The Death and Life of John F. Donovan (2018)

The Death and Life of John F. Donovan (2018)

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  2. 123 Minuten

Filmkritik: Die Post bringt's

43rd Toronto International Film Festival
Im Bett ist es doch am schönsten.
Im Bett ist es doch am schönsten.

Als der 21-jährige Schauspieler Rupert Turner (Ben Schnetzer) ein elfjähriger Junge (Jacob Tremblay) war, pflegte er eine Brieffreundschaft mit John F. Donovan (Kit Harington), dem Hauptdarsteller einer populären TV-Serie. Donovan war damals sein absolutes Idol. Poster mit dem Gesicht des Schauspielers zierten das Schlafzimmer, und wann immer die Serie im TV sehen war, wurde daraus ein Event für den Jungen. Von seinen damaligen Erlebnissen berichtet Rupert nun der Journalistin Audrey Newhouse (Thandie Netwon).

Diese ist wenig erfreut über dieses Interview. Denn eigentlich hat sie gar keine Lust, das Gespräch zu führen, wird ihr Gegenüber doch vor allem von "First World Problems" berichten. Doch Ruperts Geschichte über seine Kindheit und sein Idol beginnt bald auch Audrey zu packen. Denn es ist eine Geschichte voller Tragik, bei der nicht nur Donovans Selbstmord, sondern auch Ruperts schwierige Beziehung zu seiner Mutter (Natalie Portman) sowie die harte Schulzeit für ein ständiges Auf und Ab sorgten.

Xavier Dolan ist mit seinem ersten englischsprachigen Film etwas überambitioniert: Er erzählt in The Death and Life of John F. Donovan zwei parallel ablaufende Geschichten und unterbricht diese auch noch mit einer Rahmenhandlung. Doch trotzdem zieht die berührende Geschichte über Idole und Selbstakzeptanz die Zuschauer regelrecht rein und lässt sie während zwei Stunden kaum mehr los. Die Schauspieler und die Musik sind - wie immer bei Dolan - ebenfalls top.

The Death and Life of John F. Donovan ist das englischsprachige Debüt des frankokanadischen Wunderkindes Xavier Dolan, das unter anderem mit Mommy und Tom à la ferme begeisterte. Dolans Ruf eilt ihm voraus, sodass sich halb Hollywood regelrecht um Rollen in diesem Film riss. So versammelte der Regisseur am Set schliesslich Kit Harington, Jacob Tremblay, Natalie Portman, Kathy Bates, Michael Gambon und Jessica Chastain, wobei Letztere nach einer ersten vierstündigen Schnittfassung entfernt werden musste. Am Ende ist "Donovan" 127 Minuten lang geworden.

Es ist ein Film, den man sich rein von vom Visuellen her gerne ansieht. Er enthält die üblichen Dolan-Mätzchen wie Bildspielereien und das Abspielen von ganzen Popsongs. Welche das hier sind, wollen wir nicht verraten, ist das Entdecken dieser Tracks immer auch ein Grund, sich einen Film des Regisseurs anzusehen. Zum Glück ist es bei Donovan nicht der einzige Grund. Dolan erzählt eine berührende Coming-of-Age-Story über Träume, Idole, Homosexualität, Familie und die Eigenschaft, sich selbst zu lieben. Es ist eine äusserst persönliche Geschichte, denn sie basiert zu Teilen auf Erlebnissen des Regisseurs - so schrieb er unter anderem im Alter von neun Jahren einen Brief an Leonardo DiCaprio.

Etwas überambitioniert ist der Kanadier jedoch mit der Erzählform. Nicht nur werden zwei Geschichten - jene vom jungen Rupert und dem Schauspieler Donovan - parallel erzählt, sondern auch noch mit einer Rahmenhandlung verbunden, in der ein erwachsener Rupert seinen Senf dazugibt. Zwar gibt es so viele gescheite Sätze eines Mannes, der auf seine eigene Kindheit zurückblickt - im Nachhinein ist man halt im schlauer -, doch hätte das Ganze auch ohne dieses Gimmick funktioniert. Daneben ist zudem eine Szene mit der irisch-britischen Schauspielerlegende Michael Gambon, der nur im Film drin ist, damit er einen fetten Block an Weisheit abliefert. Das wirkt regelrecht billig und ist man sich so nicht von Dolan gewohnt.

Trotzdem: Dolans Art und Weise der Inszenierung sowie die tollen Darsteller - allen voran Jacob Tremblay - ziehen die Zuschauer auch hier wieder völlig in den Film hinein und lassen The Death and Life of John F. Donovan zu einem lauten, emotionalen Erlebnis werden. Es ist ein Werk, in dem man sich wunderbar verlieren kann und aus dem man nach zwei Stunden mit einem Lächeln und einem Ohrwurm wieder herauskommt.

Und weil sich in dem Film vieles um Briefe dreht, wollen wir mit folgenden Worten abschliessen: "Lieber Xavier Dolan. Wir sind Fans von The Death and Life of John F. Donovan. Wäre es möglich, dass du die Vierstunden-Fassung des Filmes mit Jessica Chastain veröffentlichen könntest? Das würde uns sehr glücklich machen. Liebe Grüsse, OutNow.CH"

/ crs