The Girl in the Spider's Web (2018)

The Girl in the Spider's Web (2018)

Verschwörung
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  3. 117 Minuten

Filmkritik: Dragon-Tattoo-Girl!

"Ööööhm, sind sie versichert?"
"Ööööhm, sind sie versichert?"

Die toughe Hackerin Lisbeth Salander (Claire Foy) hat den Kontakt zu Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) komplett abgebrochen und bringt alleine Gerechtigkeit für Unterdrückte. Eines Tages wird sie von dem Computerwissenschaftler Frans Balder (Stephen Merchant) kontaktiert. Er hat für die amerikanische Sicherheitsbehörde NSA ein Programm entwickelt, mit dem man alle Nuklearraketen der Welt kontrollieren kann. Lisbeth soll sich bei der NSA einhacken und das Programm stehlen, damit es vernichtet werden kann.

Lisbeths Skyfall?
Lisbeths Skyfall?

Lisbeth nimmt den Job an und ist wenig später auch im Besitz des Programms. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Nicht nur wird sie jetzt vom NSA-Mann Edwin Needham (Lakeith Stanfield) unnachgiebig gejagt, sondern auch eine finstere Gruppe mit dem Namen "The Spider Society" trachtet Lisbeth nach dem Leben. Es beginnt eine wilde Hatz, während der Lisbeth auch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

The Girl in the Spider's Web kommt zwar von der Intensität her nicht an den Vorgänger heran, bietet aber während zwei Stunden rasante Action-Thriller-Unterhaltung mit einer starken Heldin, die von Claire Foy überzeugend verkörpert wird. Der in den vorherigen Werken so wichtige Mikael Blomkvist ist hier jedoch vollkommen vörig.

Die von Autor Stieg Larsson erdachte Hackerin Lisbeth Salander wurde nach dem Erscheinen der Bücher und der Filme wie eine Art Superheldin gefeiert. Das ist naheliegend: Die Figur setzt sich mutig für die Unterdrückten ein und geht mit ihren Gegnern gar nicht zimperlich um. Mit ihrer Cleverness und den Fähigkeiten am Laptop scheint sie ihren Widersachern immer einen Schritt voraus zu sein. Während Salander jedoch in den bisherigen vier Filmen immer recht gut auf dem Realitätsboden gehalten wurde, wirft das Team hinter The Girl in the Spider's Web diesen Vorsatz über Bord: In dieser Geschichte wird aus dem Mädchen mit dem Drachen-Tattoo die Superheldin "Dragon-Tattoo-Girl", wobei weder Logik noch gross Plausibilität zählen.

Das ist jedoch nicht unbedingt schlecht, was Regisseur Fede Alvarez (Don't Breathe) in seiner Romanverfilmung veranstaltet - er distanziert sich auch so von The Girl with the Dragon Tattoo, was ja auch der Sinn eines solchen Reboots (weder David Fincher, Daniel Craig noch Rooney Mara sind hier dabei) ist. Als Vorlage dient kein Roman mehr von Larsson: Der Schwede starb 2004, wobei seine Millennium-Trilogie erst postum veröffentlicht wurden. Weitergeführt wurde die Reihe von David Lagercrantz, dessen erstes Millennium-Buch hierfür hinzugezogen wurde. Alvaraz machte daraus einen gradlinigen Action-Thriller mit 007-Anleihen, was Bösewicht und Plot betrifft, in dem Claire Foy in der Rolle der Heldin eine sensationell gute Figur abgibt. Schade, dass ihre Lisbeth durch ihre unmöglichen Hackerfähigkeiten auch mal unglaubwürdig wird. Eine Flughafenszene ist in dieser Beziehung fast schon lustig.

Während man Foy vor allem nur loben kann, muss hingegen der Part des Journalisten Mikael Blomkvist ernsthaft hinterfragt werden. Denn die von dem Schweden Sverrir Gudnason gespielte Figur ist komplett unnütz und ist nur im Film, weil sie in den bisherigen Büchern auch vorkam. Alle Szenen mit ihm hätten gut gestrichen werden können - auf die eigentliche Story hat er kaum einen Einfluss. Ohne Blomkvist wäre auch mehr Platz für den von Lakeith Stanfield verkörperten NSA-Mann Edwin Needham gewesen, der neben den Hauptbösewichten auch Jagd auf Salander macht. Das potentielle "Lisbeth alleine gegen alle"-Szenario hätte zweifelsohne die Spannung angehoben.

Trotzdem ist The Girl in the Spider's Web ein gelungener neuer Teil, welcher Nummer zwei und drei der schwedischen Umsetzungen aufgrund seiner Inszenierung und cooler Actionszenen locker hinter sich lässt. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen und das Ganze mit Finchers Werk vergleichen. Zu unterschiedlich sind die Filme. Wo der Se7en-Regisseur die Spannungsschraube kontinuierlich anzog, interessiert sich Alvarez vor allem aufs "Fürschimache" und opfert dafür die Zeichnung von gewissen Figuren. Doch am Ende ist sowieso nur eine wichtig. Es ist dies hier die grosse Lisbeth-Salander-Show und dank Claire Foy reicht dies für zwei Stunden rasante Unterhaltung.

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Nein, das war nichts! War in letzter Zeit selten so enttäuscht von einem Film.

Fede Alvarez hat aus Lisbeth Salander eine öde Superheldin gemacht, etwas James Bond dazu geschnippelt und das Ganze so inszeniert, als hätte man gerade den neuen Tatort gesehen. Die Darsteller sind schwach, Claire Foy muss sich hinter Mara und Rapace anstellen und Gudnasons Blomkvist ist zwar auch noch da, aber wirklich einen Sinn ergibt seine Figur nicht mehr.

Hab das Buch zwar nicht gelesen, aber aus sicheren Kreisen weiss ich, dass hier einiges geändert und aus unverständlichen Gründen ausgelassen wurde.

crs

Filmkritik: Dragon-Tattoo-Girl!

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