Donbass (2018)

Donbass (2018)

  1. , ,
  2. 110 Minuten

Filmkritik: Dumbasses in Donbass

71e Festival de Cannes 2018
So eine Scheisse
So eine Scheisse © Studio / Produzent

Ukraine 2014: Der Krieg zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen hält das Land im ständigen Alarmzustand. Die Menschen leben in Angst und müssen dabei nicht nur die Separatisten, sondern zunehmend auch die eigenen Landsleute fürchten. Da wird einem Mann einmal das Auto abgeschleppt, und als er es wieder holen will, wird er höflichst dazu gezwungen, es den Regierungstruppen zu überschreiben. Sie kämpfen ja auch für sein Wohl, und da sei so eine "Spende" doch selbstverständlich.

Ohne Worte...
Ohne Worte... © Studio / Produzent

An einem anderen Ort wird ein Mann an einen Laternenmast gebunden. Auf seiner Brust ist ein Dokument gedruckt, das die Passanten in Rage versetzt, weshalb dem Mann droht, vom Mob gelyncht zu werden. Wieder an einem Ort lehrt eine Politikerin einem Journalistin einen Eimer Exkremente über den Kopf, da dieser in der Zeitung behauptet hat, dass sie korrupt sei. Im Donezbecken gehen die Emotionen heftigst rauf und runter.

Kommen Sie nach Donbass und erleben 13 Episoden voller Wahnsinn und Horror, ohne dabei jedoch während 130 Minuten irgendetwas an Spannung oder Humor zu bekommen - dafür aber ganz viel Langeweile! Das neuste Werk von Sergei Loznitsa ist ein Ärgernis, bei dem man dem Regisseur wegen der ewig andauernden Szenen einen Schnittmann mit Durchsetzungsvermögen an den Hals wünscht.

Sergei Loznitsa mag ausgedehnte Szenen. Das Extrembeispiel ist sein Kriegsdrama In the Fog von 2012, das bei einer Laufzeit von 127 Minuten gerade einmal mit 72 Schnitten auskam. So extrem war das Spielfilmnachfolgewerk A Gentle Creature zwar nicht, doch begannen dort Sequenzen viel, viel früher als nötig und hörten dann auch erst viel später auf, als sie eigentlich müssten. Die Brillanz eines Michael Haneke, der ähnlich arbeitet, geht dem Russen dabei völlig ab.

Und so sind wir bei Donbass angelangt, einem Blick auf die chaotischen Zustände in der Ukraine. Der Film feierte dabei seine Weltpremiere gerade einmal sechs Wochen, nachdem am Set die letzte Klappe gefallen war. Viel Zeit für den Schnitt blieb also nicht übrig - nicht, dass Loznitsa aufgrund seines Stils dort viel Zeit verbracht hätte.

Das Ergebnis ist ein erneut äusserst langfädiger und mühsamer Film, der einen satirischen Touch hat, doch kaum zum Lachen bringt. Vielleicht war dies ja auch nicht das Ziel - die gezeigten Situationen sind himmeltraurig -, doch kann aus solchen Situationen trotzdem einiges aus absurder Komik gewonnen werden. Hier nicht.

Einige der 13 lose zusammenhängen Episoden sind durchaus interessant, während andere nur auf den Geist gehen. In die erste Gruppe gehört eine Sequenz mit einem Soldaten, der an einen Laternenpfahl gekettet wird, damit sich die Einwohner auf ihn einhauen können. Zur letzteren gehört eine ewig in die Länge gezogene Hochzeitfeier mit einer Braut, die mit ihrem schrillen Lachen definitiv in Top-5 der nervigsten Bräute aller Zeiten gehört. Diese Szene ist einzige nervtötende Katastrophe

Natürlich will Loznitsa hier anprangern. Natürlich will er uns absurde Situationen zeigen, um aufzurütteln. Natürlich ist dieser Wahnsinn von ihm durchdacht und beabsichtigt. Natürlich soll dies kein wirklicher Sehgenuss sein. Doch das Gefühl, das hier aufgrund seiner Art der Inszenierung vorherrscht, ist die Langeweile. Sein Film ist ein mit 130 Minuten völlig aufgeblähtes Ding, das genau deshalb von kaum jemanden gesehen wird. Und das kann ja nicht wirklich das Ziel gewesen sein.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd