The Golem (2018)

The Golem (2018)

  1. 95 Minuten

Filmkritik: Amen! Und grad nochmals: Amen!

«Ich seh' dir in die Augen, Kleines!»
«Ich seh' dir in die Augen, Kleines!»

Die kleine jüdische Gemeinde, in der Hanna (Hani Furstenberg) im 17. Jahrhundert mit ihrem Gatten Benjamin (Ishai Golan) lebt, ist von der Aussenwelt isoliert. Deshalb bleibt sie auch von der tödlichen Pest unberührt. Zumindest so lange, bis ihre Bewohner doch noch in den Kontakt zu Kranken und Verwundeten treten. Für die Mitglieder der Gemeinschaft spitzt sich die Lage zu, als die Christen, die ihre Toten beseitigen und ihre Kranken betrauern, auf das Dorf aufmerksam werden. Sie verlangen von den Juden, dass sie ein kleines Mädchen heilen, anderenfalls würden sie ihre Gemeinschaft dem Erdboden gleich machen.

«Atemschutzmaske gefällig?»
«Atemschutzmaske gefällig?»

Diese Bedrohung will Hanna abwenden und geht dabei einen gefährlichen Weg. In einer jüdischen Legende ist vom «Golem» die Rede, einer Gestalt aus Lehm, die sich durch ein magisches Ritual zum Leben erwecken lässt. Das Ungeheuer soll die Gemeinschaft beschützen. Doch als Hanna ihren Zauber vollendet und am nächsten Morgen ein kleiner, lehmbedeckter Junge auftaucht, nimmt die Tragödie ihren Lauf. Denn obwohl dieser Golem wie ein Knabe aussieht, lassen sich seine Kräfte kaum bändigen.

The Golem braucht ein bisschen Zeit, bis sich die Figuren gefunden haben, spielt seine Stärken aber dann aus, als die titelgebende Figur in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Mit einem etwas grösseren Budget hätten die Macher vielleicht noch mehr aus der Story herausholen und den Effekten den unverzichtbaren letzten Schliff verpassen können.

Die Legende des Golem, der mittels Befehlen auf Papierrollen zum Beschützer seiner Gemeinde wird, hat man bereits einige Male auf Film gebannt. Ob in der klassischen Erzählweise der 1920er oder besonders gruselig, die Geschichte um die Lehmfigur ist und bleibt faszinierend. Kein Wunder, haben sich die Brüder Doron und Yoav Paz nach ihrem empfehlenswerten Jeruzalem dieser Legende angenommen und mit The Golem etwas daraus gemacht, das sich durchaus sehen lassen kann.

In der kleinen Gemeinde eintreffend werden wir erst einmal über deren familiären Verhältnisse, deren Probleme und die Schwierigkeiten ihrer Isolation in Kenntnis gesetzt. Mit dem Auftauchen der Christen (bös und unheimlich dargestellt mit ihren Pestmasken) nimmt das Drama schliesslich seinen Lauf. Als der Lehm-Junge in der Geschichte auftaucht - bis es soweit ist, dauert es ein wenig - wird auch der Splatterfaktor in die Höhe getrieben. Der Kleine geht zwar nicht mit den Händen auf seine Gegner los, lässt aber mit Vorliebe deren Köpfe mittels Telekinese zerplatzen, Blutfontänen inbegriffen.

Das Regie-Duo platziert seinen Film in die Tradition der Legende, macht daraus aber einen modernen Gruselfilm, dem man allerdings den Mangel an einem grossen Budget ansieht. Einige Effekte sind unsauber gestaltet und manche Begegnungen hätten mit etwas mehr Kohle sicherlich besser umgesetzt werden können. Dafür machen die Darsteller einen einwandfreien Job und auch wenn The Golem kein Überfilm geworden ist, darf man einen Blick darein durchaus riskieren.

/ muri