Fahrenheit 11/9 (2018)

Fahrenheit 11/9 (2018)

  1. 128 Minuten

Filmkritik: USA! USA! OMG!

43rd Toronto International Film Festival
Michi und Jared
Michi und Jared

"Wie, verfickt nochmal, konnte das passieren?", fragt Michael Moore zu Beginn seiner neusten Dokumentation. Wie kann es sein, dass Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist? Was ist genau schiefgelaufen? Diesen Fragen geht der Regisseur nach und findet Schuldige nicht nur bei den Republikanern, sondern auch bei den Demokraten. Doch nicht nur im Weissen Haus im Jahre 2018 brennt es lichterloh.

In Flint, im Bundesstaat Michigan, wird seit 2014 die Bevölkerung mit unsauberem Wasser vergiftet. Michigan-Gouverneur Rick Snyder liess die Wasserversorgung ändern, was katastrophale Konsequenzen hatte. Moore trifft sich mit Opfern und versucht auch an die Verantwortlichen heranzukommen. Moore wirft auch einen Blick auf das Massaker an der Highschool in Parkland im Jahre 2018. Er lässt Überlebende zu Wort kommen, welche was gegen den ganzen Waffenwahnsinn in den Staaten machen wollen. Gibt es Hoffnung für die USA?

Der Dokumentarfilm Fahrenheit 11/9 von Michael Moore zeigt ein kaputtes Land, macht aber klar, dass daran nicht Donald Trump alleine schuld ist. Der Film zeigt den Wasser-Skandal von Flint, schaut auf das Massaker von Parkland und vergleicht die Trump-Regierung mit Hitler und seinen Schergen. Das ist zwischendurch etwas "too much", aber aufrüttelnd und dank Moores Hang zum Humor während zwei Stunden unterhaltsam.

Na vielen Dank, Gwen Stefani... Die ehemalige Frontfrau von No Doubt steht am Anfang des Übels, das Donald Trump momentan über die Welt bringt. "Bitte was?!", werden sich jetzt wohl viele fragen. Auf diese Schnapsidee kamen (in diesem Fall) nicht wir, sondern sie stammt von Oscarpreisträger und Holzhammer-Dokumentarfilmer Michael Moore. Er argumentiert, dass Stefani 2014 für den Job bei der Casting-Show "The Voice" zur Topverdienerin beim Sender NBC aufstieg und so Trump mit seiner Show "The Apprentice" auf den zweiten Platz verwies.

Laut Moore wollte es Trump dann allen zeigen, dass er die Nummer eins ist und das scheint er nun erreicht zu haben. Dank seines Wahlkampfsieges am 9.11.2016 (deshalb der Titel Fahrenheit 11/9 - die Amis vertauschen bei der Datumsschreibung Tag und Monat) bekleidet er eines der mächtigsten Ämter der Welt.

So beginnt Fahrenheit 11/9 und beweist, dass Moore nichts von seiner speziellen Art von Humor verloren hat. Doch natürlich bietet sein Film nicht nur Schenkelklopfer, sondern auch jede Menge Schockierendes über den Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Zwei-Stunden-Trump-Bashing-Event ist dies jedoch nicht. Denn Trump kam nicht aus dem Nichts, sondern nutzte den Zustand einer maroden Nation aus.

Ein Beispiel ist da sicherlich die Wasserkrise in Flint, die in unseren Breitengraden etwas unterging. Eine clevere Entscheidung, hier einen Fokus zu legen. Denn die Skandale um Trump und Co. wurden zur Gnüge behandelt. Moore zeigt Zusammenhänge leicht verständlich auf und schiesst dabei wie üblich dabei auf alles und jeden. Auch die Demokraten und der immer noch sehr beliebte und geschätzte Barack Obama kriegen ihr Fett weg. Dieser Rundumschlag bringt jedoch ein filmisches Chaos mit sich. Einiges wird angerissen und dann nicht genügend vertieft. Moore will einfach zu viel in Fahrenheit 11/9 packen.

Polemisch ist Fahrenheit 11/9 sowieso. Da werden Reden von Trump über Bilder von Hitler-Ansprachen gelegt und das Verhalten der momentanen US-Regierung mit Taktiken der Nazi-Zeit verglichen. Hier und auch an anderen Orten trägt Moore etwas gar dick auf. Am besten ist der Film immer dann, wenn er die einfachen Leute zu Wort kommen lässt. Menschen wie Alexandria Ocasio-Cortez oder die Überlebenden des Parkland-Massakers, die was verändern wollen. Man sieht am Ende dieses fast zweistündigen, unterhaltsamen Dokumentarfilm fast so etwas wie Hoffnung. Doch wie Moore selbst sagt, braucht die USA nicht Hoffnung, sondern Taten. Man ist so am Ende fast optimistisch - auch wenn es der Regisseur laut eigenen Worten selbst nicht mehr ist.

/ crs

Kommentare Total: 2

muri

Der Kerl war mal so angriffig, lustig und aufwühlend... Inzwischen ist ihm der eine oder andere Zahn gezogen worden und Moore lässt sein wahres Talent nur noch aufblitzen. Ausserdem scheint ihm Trump alleine nicht genügend Material zu bieten, um zwei Stunden Filmzeit zu füllen. Nichts gegen den Wasserskandal in Flint, aber wer hier eine Abrechnung mit Trump erwartet, der dürfte überrascht werden.

Ebenfalls ist der Film it über zwei Stunden einiges zu lang geraten und verlangt vom Zuschauer einiges an Sitzfleisch...

Er war doch mal so gut, der Moore.....

crs

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Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:46