The Front Runner (2018)

The Front Runner (2018)

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Filmkritik: Hart Target

43rd Toronto International Film Festival
Wolverine im Anzug
Wolverine im Anzug

1987: Senator Gary Hart (Hugh Jackman) ist der Spitzenkandidat der demokratischen Partei für die bevorstehende US-Wahl. Der Politiker ist beim Volk äusserst geliebt und hat grosse Chancen, gegen den Republikaner George Bush ins Rennen ums Weisse Haus zu gehen. Doch Gary ist nicht gerade der treuste Ehemann, was ihm zum Verhängnis werden könnte. Doch noch kann er solche Fragen abblocken, da es sich seiner Meinung nach nicht gehört, über das Privatleben zu reden. Es soll um die Sache gehen.

Doch der Miami Herald lässt nicht locker und beginnt Hart zu beschatten. Dabei sehen die Journalisten, wie eine Frau aus Harts Stadthaus in- und ausgeht, während die Familie des Politikers auf dem Land weilt. Der Herald beschliesst, mit diesen Infos an die Öffentlichkeit zu gehen - und beeinflusst damit nicht nur ein Präsidentschaftsrennen, sondern weit mehr. Das Team hinter Harts Kampagne muss nun zu retten versuchen, was es noch zu retten gibt.

The Front Runner von Regisseur Jason Reitman zeigt die wahre Geschichte des Politikers Gary Hart, dessen ausserehelichen Affären ihm 1987 die Kandidatur für das US-Präsidentschaftsamt gekostet haben. Der Film zeigt auf interessante, wenn auch emotional eher unterkühlte Art und Weise, welche entscheidende Rolle die Medien dabei spielten und wie es seither eigentlich nur noch schlimmer wurde. Die Schauspieler um Hugh Jackman und Vera Farmiga sind durchs Band stark.

Was sind News? Gehört zum Beispiel eine Affäre eines Politikers in die Schlagzeilen? Eine Frage, die in der Donald-Trump-Zeit kaum mehr gestellt wird. Wir wollen noch so jedes Detail wissen, obwohl es für die Job-Ausübung des Betrügers - wir reden in diesem Fall mal nur von Affären - kaum relevant ist. Die obige Frage dürfte sich auch Gary Hart gestellt haben, als seine Untreue im Jahr 1988 plötzlich Thema Nummer eins in den Medien war und dies seine Präsidentschaftskandidatur kostete. Harts Geschichte wird im neuen Film von Jason Reitman (Juno, Tully) aufgerollt.

Harts Falls war einer der ersten Sexskandale, der dafür sorgte, dass das Privatleben von Politikern zum öffentlichen Thema wurde. Für den Film wurde Matt Bais Buch "All The Truth Is Out: The Week Politics Went Tabloid" herangezogen, welches von Bai selbst und von dem Journalist Jay Carson und Reitman leinwandtauglich gemacht wurde. Dabei ist ein Werk der Kategorie "ganz interessant" entstanden. Es werden verschiedene Sichtweisen ziemlich neutral präsentiert, sodass der Zuschauer danach eine gute Grundlage für Diskussionen hat. Urteilen sollen die Zuschauer selbst über das Verhalten der involvierten Parteien.

Dagegen ist nichts einzuwenden, nur entstehen durch diese Neutralität nicht gerade viele Sympathieträger. Es gibt hier kaum eine Figur, mit der man mitbangen könnte. Selbst gegenüber einem Hugh Jackman, welcher Hart spielt, bleibt man auf eine eher ungewohnte Art und Weise auf Distanz. Der (ehemalige) Wolverine-Darsteller zeigt aber nichtsdestotrotz eine überzeugende, weil zurückhaltende Leistung. Der ganze Cast ist durchs Band toll, wobei Vera Farmiga als Ehefrau und J.K. Simmons in einer typischen "jksimmonsen" Rolle als Wahlkampfleiter etwas gar wenig Screentime erhalten.

So ist The Front Runner ein nachdenkliches Zeitdokument, das zeigt, wie sich die Berichterstattungen in und um die US-Politik in den Achtzigern verändert haben und die Auswirkungen dieses Falls immer noch zu spüren sind. Wieso über politische Inhalte reden/schreiben, wenn man das Privatleben auseinandernehmen kann?!

/ crs

Trailer Englisch, 02:12