sich aber mit einer Leichtfüssigkeit, die die Klischees und Formeln beinahe vergessen lässt.

/ nna

Kommentare Total: 3

yan

...bin da auch der Meinung von sma: Green Book ist richtig gut, macht durchgehend Spass und die beiden Hauptdarsteller sind fantastisch. Dass dabei viele Klischees durchgekaut werden und die Story die erwarteten Punkte abhakt, stört zwar nicht, macht den Film aber schlussendlich doch zum klassischen Crowdpleaser. Eine äusserst sympathische, witzige und trotzdem wichtige Komödie ist Green Book aber dennoch geworden.

sma

Kein neues Three Billboards, aber etwas mehr als der klassische Crowdpleaser.
Green Book überzeugt vor allem mit einem fantastischen Viggo Mortensen in der Hauptrolle. Nicht nur aufgrund der zusätzlichen Pfunde wirkt sein Tony Lip so glaubhaft und sympathisch. Mahershala Ali hat mit dem ruhigeren Part in dem dynamischen Duo weit weniger Szenen, um sich zu beweisen. Dabei spielt der Film clever mit der Machtstruktur zwischen den beiden. Filmisch gibt es ein paar Highlightszenen und auch emotional geht er einem ans Herz. Natürlich werden hier unzählige Klischees bedient und die Geschichte läuft erwartbar ab, aber Green Book ist trotzdem ein unterhaltsamer und guter Film.

nna

Filmkritik: Driving Mr. Shirley

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