Dragged Across Concrete (2018)

Dragged Across Concrete (2018)

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Filmkritik: Making movies great again?

75. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2018
Es kann nur einer rechts stehen.
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Bei ihrem letzten Fall gingen die beiden toughen Polizisten Ridgeman (Mel Gibson) und Lurasetti (Vince Vaughn) wie gewohnt wieder etwas grober zur Sache. Während der gewalttätigen Festnahme eines lateinamerikanischen Gangsters werden sie von einem Zivilisten gefilmt und sehen sich so rasch in den Massenmedien ausgeschlachtet und von Lieutenant Calvert (Don Johnson) ins Büro zitiert, um ihre Polizeimarken vorübergehend abzugeben.

Ridgeman kann sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden. Früher, als noch nicht alle Medien einen solch grossen Wert auf Political Correctness legten, konnte man seine Polizeiarbeit noch gründlich ausüben, findet er. Als seine Tochter im vorwiegend armen Viertel der Ridgemans belästigt wird, hat der Cop eindeutig genug. Wenn er nicht durch seinen Job an Geld kommen kann, soll es ein Raub richten, den er mit seinem Partner Lurasetti planen und durchführen will.

Dragged Across Concrete ist ein Film für all jene, die den Ausdruck "Social Justice Warrior" gerne mal als Schimpfwort brauchen und hinter der aktuellen amerikanischen Regierung und ihren Ideologien stehen. S. Craig Zahler kann sich mit dieser Alt-right-Propaganda nicht hinter Grindhouse und Exploitation verstecken. Es wird versucht, die toughen Dialoge solcher Filme zu imitieren doch meistens mit flachen Resultaten. Ohne Augenzwinkern und von seinen "Helden" überzeugt, ist Dragged Across Concrete ein Dinosaurier, der leider noch immer nicht ausgestorben ist. Immerhin ist er mit Vince Vaughn und Mel Gibson bestens besetzt.

"Politics are like cell phones. They're everywhere" lamentiert der von Don Johnson gespielte Lieutenant in einer frühen Szene. Da können zwei Polizisten die junge Freundin eines Gangsters nicht einmal mehr nackt unter die kalte Dusche stellen, um sie zu verhören oder den Schädel des besagten Verbrechers mit dem Stiefel auf den Boden drücken. Was für eine traurige Welt für die Protagonisten! Hatten viele Actionkisten der Achtziger ähnlich chauvinistische Mannsbilder in den Hauptrollen, so waren sie charmant und selbstironisch genug, dass sie auch das liberale Hollywood in die Arme schloss. Daran hat Regisseur Craig S. Zahler kein Interesse.

Mel Gibson grummelt sich in Edge of Darkness-Manier durch die misslungenen Oneliner und schwachen Dialoge und hat seinen gesamten Filmstar-Charme zu Hause gelassen. Vince Vaughn kann in Sachen Blassheit jedoch gut mithalten. Die Gewaltszenen sind erwartungsgemäss derb und blutrünstig, haben aber einen bitteren Nachgeschmack. Die extreme Gewalt wird nämlich beinahe ausschliesslich an Minderheiten ausgeübt. Von Magenoperation bis zur implizierten Kastration schreckt Zahler vor nichts zurück. Mit einem jazzigen Soundtrack und Nebelmaschinen soll eine Film-noir-Stimmung entstehen. Dieses Genre kann Zahler im Gegensatz zum Exploitaiton-Western (Bone Tomahawk) und Gefängnisfilm (Brawl in Cell Block 99) nicht effektiv wiederaufleben lassen.

Versucht man den Film von einer anderen Seite zu betrachten, könnte Dragged Across Concrete als beissende Satire oder gar Verurteilung des Actionkinos und seiner Darstellung von Polizeigewalt angesehen werden, doch dafür braucht es sehr viel Fantasie. Auch wenn man die verwerfliche Politik ignorieren könnte, bleibt nur noch ein unterdurchschnittlicher Cop-Thriller nicht fern von Flops wie Righteous Kill und wie sie alle heissen. Dieser Film ist weit weg von Zahlers bisherigen Genreperlen.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 2

yan

It's bullshit, but it's reality!

Wäre der Showdown am Ende doch nur ein bisschen besser ausgearbeitet gewesen, dann hätte ich Dragged Across Concrete noch mehr gefeiert. Denn bis zur letzten halben Stunde macht S. Craig Zahler auch bei seinem dritten Film praktisch alles richtig.

Ja, Gibson und Vaughn spielen zwei Dinosaurier, die mit ihrer Ideologien hinterherhinken, aber sie spielen die beiden Figuren grossartig und es gibt absolut keinen Grund, hier Politisches hinein zu interpretieren. Die Figuren sind nun einmal so und im Vergleich zu Actionperlen wie John Wick und Co. bleibt man hier wenigstens realistisch.

Dragged Across Concrete macht Spass und Zahler muss sich überhaupt nicht hinter Grindhouse und Exploitation verstecken, denn sein Film hätte auch ohne diese für ihn typischen blutigen Momente nichts an Unterhaltungswert eingebüsst. Doch Zahler bleibt sich treu: mit seiner selbstironischen und zynischen Art provoziert er auch hier und wird damit nicht nur dem Outnow-Kritiker vor den Kopf stossen.

Für mich ist Dragged Across Concrete ein ehrlicher Einblick in das Leben zweier schlecht bezahlter Cops. Das ist dreckig, düster und nicht fair. Genauso wie das Leben. Dies unterhält zwar ungemein, aber dies manchmal tragischer, als wir es gerne hätten.

4.5

ma

Filmkritik: Making movies great again?

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Trailer Englisch, 01:42