The Spy Gone North - Gongjak (2018)

The Spy Gone North - Gongjak (2018)

  1. 141 Minuten

Filmkritik: Behind Enemy Lines

71e Festival de Cannes 2018
"Ich chan jetzt grad nöd, Mami. Bin am spioniere."
"Ich chan jetzt grad nöd, Mami. Bin am spioniere." © Studio / Produzent

1993: Berichte über ein Atombombenprogramm der Nordkoreaner um Kim Jong-Il machen die Runde und beunruhigen vor allem die südlichen Nachbarn. Der ehemalige südkoreanische Militäroffizier Park Suk Young (Jung-min Hwang) wird deshalb vom nationalen Geheimdienst als Spion rekrutiert. Unter dem Codenamen "Black Venus" soll Park mehr über die Atombombenpläne der Nordkoreaner in Erfahrung bringen. In Peking gibt er sich dafür als Geschäftsmann aus und knüpft so Kontakte zu dem nordkoreanischen Offiziellen Ri Myong-un (Sung-min Lee).

"Darf ich bitten?"
"Darf ich bitten?" © Studio / Produzent

Park unterbreitet den Nordkoreanern einen Werbedeal, der viel Geld ins Land bringen und so das Regime finanzieren soll. Dafür trifft sich Park sogar mit Machtinhaber Kim Jung-il. Doch als im Jahre 1997 die südkoreanischen Wahlen anstehen und das Rennen nicht so läuft, wie sich dies die amtsinhabene Partei wünscht, erfährt Park von Abmachungen zwischen Nord- und Südkorea, die ihn zutiefst erschüttern. Was soll er nun tun? Seine Mission weiterverfolgen oder gegen sein Heimatland intervenieren?

Der südkoreanische Spionage-Thriller The Spy Gone North erzählt eine wahre, packende Geschichte über Vertrauen, Loyalität, Freundschaft und Betrug und ist dabei zudem noch eine interessante Geschichtslektion über die Geschehnisse in Fernost während der Neunzigerjahre. Wer schon The Age of Shadows mochte, kann hier nicht viel falsch machen.

Während die Anzahl der Spionagefilme nach dem Ende des Kalten Krieges in der westlichen Hemisphäre deutlich abgenommen hat - sogar der arme James Bond musste sich nach 1989 neue Feinde suchen -, ist das koreanische Kino eigentlich prädestiniert dafür, diesen Mangel auszugleichen. Denn zwischen Nord- und Südkorea tobt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch ein Kampf der Ideologien, der viel Zündstoff für solche Agentenstoffe bietet. Ein neuer spannender Vertreter dieser Gattung ist The Spy Gone North.

Dieser nimmt sich, wie im Vorspann erwähnt, einige Freiheiten beim Erzählen seiner Geschichte, doch dass es in den Neunzigern einen Agenten mit dem Namen "Black Venus" gab, das ist verbürgt. Dessen Geschichte wird in 141 Minuten recht unaufgeregt erzählt und benötigt dabei auch etwas Geduld bei den Zuschauern. Ist der Kontakt zu den Nordkoreanern mal hergestellt, tischt Regisseur Jong-bin Yun immer wieder neue Brandherde auf, die nicht mehr von der Leinwand wegsehen lassen. Dabei kommen klassische Spionagefilmelemente wie das Verwanzen eines Hotelzimmers oder die gute alte Sack-über-den-Kopf-und-ab-zur-geheimen-Location-Szene zum Zug.

The Spy Gone North ist in den besten Momenten tolles Spannungskino, das auch wunderbar als Geschichtslektion funktioniert. Denn die wahren Geschehnisse sind mit viel Cleverness in die Story eingewoben worden, und nach dem Film möchte man wissen, was sich denn unter anderem da genau bei den südkoreanischen Wahlen im Jahre 1997 zugetragen hat.

Perfekt ist der Film jedoch nicht. Die Freundschaft zwischen dem Südkoreaner Park und dem Nordkoreaner Ri wirkt gegen Ende hin etwas aufgesetzt. Das Austauschen von Geschenken - eine Rolex-Uhr und eine Krawattenklammer laufen mit einem Lächeln zum "Feind" über - reicht halt einfach nicht dafür, dass wir den beiden diese Freundschaft plötzlich abkaufen. Der Film wird da ein bisschen ein Opfer seines gestopften Programmes, der virtuos und ohne grosse Längen mehrere Jahre abdeckt. Von daher ist das durchaus verkraftbar.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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