The Extraordinary Journey of the Fakir (2018)

The Extraordinary Journey of the Fakir (2018)

Die unglaubliche Reise des Fakirs
  1. ,
  2. , ,
  3. 92 Minuten

Filmkritik: In einem Schrank um die Welt

Traute, indische Zweisamkeit
Traute, indische Zweisamkeit

Aja (Dhanush) ist ein indischer Fakir. Seine Welt ist klein, aber in Ordnung. Sein Interesse gilt primär den Kollektionen eines schwedischen Möbelgiganten. Seit Kindstagen träumt er davon, mit seiner alleinerziehenden Mutter nach Paris zu reisen. Einige Jahre später lebt Aja noch immer in New Delhi, seine Mutter verstirbt und mit dem allerletzten Geld macht er sich auf den Weg nach Paris. Lediglich ausgestattet mit einem gefälschten 100 Euro-Schein, den sterblichen Überresten seiner Mutter und einem Zeitungsartikel über seinen Vater, beschliesst Aja, erstmal sein geliebtes Möbelhaus zu besuchen. Dort trifft er auf Marie (Erin Moriarty), in die er sich Hals über Kopf verliebt.

Guguseli, wo bisch itz äne?
Guguseli, wo bisch itz äne?

Weil Aja keine Unterkunft in Paris hat, beschliesst er, in einem Schrank im Möbelhaus zu nächtigen. In jener Nacht wird genau dieser Schrank ausgesucht, um verschickt zu werden - nämlich nach London. Welch eine Plage, hat Aja sich doch mit Marie am nächsten Tag am Eiffelturm verabredet. Eine abenteuerliche Reise mit verschiedenen Zwischenhalten beginnt. Wird Aja Marie jemals wiedersehen?

Umhüllt von einer sanften Liebesgeschichte erzählt Ken Scott die Lebensgeschichte eines indischen Fakirs. Die Komödie ist während ihrer gesamten Laufzeit äusserst unterhaltsam, bietet dezent platzierten Humor und eine angenehme Atmosphäre. Scott verleiht den Charakteren die nötige Tiefe, um sich in sie einfühlen zu können. Dabei verliert er nie den Fokus, schweift nicht unnötig ab und hält die Geschichte spannend. Die vielen kleinen Nebenrollen sind ebenso stimmig gecastet, wie es die beiden Hauptrollen sind. Dass die Story vorhersehbar bleibt und teilweise etwas übermütig wirkt, sei ihm dabei verziehen.

L'éxtraordinaire voyage du fakir ist eine Roman-Adaption des französischen Autors Romain Puértolas. Umgesetzt wurde die abenteuerliche Liebeskomödie von Ken Scott, der sich 2011 für den Überraschungshit Starbuck verantwortlich zeigte. Hier nun wagt sich Scott an eine feinfühlige Liebesgeschichte, die mit grossem Abenteuersinn und viel Humor angereichert wurde.

Die Storyline beginnt mit dem nach Indien heimkehrenden Fakir Aja, der sich um drei jugendliche Straftäter kümmert und ihnen eine Geschichte erzählt. Es existieren somit zwei verschiedene Zeitebenen, auf welchen sich der Film abspielt. In Episoden handelt er dabei sein Leben ab. Nach den jeweiligen Episoden kehrt die Story in die Gegenwart zurück und die faszinierten Zuhörer stellen Fragen. Natürlich schwingt schlussendlich eine Moral mit, die den Zuschauern glücklicherweise nicht mit der Keule in den Schädel gepresst wird.

Dass diese Moral sehr unterschwellig daherkommt, mag am gesamten Aufbau des Filmes liegen. Denn wie die Moral wird die Liebesgeschichte, die den Antrieb für den Film darstellt, nie forciert. Sie ist stets präsent, im Endeffekt jedoch doch nur der Weg zum Ziel. Sie ist unaufdringlich und hat zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, dies zu ändern. Ohne die Begegnung mit Marie weiss niemand, wie Ajas Aufenthalt in Paris verlaufen wäre. Die Art und Weise, wie sich Aja und Marie kennenlernen, verhilft den Zuschauern zu Tränen vor lachen, wenn die beiden die verschiedenen Schauräume einer Filiale des schwedischen Möbelgiganten auf ihre Alltagstauglichkeit prüfen.

Vordergründiger als die Lovestory präsentieren sich die vielen Abenteuer, die Aja auf seiner Reise durch Europa erlebt. Der Film wird da zu einem kleinen Secret Life of Walter Mitty: eine abenteuerliche Reise und eine Flucht aus dem gewohnten Alltag. Angereichert ist das mit einer zarten Lovestory wie in einem Bollywood-Film. Klassische Tanz- und Gesangselemente à la Bollywood hat Scott auch eingebaut. Dies jedoch an Stellen, an denen es am wenigsten zu erwarten gewesen wäre: Nicht in Mumbai, nicht in Indien - nein, es ist eine Tanzeinlage von englischen Grenzpolizisten, die das anfänglich dagewesene orientalische Flair zurückbringt. Oder das Kennenlernen von Aja und Marie im Möbelhaus, als sich alles plötzlich in eine Bollywood-Szenerie mit indischer Musik, farbenfrohen Gewändern und Stofftüchern verwandelt.

/ yab

Kommentare Total: 3

yan

Hat Spass gemacht. Unterhaltsames Abenteuer, das am Besten als kleiner Bruder von "Life of Pi" beschrieben werden kann.

yab

Filmkritik: In einem Schrank um die Welt

globinli

Wunderbarer Film! Mal was ganz anderes. Und das sagt ein junger Mann und eine nicht mehr ganz so junge Mutter :-D Interessant, spannend, unterhaltsam, teils humorvoll. Man taucht in eine so ganz andere Welt ein. Der Film muss unbedingt in Originalsprache gesehen werden. Das auf Deutsch übersetzt geht gar nicht. Indisch, englisch, mal etwas ital. und natürlich ein paar Worte franz.- einfach toll zu sehen und zu hören.

Kommentar schreiben