Border - Gräns (2018)

Border - Gräns (2018)

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  3. 110 Minuten

Filmkritik: So gruuusig

71e Festival de Cannes 2018
Love Is in the Air?
Love Is in the Air? © Outside the Box

Die im Gesicht deformierte Zollbeamtin Tina (Eva Melander) hat eine ganz spezielle Gabe: Sie kann mit ihrem Geruchsinn erschnuppern, ob die Menschen, die ihren Checkpunkt passieren, Ware schmuggeln. Sie kann laut eigenen Aussagen die Schuldgefühle riechen. Da wird auch mal ein Geschäftsmann herausgepickt, der im Case seines Smartphones eine Memory-Card mit Kinderpornographie versteckt hat. Der Fall wird an die örtliche Polizei weitergeleitet, die Tina auch gleich für die Suche nach den Machern der schrecklichen Filme einspannt.

Bädele
Bädele © Outside the Box

Doch Tinas Leben bringt dies nicht gross in Wallung. Dafür ist Vore (Eero Milonoff) zuständig, der eines Tages am Zoll an ihr vorbeimuss. Der Mann ist ganz ähnlich wie Tina im Gesicht deformiert, und die Zollbeamtin fühlt sich zu dem Mann auf eine seltsame Art und Weise hingezogen. Die beiden Aussenseiter kommen sich in den folgenden Wochen näher - wobei Vore Tina auch bald etwas offenbart. Danach wird für Tina nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Der mit Fantasy-Elementen angehauchte Aussenseiter-Streifen Gräns ist in seiner Story schon schön schräg, doch reicht dies nicht, die vielen langweiligen Passagen zu kaschieren. Der Nebenplot um Kinderpornographie ist zudem völlig daneben, wie auch die Ekelszenen, bei denen viele die Hände vors Gesicht nehmen werden. Unsere Reaktion hat auch mit Händen zu tun: Wir verwerfen sie.

Gräns ist schräg, wüst, hässlich, absurd und auch gestört. Am besten liest man so wenig wie nur möglich im Vorneherrein über den Inhalt des Filmes, da er die eine oder andere Überraschung parat hält. Doch wer nicht mit den zu Beginn genannten Adjektiven das Wort "Unterhaltung" in Verbindung bringt, soll hier einen grossen Bogen drum machen. Fans von nicht schleppender Filmkunst übrigens auch.

Obwohl Gräns vom gleichen Autor wie die Genre-Perle Let the Right One in stammt, ist man im Gesamtergebnis qualitativ ganz schön weit entfernt vom Thomas-Alfredson-Film. Es gibt in diesem Fall keine Figuren, mit denen gross mitgebangt werden kann. Wobei, das "bang" aus "mitgebangt" wird während des Filmes noch entscheidend. Denn man darf den beiden hässlichen Aussenseitern noch bei Akten zusehen, die man nicht unbedingt sehen möchte. Zur Klarstellung: Der Ekelfaktor ist unangenehm hoch.

Wird dann in der Mitte des Filmes die Verbindung der beiden Protagonisten offenbart, dürften Fantasy-Fans ihre liebe Freude haben. Dies gibt dem Film dann kurz noch einen dringend benötigten Boost, da zuvor doch neben Ekel auch vornehmlich Langeweile geherrscht hat. Doch dieses Fantasy-Element stösst später sauer auf, wenn noch ein Fall um Kinderpornographie aufgeklärt werden muss. Dieses Thema ist einfach viel zu ernst und die hier gezeigte Verbindung sehr unangebracht und daneben. Das ist insofern schade, als Gräns rein vom Filmischen her einen soliden Eindruck hinterlässt. Besonders an der Kameraarbeit gibt es nicht viel auszusetzen. Sie ist überaus stimmig, wie auch das Make-up bei den Darstellern Eva Melander und Eero Milonoff.

Freunde von dreckiger Unterhaltung und von Filmen, die etwas "anders" sind, dürften hier sicher einige Dinge finden, die sich zufriedenstellen dürften. Alle, die sich nicht sicher sind, ob sie sich das antun möchten, lesen nochmals die Adjektive oben durch und entscheiden dann.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Kommentare Total: 4

yan

Trollige Angelegenheit ;)

Conor

Kinderpornographie ist mit das hässlichste was "schöne" Menschen tun können. Ein grosser Film über die Werte von Schönheit, Selbstwertgefühl, Anderssein und Emanzipation.

chepp

Endlich mal wieder etwas Neues; ein atmosphärischer Film, der Emotionen provoziert. Ich bin mit crs einzig einig darin, dass die Kinderporno-Story hätte weggelassen werden können (oder zumindest die Auflösung derselbigen), aber ansonsten: ein toller Film, super Maske (kaum zu glauben, wie die Hauptdarstellerin in Echt aussieht) und ich hab den beiden Protagonisten ihre Rollen voll abgenommen. Sicher nicht ein Film für jedermann/-frau, aber mir hat er sehr gut gefallen.

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